Schorndorf

Wovon geflüchtete Frauen aus der Ukraine im Schorndorfer ZIB berichten

ZiB Ukraine
Ukrainische Flüchtlinge und Helfer im ZiB. Mittendrin die Dolmetscherin Alina Donets. © Gabriel Habermann

Aus der aktuell unter Beschuss stehenden Millionenmetropole Dnipro sind Yuliia Filin und Tetiana Baranova mit drei Töchtern im Alter von acht bis zehn Jahren nach Schorndorf geflohen. Nach fünf Tagen Flucht innerhalb der Ukraine, „zu Fuß über die Grenze“, waren sie schließlich durch Rumänien, Ungarn und Österreich am 4. beziehungsweise 10. März hier angekommen. Und bei Bekannten untergekommen, von denen sie vorläufig aufgenommen werden konnten. Sie suchen jetzt eine Wohnung. Wissen aber natürlich nicht für wie lange.

Angekommen sind ausgebildete, selbstbewusste Frauen – und Mütter

Nun sind sie mit einigen anderen Ukrainerinnen der Einladung zum offenen Treff für Flüchtlinge ins Zentrum für Ideen und Begegnung (ZiB) gefolgt. Im – übersetzten – Gespräch mit ihnen begegnet man zwei angesichts ihrer Lage gefassten, beeindruckend starken Frauen. Die 43-jährige Tetiana Baranova ist Dozentin für Metallurgie an einer Hochschule, Yuliia Filin, 34, Sozialarbeiterin bei der Kommune. Ausgebildete, selbstbewusste Frauen – und Mütter. Geflohen vor einer Maschinerie der Zerstörung, mit der Putin seit nun vier Wochen ihr Land überzogen hat.

Angekommen sind sie hier nur mit dem Nötigsten. Noch in Wintersachen. „Wenn es nun warm wird, haben wir nichts“, erklärt Baranova. Zurückgelassen haben sie vor allem aber ihre Männer. Sie sind mit ihnen über ihre Smartphones in Kontakt. Auf die Frage, ob es ihnen gut geht, berührt man eine emotionale Grenze, an der das Gespräch spürbar in Sorge und Verzweiflung zu ersticken droht.

"Militärische Hilfe, dass wir kämpfen können"

Sie möchten wieder zurück in ihre Heimatstadt, befürchten aber, dass der Krieg ein halbes Jahr dauern wird. Ihre Erwartung an den Westen, an Deutschland ist, so Yuliia Filin, „militärische Hilfe, dass wir kämpfen können. Für den Frieden in ganz Europa.“

Europa war schon das Ziel der Maidan-Proteste 2014 in Kiew. Aus Filin sprudelt es dazu heraus: „Das war ein Symbol für die Einheit der Ukraine! Dass wir souverän sind und nicht zu Russland gehören. Das hat uns alle verbunden als ein Volk, eine Nation.“ Sie erinnert an die Erleichterungen, die es gab, nachdem der damalige Präsident Janukowitch nach Russland geflohen ist. „Ukrainer konnten erstmals ohne Visum drei Monate in die EU reisen.“

Hoffnung verbinden beide Frauen mit dem derzeitigen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. „Obwohl er Schauspieler ist, er hat auch Jura studiert. Er ist jung, alle glauben, dass er etwas für unser Land schaffen kann!“

Jeden Morgen die Hoffnung, dass die Familie noch auf den Anruf antwortet

In Schorndorf sind die beiden Frauen mit ihren Kindern in Sicherheit. Sie sorgen sich, wie es mit dem Schulunterricht für ihre Mädchen weitergeht, die weder Deutsch noch Englisch sprechen. Hierzu informierte im ZiB Ingrid Salman-Kapouranis. Die städtische Integrationsmanagerin erklärte, sie müssten sich da keine Sorgen machen. „Wir hatten das schon 2015.“ Die Kinder, sagt sie, kommen in kleine Klassen, in denen ihnen zunächst spielerisch Deutsch beigebracht würde. „Die Mädchen werden nicht gleich am Regelunterricht teilnehmen.“ Das städtische Team fühlt sich gut vorbereitet und will bei Fragen und Problemen den Flüchtlingen zur Seite stehen.

Nichts getan werden kann von hier aus gegen die fortdauernde Zerstörung in der Ukraine. Von ihr berichtet sichtlich aufgebracht die das Gespräch dolmetschende Alina Donets. Die 29-Jährige kam am 18. März in Schorndorf an, wo sie vor sieben Jahren schon als Au-pair zu Gast war.

Inzwischen arbeitete sie in ihrer Heimatstadt Sumy als Deutschlehrerin. „Ich rufe von hier aus meine Familie an und jeden Morgen hoffe ich, dass sie antworten.“ Sie erzählt von schrecklichen Kriegsgräueln an der Zivilbevölkerung, besonders an Frauen, und klagt: „Es ist unmenschlich, was sie machen! Sie töten uns, nur weil wir Ukrainer sind und uns nicht Russland anschließen wollen.“

Verzweifelt drastisch die Geschichte von einer Frau, die zu ihr sagte: „Ich suche eine Granate. Wenn ein Russe kommt, mach ich sie an!“ Alina schluckt: „Entschuldigung. Das muss man einfach wissen.“

Aus der aktuell unter Beschuss stehenden Millionenmetropole Dnipro sind Yuliia Filin und Tetiana Baranova mit drei Töchtern im Alter von acht bis zehn Jahren nach Schorndorf geflohen. Nach fünf Tagen Flucht innerhalb der Ukraine, „zu Fuß über die Grenze“, waren sie schließlich durch Rumänien, Ungarn und Österreich am 4. beziehungsweise 10. März hier angekommen. Und bei Bekannten untergekommen, von denen sie vorläufig aufgenommen werden konnten. Sie suchen jetzt eine Wohnung. Wissen aber

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