Schorndorf

Wo die Schorndorfer Handballer ihr Bier selber zapften

1/3
44f18562-d933-4c15-9271-1a0bd3a43a3d.jpg_0
Kutschenparade vor der „Restauration Gottlob Heim vormals Löble“ im Jahr 1905. © Sammlung Schaukal
2/3
_1
Postkarte mit „Goldener Hahn“-Motiv und dem obligatorischen Schorndorfer-Weiber-Einschub aus dem Jahr 1934.
3/3
_2
Nach langer Wirtshaustradition entstand hier eine BW-Bank-Filiale.

Schorndorf. Erst Gasthof zum Bahnhof, dann Restauration Löble und bis 1979 Gasthaus „Zum Goldenen Hahn“: Bevor am Karlsplatz 6 die Baden-Württembergische Bank einzog, gab es am heutigen Omnibusbahnhof eine mehr als 100-jährige Wirtshausgeschichte.

Als Gasthaus in den Jahren 1863 und 1864 an der damaligen Bogenstraße erbaut, präsentiert sich heute in einem mittlerweile neu gebauten Haus die Baden-Württembergische Bank. Die Wirtshausgeschichte am Karlsplatz endete 1979 – mit Wolfgang und Gertrud Schmid als Pächterehepaar, das mit diesem Slogan für den Gasthof warb: „Goldener Hahn – immer preiswert und reell“. Trotzdem ging mit ihnen eine mehr als 100-jährige Wirtshausgeschichte zu Ende.

Über die Anfänge hat Erhard Schaukal herausgefunden: Im Jahr 1886 erwarb Christian Böhringer den „Gasthof zum Bahnhof“ und führte ihn bis 1889. Dann verkaufte er das Anwesen an den Postmann Wilhelm Löble aus Stuttgart. Böhringer kaufte das Haus Obere Hauptstraße 41, eröffnete die Restauration Christian Böhringer, die später als „Gasthaus zum Schloss“ bekannt wurde.

Im Keller das Bierdepot der Brauerei-Gesellschaft

In der Restauration Löble am Karlsplatz aber richtete damals die Württembergisch-Hohenzollern’sche Brauerei-Gesellschaft Englischer Garten aus Stuttgart ein Bierdepot ein. Nach Wilhelm Löbles Tod im Jahr 1893 führte seine Ehefrau Katharina die Wirtschaft weiter. Als sie 1898 in zweiter Ehe Gottlob Heim heiratete, änderte sich auch der Name der Gaststätte in „Restauration Gottlob Heim vormals Löble“. 1907, hat Schaukal herausgefunden, verstarb auch Gottlob Heim, und die Witwe musste ein weiteres Jahr die Gaststätte alleine weiterführen.

Zwischenzeitlich war Friedrich Reinhard aus Urbach Pächter, bis im Jahr 1909 David Hahn, Metzger aus Oppelsbohm, die Gaststätte übernahm und ihr mit Gasthof zum Bahnhof wieder den alten Namen gab. Hahn blieb 41 Jahre Wirt des Gasthauses, lange Zeit war er auch Vorstand des Bezirks-Wirtsvereins Schorndorf und Umgebung. Zu seiner Zeit als Wirt – von 1909 bis 1950 – kostete ein Zimmer mit Frühstück drei Reichsmark. Diese Information hat Erhard Schaukal in einer Anzeige im Adressbuch von 1923 gefunden. 1933 wurde aus dem Gasthof zum Bahnhof das Gasthaus „Zum Goldenen Hahn“.

Im Jahr 1950 hat Hermann Kurz die Gaststätte übernommen und sie bis 1969 weitergeführt. Aus Erzählungen weiß Schaukal, dass die Wirtschaft damals das Domizil der Handballer vom TV Schorndorf war. Diese schickten den Wirt angeblich manchmal in den Keller, um etwas Bestimmtes zu holen, und zapften sich in der Zwischenzeit ihr Bier frech selber. 1969 übernahmen dann Wolfgang Schmid und seine Frau Gertrud die Lokalität am Bahnhof. Sie blieben bis 1979. Heute werden am Karlsplatz 6 Bankgeschäfte getätigt.