Schorndorf

Wird die Gartenschau im Verkehrschaos enden?

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GDL Streik S-Bahn Überfüllt da nur Stundentakt und Chaos beim Schleichverkehr Bahn streik
Wird’s zur Remstal-Gartenschau-Zeit regelmäßig so zugehen, wie hier in der S-Bahn bei Waiblingen? © Habermann / ZVW
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Schorndorf Weiler Raubueberfall Kreissparkasse
Verstopfte Ortsdurchfahrt in Schorndorf-Weiler: Droht das auch während der Gartenschau? © Gaby Schneider

Schorndorf. Über 80 Kilometer Strecke, 16 Kommunen, drei Landkreise: Wer von der Remstal-Gartenschau im kommenden Jahr was sehen will, muss mobil sein. Die S-Bahnen allerdings fahren an den Wochenenden, wenn die meisten Menschen Zeit für Gartenschaubesuche haben, nur alle halbe Stunde. Die Grünen befürchten ein Verkehrschaos und fordern einen 15-Minuten-Takt.

Das Gute am Anfang: Um all die vielen Besucher im kommenden Jahr zu all den vielen Sehenswürdigkeiten zu bringen, ist von den Machern und Planern der Remstal-Gartenschau ein großes Paket geschnürt worden. „Vielseitigkeit, die verbindet“ lautet das Motto, das Geschäftsführer Thorsten Englert dem Verband Region Stuttgart vorstellte. Die Grünen hatten das beantragt.

Englert berichtete von Elektro-Shuttle-Bussen und normalen Bussen, von der Verknüpfung von S-Bahnen, U-Bahnen und Zügen sogar über die Kreisgrenzen hinaus inklusive der gegenseitigen Anerkennung der Tagesnetztickets im VVS-Gebiet und im Ostalbkreis. Außerdem soll es Fahrrad- und Pedelec-Ausleihmöglichkeiten geben, bei denen die erste halbe Stunde sogar kostenlos und die Rückkehr zum Startpunkt der Tour nicht nötig ist. Man kann abgeben, wo man will. Fein, finden die Grünen der Regionalversammlung. Aber!

Grüne halten Konzepte für nicht ausreichend

Die Remstal-Gartenschau zieht sich über mehr als 80 Kilometer, durch 16 Kommunen und drei Landkreise. Die Veranstaltungsorte liegen damit weit auseinander und – das kommt erschwerend hinzu – oft abseits der Hauptverkehrsrouten. Über Weinberge, durch Apfelwiesen und Talauen führen nun mal keine Bundesstraßen. Und Parkplätze gibt’s da auch nicht. Bei der Remstal-Gartenschau kann per se und entwurfsbedingt nichts zentralisiert und auf einen Brennpunkt hin gebündelt werden. Schon die Mobilitätsplaner der Remstal- Gartenschau schreiben in ihrem Konzept: „Kommunen sorgen für benötigten zusätzlichen Parkraum.“ Gedacht wird zum Beispiel an Kooperationen mit Privatfirmen, die Parkplätze zur Verfügung stellen. Von dort sollen die Besucher mit den Bus-Shuttles zu den Attraktionen gefahren werden.

Die Grünen fürchten: Das reicht alles nicht. „Insbesondere bezweifeln wir, dass der bestehende ÖPNV gerade am Wochenende ausreicht, um die erwarteten Besucherströme zuverlässig und komfortabel zu den verschiedenen Events und Sehenswürdigkeiten zu bringen“, schreibt Timo Rapp, der als Vertreter der Rems-Murr-Grünen auch in der Regionalversammlung sitzt.

Gerade am Wochenende nämlich, also zur besten Gartenschau-Ausflugszeit, sollen die S-Bahnen nur im Halbstundentakt fahren. Und der Regionalzug Stuttgart-Aalen fährt nur stündlich. Die Grünen fürchten, dass ein großer Anteil der Gäste mit dem Auto kommen und damit auch von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit pendeln wird. Sie befürchten, dass die geplanten Beförderungsmöglichkeiten mit Leihrädern und Mitfahrportalen – vor allem, weil noch nicht klar ist, wie die Shuttle-Busse eingesetzt werden – nicht ausreichen werden.

Die Folgen wären: Staus auf den Straßen, nach Parkplätzen suchende Autofahrer in den Wohngebieten, Blechlawinen statt grüner Wiesen, Abgas statt frischer Luft. Und Ärger bei allen Beteiligten.

15-Minuten-Takt: Antrag beim Verband Region Stuttgart eingereicht

Die Grünen haben deshalb einen Antrag beim zuständigen Verband Region Stuttgart eingereicht. Sie fordern einen 15-Minuten-Takt für die S-Bahnen an den Wochenenden und Feiertagen, und zwar zu den Stoßzeiten, die, so schätzt Timo Rapp, vermutlich zwischen 10 und 18 Uhr liegen werden. Also auch über die Mittagszeit.

Diese Mittagszeit ist bislang nicht mal an den Werktagen mit einem 15-Minuten-Takt abgedeckt. Da aber fahren die S-Bahnen dann immerhin von 6 bis 10 Uhr und zwischen 15 und 20.30 Uhr viertelstündlich. Nicht dass erwartet wird, dass vor allem an Werktagen die Gartenschau von Besucherströmen überrannt werden wird: Diese Taktverbesserung ist nicht zugunsten der Gartenschau vom Verband Region Stuttgart eingeführt worden, sondern schon seit September 2016 beschlossen und seit Dezember 2017 beziehungsweise zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 eingeführt. Am Wochenende aber, wenn vielleicht doch eine ganze Menge Leute das Remstal genießen wollen, bleibt alles beim unkomfortabel getakteten Alten.

„Da die S-Bahn in der Verantwortung des Verbands Region Stuttgart liegt, kann der Verband hier selbst aktiv werden“, schreibt Timo Rapp zum Grünen-Wunsch nach mehr am Wochenende. Der Antrag wurde eingereicht. Reaktionen allerdings hat es noch keine gegeben.


Über die Gartenschau hinaus

Nicht alles, was während der Gartenschau für gute Mobilität sorgt, wird bleiben. Die Elektro-Busse etwa, die die Besucher zu Sehenswürdigkeiten fahren, werden von den einzelnen Gemeinden ausgeliehen und gezahlt und gehen nach der Gartenschau wieder an den Vermieter zurück.

Die Pedelec-Verleihstationen aber sollen zumindest acht Jahre lang im Remstal bleiben. So lange läuft der Vertrag. Als feste Regio-Rad-Kommunen haben sich bislang folgende Gemeinden gemeldet: Fellbach, Kernen im Remstal, Remseck am Neckar, Schorndorf, Schwäbisch Gmünd, Urbach und Waiblingen. Lorch, Mögglingen, Winterbach, Essingen, Weinstadt, Remshalden und Böbingen behalten sich diesen Schritt noch als Option vor. Abgesagt haben Plüderhausen und Korb.

Für Polygo-Card-Inhaber sind die ersten 30 Minuten der Ausleihe kostenfrei. Danach kostet es jeweils 1 Euro pro 30 Minuten beziehungsweise zehn Euro Tagespauschale. Hier wird noch an speziellen Angeboten für Remstal-Card-Inhaber geschnürt.