Schorndorf

Zappenduster: So unheimlich ist Schorndorf nachts ohne Straßenbeleuchtung

Strassenbeleuchtung
Unterwegs in Schorndorf: Zappendustere Straßen, in denen nur noch die Taschenlampe den Weg weist. © Gaby Schneider

Zwar steht gerade Weihnachten als Fest des Konsums, der Liebe und des Lichts vor der Tür. Die Einkaufsstimmung muss da schon durch allerlei Illuminationen stimuliert werden. Andererseits: Die Energiepreise schießen in die Höhe. Da sollte schon ein den guten Willen vorführendes Spar-Exempel exekutiert werden. Auch bei uns. Es ist schließlich Krieg – die Ältesten erinnern sich noch –, und da muss halt wieder mal verdunkelt werden, wie der Gemeinderat beschlossen hatte. Nach und nach sollen in den Anliegerstraßen um Mitternacht die Lichter ausgehen und bis 4 Uhr ausbleiben.

Unheimlich.

So auch der nächtliche Ortstermin im Westen Schorndorfs. Ausgerechnet im Viertel mit den Denker- und Poeten-Straßennamen. Also zwischen Hegelstraße und Schillerstraße, zwischen Dorothea-Schlegel-Weg und Astrid-Lindgren-Weg, mit einer Fläche von etwa 250 auf 120 Metern. Hier wird nun, und erst mal nur hier, zwischen 0 und 4 Uhr früh die Straßenbeleuchtung abgeschaltet, um Strom zu sparen.

Fotografin und Reporter sind vor Ort. Das Viertel wie ausgestorben. Keine Menschenseele auf den sauberen Dichterpfaden. Wir sind auf alles vorbereitet. Haben Taschenlampen dabei. Kurz vor Mitternacht. Totenstille. Kein Käuzchen, keine flatternden Fledermäuse, keine heulenden Wölfe vom nahen Schurwald runter.

Ein lautloses Klicken - zappenduster

Wir warten. Und dann passiert es. Ein lautloses Klicken. Das Licht ist aus und wir sind beeindruckt. So stark wie bei einem Feuerwerk, das alles erstrahlen lässt, ist nun das beklemmend faszinierende Gefühl - nichts mehr zu sehen. Auch der Mond hat sich hinter Wolkendunst verzogen. Es ist schlicht zappenduster! Auch aus den meisten Häusern hier erscheint kein heimeliges Licht. Eh’ niemand mehr unterwegs. Was braucht’s da Licht?

Turm der Stadtkirche nicht mehr beleuchtet

Gespenstisch fahl schimmern die Straßen im Schein unserer Taschenlampen. Ist das hier nur Stromsparen oder schon die Zukunft unseres Planeten? Immerhin, die Technik funktioniert noch. An einem breiten Garagentor vorbeigehend, reagiert der Bewegungsmelder und lässt die Einfahrt in hellem Licht erstrahlen. Heimkommen und vom Licht begrüßt werden.

Wie schön - und teuer. Zurück auf dem Weg in die Altstadt kommt einem dann die noch nach Mitternacht hell erleuchtete Johann-Philipp-Palm-Straße wie die 5th Avenue in New York vor. Na ja, denken wir uns, niemand auf der Gass’, der das so spät noch genießen wollte: Könnte man hier nich’ auch ‘n bissel sparen? Wir fragen ja bloß.

Aber dann schauen wir auf den Turm der Stadtkirche, der nicht mehr beleuchtet ist. Und auch der imposante Weihnachtsbaum hat seinen Kerzen eine nächtliche Ruhepause gegönnt. Ein einzelner Heimkehrer kommt uns leicht wiegend entgegen. Er wird seinen Weg ins Licht bestimmt finden

Zwar steht gerade Weihnachten als Fest des Konsums, der Liebe und des Lichts vor der Tür. Die Einkaufsstimmung muss da schon durch allerlei Illuminationen stimuliert werden. Andererseits: Die Energiepreise schießen in die Höhe. Da sollte schon ein den guten Willen vorführendes Spar-Exempel exekutiert werden. Auch bei uns. Es ist schließlich Krieg – die Ältesten erinnern sich noch –, und da muss halt wieder mal verdunkelt werden, wie der Gemeinderat beschlossen hatte. Nach und nach sollen in

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