Schorndorf

Youtuber: Onur Karakoc aus Urbach ist "DerCooleAusDerSchule"

OnurKarakoc
„Ein Youtuber ist eine Art Star, aber einer zum Anfassen“ – Onur Karakoc im Kreise seiner „Gang“. © Schneider / ZVW

Schorndorf/Urbach. Onur Karakoc aus Urbach ist Youtuber. Das sind meist junge Menschen, die sich auf dem größten Internetportal für Bewegtbilder einen Kanal für eigene Botschaften eingerichtet haben. Der des 20-Jährigen heißt „DerCooleAusDerSchule“. Seine erfolgreichen Vorbilder im Netz verdienen ein Vermögen. Beim Treffen mit dem Schüler stellt sich die Frage, ist es Journalismus?

Video: Onur Karakocs Vlog vom Zeitungsinterview.

Da kommt DerCooleAusDerSchule. Am Treffpunkt am Schorndorfer Amtsgericht hat er drei Jungs im Schlepptau. Die sind zwar nicht angekündigt, gehören wohl aber zu seiner YouTube-Kanal-Crew. Onur Karakoc ist der Kleinste von ihnen. Doch eindeutig ist er der Chef, der die Richtung vorgibt. Egal, wohin er sich bewegt, Karakoc bleibt ihr Mittelpunkt. Die Konstellation hat wohl etwas mit dem schwarzen, handtellergroßen Teil zu tun, das immer einer aus dem Quartett mit ausgestrecktem Arm wie eine Monstranz vor sich herträgt. Wie sich später im Café herausstellt, ist das kleine elektronische Ding, das jetzt auf dem Tisch steht, eine Youtuber-Kamera mit speziellem Weitwinkelobjektiv, dem kaum etwas entgeht. Der Camcorder läuft die ganze Zeit.

Karakoc vloggt während des Interviews

Der Youtuber macht aus dem Gespräch mit dem Zeitungsjournalisten einen Video-Blog, einen Vlog, wie die Szene sagt. Die Kamerahersteller haben auf die andere Betrachtung der Welt durch die Selfie-Generation reagiert: Bisher war das Objektiv nach vorne ausgerichtet, um sein Gegenüber zu filmen. Nun ist das Kameraauge von den Konstrukteuren auf denjenigen gerichtet, der die Aufnahme macht. Wer mit aufs Bild möchte, muss sich an die Seite des Kameramanns stellen.

Youtuber: Stars zum Anfassen

Aus einem Gespräch im Café entstehen zwei Medienprodukte. Vlog und Zeitungsartikel. Youtuber-Kamera auf der einen Seite, Block und Kugelschreiber auf der anderen. Die Autoren trennen 35 Lebensjahre. Das merkt man auch an der Sprache. Der Youtuber beginnt seinen Bericht bereits während der Autofahrt von Urbach nach Schorndorf: „Was geht ab, Leute? Wir haben jetzt heute einen Termin mit ner Zeitung. Ich muss ein Interview geben wegen meines Kanals mit meiner Boys, mit meiner Gang.“ Der Zeitungsjournalist fragt als Erstes: „Was fasziniert die Leute an einem Youtuber?“ Antwort: „Ein Youtuber ist eine Art Star, aber einer zum Anfassen, sagt man gerne. Es könnte auch der Kumpel von einem sein.“ Wer die Aktivitäten „seines“ Youtubers verfolge, fühle sich „als Teil seines Lebens“.

100 Videos auf seinem Youtube-Kanal

Onur Karakoc ist 20 Jahre alt, in Urbach geboren. Seine Eltern stammen aus der Türkei. Er geht in Schwäbisch Gmünd auf ein Fachgymnasium, an dem er 2018 sein Abitur machen möchte. Zu seinem Leben gehört es, sich viele kritische Gedanken darüber zu machen, was ihm in den sozialen Medien so alles auffällt. Und das ist unglaublich viel.

Bis Jahresende wollte er 100 Videos auf seinem Youtube-Kanal zur Ansicht gestellt haben. Seine Videos sind in etwa so wie der „Rundschlag“ dieser Zeitung. Darüber hat er 20 000 Facebook-, 9000 Instagram- und 5000 Youtube-Fans gesammelt, wie er stolz berichtet. Ein Star ist er damit noch lange nicht, aber schon eine regionale Größe.

