Schorndorf

Zentrum für internationale Begegnungen: In fünf Jahren vom Flüchtlings- zum Quartierstreffpunkt

5JahreZIB
Mit Hilfe der fleißigen Nachbarschaft sind aus 600 gestrickten und gehäkelten Quadraten elf Wolldecken entstanden, die im ZiB zugunsten der Seenotrettung versteigert werden sollen. Wie sich das Zentrum für internationale Begegnungen vom Flüchtlings- zum Quartierstreffpunkt weiterentwickelt hat, darüber haben sich Fachbereichsleiter Christian Bergmann, OB Matthias Klopfer und ZiB-Leiter Thomas Mickan mit Gerhard Rall und Annette Oehler (von links) vom Kreisdiakonieverband zum fünfjährigen Bestehen ausgetauscht. © Gaby Schneider

Vor fünf Jahren, als in Schorndorf mit einem Mal fast 1000 Flüchtlinge untergebracht werden mussten, hatte Oberbürgermeister Matthias Klopfer die Idee, in der alten Schlachthofgaststätte mit dem Zentrum für internationale Begegnungen eine Anlaufstelle und einen Treffpunkt für Geflüchtete und Hunderte von ehrenamtlich Engagierten zu schaffen. Eine im Rems-Murr-Kreis einzigartige Initiative – und, wie Klopfer heute selbst sagt, „eine meiner besseren Ideen“. Tatsächlich hat sich mit den Jahren gezeigt, dass es eine solche von der Stadt und dem Kreisdiakonieverband getragene Begegnungsstätte nicht nur für Flüchtlinge braucht, inzwischen ist das ZiB ein wichtiger Treffpunkt für das ganze Quartier geworden: 10 000 Gäste, Ehrenamtliche, Nachbarn und Netzwerkpartner sind hier allein im vergangenen Jahr ein- und ausgegangen. Und noch am 23. Oktober fand in der alten Schlachthofgaststätte ein Nachbarschaftsgespräch statt mit 50 Beteiligten, die Ideen fürs Quartier entwickelt und Kontakte geknüpft haben.

Unzählige Beratungsgespräche, Lern-, Koch- und Spielgruppen

Mit dem zweiten Lockdown und den damit verbundenen Kontaktbeschränkungen ist es wieder ruhiger geworden im ZiB. Doch davor fanden hier vor allem in der Anfangszeit unzählige Beratungsgespräche statt, ein Frauenfrühstück und ein Sprachcafé wurden eingerichtet, Lern-, Koch- Spiel- und Gesprächsgruppen gegründet, es gab Hausaufgabenbetreuung und ein Sommerferienprogramm sowie einen vom Fachbereich Familie und Soziales betreuten Mittagtisch, der zwar ein großer Frequenzbringer, aber auch sehr personalintensiv war und darum künftig – so sich Engagierte finden – von Ehrenamtlichen getragen werden soll. Es fanden Konzerte und Lesungen statt, Flohmärkte und interkulturelle Feste. Der Kreisdiakonieverband hat bald eine Beratung für traumatisierte Flüchtlinge, in der ersten Zeit auch eine medizinische Versorgung und als freizeitpädagogische Maßnahmen auch einige Ausflüge angeboten. Im Jahr 2017 hat der Rotary-Club den Außenbereich gestaltet.

Und in diesem Coronasommer hat sich für ZiB-Leiter Thomas Mickan gezeigt, dass sich in dem großen Saal Sicherheitsabstände gut einhalten lassen: So haben sich der Gesangverein „Harmonie“ und die Orchestervereinigung im ZiB zu Proben getroffen, die Angehörigen der Anonymen Alkoholiker und das Kinderhospiz haben die Räume genutzt, in dem jetzt zumindest noch Arbeitstreffen stattfinden können. Und gleichzeitig, sagt Annette Oehler vom Treff Asyl des Kreisdiakonieverbands, ist das ZiB für Geflüchtete eine wichtige Anlaufstelle geblieben – und eine Konstante in einer Zeit voller Umbrüche und Veränderungen.

ZiB: Ein Raum für wichtige Themen und Ideen

Für Christian Bergmann, Fachbereichsleiter Familie und Soziales, wurde mit dem Zentrum für internationale Begegnungen „ein Raum für wichtige Themen und Ideen“ geschaffen. Wie er künftig genutzt wird, das soll sich am Bedarf orientieren. Grundsätzlich wird das ZiB stärker mit dem Fachbereich verzahnt: Hausherr Mickan übernimmt zum kommenden Jahr die 50-Prozent-Fachstelle für bürgerschaftliches Engagement in Bergmanns Fachbereich und wird auch weiterhin versuchen, Geflüchtete, Migranten, womöglich auch die russischsprachige Community und Menschen aus der Nachbarschaft im „Engagement-Raum“ ZiB zusammenzubringen.

Dass es dafür Beziehungsarbeit braucht und viele kleine Schritte für ein nachhaltiges Ergebnis nötig sind, das weiß auch Annette Oehler. Doch es ist ihr nicht nur gelungen, Frauen aus dem Sprachcafé zur Gartenschau für eine gemeinsame Kochaktion in der Freiluftküche im Stadtpark zusammenzubringen. Zum fünfjährigen Bestehen, das coronabedingt nicht gefeiert werden kann, hat sie obendrein so erfolgreich in der Nachbarschaft dafür geworben, Quadrate zu häkeln und zu stricken, dass 600 bunte Ecken zusammengekommen sind, die jetzt zu elf Decken unterschiedlicher Große zusammengenäht wurden. Bis Weihnachten sollen diese Decken zugunsten des evangelischen Bündnisses „United4Rescue“ für die zivile Seenotrettung versteigert werden.

In der Anfangszeit der Corona-Krise wurden im ZiB außerdem 150 Stoffmasken genäht und zum Mitnehmen an den Zaun gehängt. Aktuell hängen dort Bastelsets für Perlen-Maskenbänder – verbunden mit einer Quartiersumfrage, in der die Nachbarn aufgefordert werden, über die eigene Umgebung nachzudenken und Veränderungswünsche zu formulieren.

Vor fünf Jahren, als in Schorndorf mit einem Mal fast 1000 Flüchtlinge untergebracht werden mussten, hatte Oberbürgermeister Matthias Klopfer die Idee, in der alten Schlachthofgaststätte mit dem Zentrum für internationale Begegnungen eine Anlaufstelle und einen Treffpunkt für Geflüchtete und Hunderte von ehrenamtlich Engagierten zu schaffen. Eine im Rems-Murr-Kreis einzigartige Initiative – und, wie Klopfer heute selbst sagt, „eine meiner besseren Ideen“. Tatsächlich hat sich mit den Jahren

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