Schorndorf

Wodka, Streit und Faustschläge

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Symbolfoto. © Joachim Mogck

Schorndorf. So schnell wird Dimitri K. wohl nicht mehr zuschlagen. Im Juni hatte er seine damalige Freundin grundlos verprügelt. Die nächsten zwei Jahre steht der Lkw-Fahrer dafür unter Bewährung. Wenn er seine Aggressionen nicht in den Griff bekommt, muss er hinter Gitter. Der 32-Jährige gelobte vor Gericht Reue. Seinem Opfer darf er sich vorerst nicht nähern.

Immer wieder hält sich Dimitri K. die Hände vors Gesicht, den Kopf gesenkt. Der Angeklagte wirkt geknickt. Er scheint selbst nicht ganz zu begreifen, was er in der Nacht auf den 9. Juni getan hat. Er verteidigt sich vor Gericht selbst, doch er streitet nichts ab. So wie das seine damalige Freundin Natascha V. bei ihrer polizeilichen Vernehmung geschildert hat, so sei es auch passiert: Der Abend begann harmlos, man war zu Hause, hat Wodka getrunken, gegessen, das gemeinsame Kleinkind ins Bett gebracht. Doch Dimitri K. trank etwas zu viel und zu lang. Es war schon mitten in der Nacht, als der Angeklagte einen Anruf von seiner Ex-Frau, mit der er drei gemeinsame Kinder hat, erhielt. Sie sei schwanger, beichtete sie. Von ihm? Das könnte durchaus sein. Da wurde der 32-Jährige emotional, nannte sie Liebling und Sonnenschein.

Angeklagter schlug auf seine Freundin ein

Natascha V. hörte das Gespräch zufällig mit – und es kam, was in der Beziehung nicht selten passierte, zum Streit. Dimitri K. wurde ausfallend, beleidigte seine Freundin vulgär, warf ihr vor, zu alt zu sein, um noch Kinder zu bekommen. Und schließlich schlug er ihr mit der Faust ins Gesicht. Die 37-Jährige ging sofort zu Boden. Doch Dimitri K. hörte nicht auf, traktierte sie mit Faustschlägen an Kopf, Körper und Armen. Nach einigem Ringen gelang es ihr, den gewalttätigen Freund aus der Wohnung zu verbannen. Das Opfer erlitt Prellungen und eine Platzwunde. Noch eine Woche später hatte sie Schmerzen und ein Taubheitsgefühl am Kopf. Auf den Beweisfotos sind die Augen von Natascha V. zugeschwollen.

Nicht das erste Mal gewalttätig

Die beiden sind nicht mehr zusammen. Wegen der Schläge läuft ein Gewaltschutzverfahren gegen Dimitri K. Der 32-Jährige darf sich seiner damaligen Freundin nicht mehr nähern. Dass es soweit kommen musste, ist dem Angeklagten aber offenbar ein Rätsel: „Das ist mir vorher noch nie passiert“, sagt er. „Das ist eine Lüge“, unterbricht ihn die Richterin und zitiert aus seinem Vorstrafenregister zwei Einträge, beide in diesem Jahr – und beide einschlägig. Im April kam es schon einmal zu einem heftigen Streit mit Natascha V., deren Sohn die Polizei alarmierte. Gegen die eintreffenden Beamten wehrte sich Dimitri K. mit Händen und Füßen, wurde ausfallend und dafür zu einer Geldstrafe verurteilt. Im Juni folgte eine weitere Verurteilung wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung, diesmal traf es einen Asylbewerber. Beide Male war der Angeklagte betrunken.

Wegen Trunkenheit am Steuer arbeitslos

Vom Alkohol habe er seither die Finger gelassen. „Das ist nichts für mich“, sagt der Berufskraftfahrer, der wegen Trunkenheit am Steuer seit kurzem arbeitslos ist. Ein Alkoholproblem will der aus Potsdam stammende Berufskraftfahrer aber nicht haben. „Ich habe das im Griff.“

Immer wieder habe es Streit gegeben

Auch Natascha V. wirkt vor Gericht geknickt. Sie spricht mit leiser Stimme. Mehrfach bricht sie dabei stumm in Tränen aus. „Die Beziehung war nicht immer schön. Wegen dem Alkohol und auch so“, sagt sie. Mal seien die beiden zusammen gewesen, dann wieder nicht – und immer wieder habe es Streit gegeben. Zur gemeinsamen Tochter sei das Verhältnis allerdings gut gewesen. Der Kontakt zwischen den beiden soll daher nicht abbrechen – auch wenn die Mutter das alleinige Sorgerecht hat. Mit dem Angeklagten hingegen hat die 37-Jährige abgeschlossen. Richterin Petra Freier erspart es ihr deshalb auch, noch einmal ausführlich auf die verhängnisvolle Nacht einzugehen. So zitiert sie vor allem aus der polizeilichen Vernehmung, die das Opfer durchweg bestätigt.

Der Angeklagte entschuldigt sich

Das letzte Wort hat Dimitri K. Als der zu seiner Ex-Freundin sagt: „Ich möchte mich bei dir entschuldigen. Ich liebe dich und mein Kind“, steht sie auf, beginnt zu weinen und wischt sich die Tränen mit ihrem Halstuch aus dem Gesicht.

Das Urteil

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung wird der 32-Jährige schließlich zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Dimitri K. hat 100 gemeinnützige Arbeitsstunden abzuleisten und ein Gewaltsensibilisierungstraining zu absolvieren. Die Staatsanwaltschaft hatte für eine geringere Strafe plädiert. Für Richterin Petra Freier wog es jedoch besonders schwer, dass er seine Lebensgefährtin verletzt hatte, die er doch angeblich so liebt. Ohne lange zu zögern, akzeptiert Dimitri K. das Urteil.