Magische Marke zum Kohlemachen sind eine Million Abonnenten

Zum Geldverdienen reicht es auch nicht, obwohl bei einigen Vlogs, die ausreichend Reichweite erzielt haben, Werbung eingeblendet wird. Die magische Marke zum richtig Kohlemachen sind eine Million Abonnenten. „Ein Monatsverdienst von 70 000 Euro sind dann Standard“, hat er recherchiert und zu einem Vlog verarbeitet. Wer zahlungskräftige Sponsoren habe, könne zusätzlich bis zu 100 000 Euro im Monat hinzuverdienen. Manche Spitzenverdiener sind jünger als er.

Sein Talent ist zweifellos die Improvisation. Ob er es damit ganz nach oben schafft, muss sich erweisen. Vor der Kamera spricht er ohne Manuskript und ohne Punkt und Komma, mit Händen und Füßen. Er kommt aber immer auf den Punkt, und seine Zuschauer wissen, worauf er hinauswill. Er beherrscht die freie Rede. „Ich war schon immer ein Mensch, der sich ohne Scheu vor anderen hinstellen und was darstellen kann.“ Es macht Spaß, ihm zuzuhören, wenn er sich in einem Vlog über die Zügellosigkeit eines Mädchens aufregt, das sich im Netz beinahe pornografisch verhält, nur um möglichst viele Klicks zu holen. Gleichzeitig sind seine persönlichen Ansichten über solche Sexthemen auch bei seinen Abonnenten gefragt.

Fans schätzen mehr den Boulevard als das Politische

Es wäre falsch, ihm abzusprechen, dass seine Vlogs etwas mit Journalismus zu tun haben. Sie sind eben etwas völlig anderes als ein Zeitungsartikel und richten sich auch an eine andere Zielgruppe. Der Urbacher greift politische Themen auf, nennt „5 Fakten über Flüchtlinge, die nicht stimmen“ oder „6 Fakten über Donald Trump“. Er erreicht damit junge Leute, die nie eine Zeitung in die Hand nehmen würden. Besser eine knappe Info als gar keine. Wobei er bei der Wahl seiner Themen mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat wie die klassischen Medien: Seine Ansichten zu Trump und den Flüchtlingen blieben unter 1000 und 2000 Klicks. Seine journalistische Schilderung eines abartigen Videos, das die Vergewaltigung und Tötung eines fünfjährigen Kindes zeigt, erreichte hingegen knapp 200 000 Klicks. Das Video wird von ihm selbstverständlich nicht gezeigt. Auch seine Fans schätzen mehr den Boulevard als das Politische.

Seine Gabe, bei nahezu jedem Thema wahlweise höhnisch, spöttisch oder hoch moralisch werden zu können, ist gleichzeitig sein größtes Handicap. Er weiß nicht so recht, auf welches Thema er sich spezialisieren soll. Die Konkurrenz ist groß, kaum eine Themennische unbesetzt. Und Fans sind wenig loyal. Langweilen sich Follower während zweier Vlogs hintereinander, sind sie auch schon auf Nimmerwiedersehen weg.

Plan B: Bankkaufmann

Worauf Onur Karakoc letztlich hinaus will, ist nach dem Gespräch schwierig zu sagen. Klar, jeder weitere Abonnent ist ihm recht, das große Geld würde er als erfolgreicher Youtuber nicht ausschlagen. Aber einen verblüffenden Plan B hat er auch: „Ich will Bankkaufmann werden. Auch um abgesichert zu sein.“ Als solcher will er bestimmt in die vorderste Linie, ganz nah bei den Kunden? „Nein, nicht unbedingt. Ich mag es auch, ganz allein vor dem PC zu sitzen.“

Youtube & Instagram

Youtube ist ein Online-Videoportal, das Benutzern ermöglicht, kostenlos jede Art von Video-Clip zu veröffentlichen, zu bewerten oder anzuschauen. Wer einen Video-Beitrag auf Youtube hochladen möchte, muss zuvor einen Account bei Youtube anlegen. Die individuelle Website eines Youtube-Nutzers wird als Youtube-Kanal bezeichnet. Den Youtube-Kanal von Onur Karakoc finden Sie hier.

Instagram ist eine Anwendung (App) für mobile Endgeräte, mit der Nutzer Bild- und Videonachrichten erstellen und über das Netzwerk verbreiten können. Hier geht es zu Karakocs Instagram.