Schorndorf

Zu voll und zu spät: Mütter aus Oberberken kritisieren die aktuelle Schulbus-Situation

Bus 260
Ein Bus der Linie 260 auf dem Weg von Oberberken nach Schorndorf. © Gabriel Habermann

Die Fahrt mit dem Schulbus war wohl noch nie eine besonders schöne Angelegenheit. Morgens der Kampf um den Sitzplatz, mittags dann erst mal Warten. In Zeiten der Pandemie wird das Gedränge aber zum Risiko. Zwei Mütter aus Oberberken kritisieren die aktuelle Schulbus-Situation. Abstand könne nicht gehalten werden und die Wartezeiten seien inakzeptabel. Was sagt das zuständige Landratsamt zur Situation und wie äußert sich der Verkehrsverbund Stuttgart zu der Kritik?

Eine Oberberkenerin, deren beide Söhne das Burg-Gymnasium besuchen, hat sich an die Redaktion dergewandt. Der Schulbus, den ihre beiden Söhne morgens und mittags nehmen müssen, war schon in der Vergangenheit recht voll. Manchmal hätten nicht alle Kinder und Jugendlichen hineingepasst. Immer wieder sei es vorgekommen, dass sie an der Bushaltestelle zurückgelassen wurden. Ihren Namen möchte die Mutter aus Oberberken lieber nicht in der Zeitung lesen.

Mit kleinen Änderungen hat man nun versucht, die Situation zu verbessern. Seit Montag, 5. Oktober, halten die Schulbusse alle auch an der Haltestelle Backhaus in Oberberken, die Zustiegsmöglichkeiten sollen so erweitert werden. Außerdem hält der Bus von Schorndorf nach Adelberg um 13 Uhr nur noch am Schulzentrum Grauhalde und nicht mehr am Burg-Gymnasium. Ein etwas später verkehrender Bus vom Bahnhof sammelt die Schüler des Gymnasiums stattdessen ein. Die entsprechenden Änderungen wurden über die Schulen kommuniziert.

Die Situation sei mit der Änderung noch problematischer geworden

Doch damit hat sich die Situation für die Schülerinnen und Schüler nochmals zugespitzt, meint die Mutter aus Oberberken. Nun halte der Bus morgens nicht mehr direkt vor dem Burg-Gymnasium, sondern an der Barbara-Künkelin-Halle. Zwar nur ein kurzer Fußweg, aber jetzt kämen die Schülerinnen und Schüler aus Oberberken nur gerade noch so pünktlich in den Unterricht. Nach der sechsten Stunde müssten sie außerdem mit einem späteren Schulbus fahren. Laut Plan nur zehn Minuten später, aber bis sie am Montag wieder zu Hause gewesen seien, hätten ihre Söhne fast eine Stunde gebraucht, erzählt sie. Außerdem sei bis vor einigen Monaten noch ein großer Gelenkbus von Knauss im Einsatz gewesen. Doch nach der Insolvenz der Firma verkehrt nun das Busunternehmen Schweicker dort mit einem normal großen Bus. Entsprechend enger gehe es nun zu. Vor allem in Zeiten von Corona sei dies problematisch.

Laufen oder Radfahren sei keine Alternative

Viele Familien in Oberberken seien inzwischen genervt, erzählt die Anruferin. Zumal das Monatsticket für einen Schüler über 40 Euro kostet. Laufen oder Radfahren sei zwar für diejenigen eine Alternative, die in der Nähe der Schule wohnen, nicht aber für die Kinder und Jugendlichen aus Oberberken. Die Schule sei vom Wohnort einfach zu weit entfernt. „Wir sind eigentlich keine Meckerer“, sagt sie. Doch die Situation habe sich so zugespitzt, dass sie es für notwendig hielt, nun ihre Kritik öffentlich zu äußern. Sie ist nicht die Einzige, die sich über die Situation ärgert.

Auch eine andere Mutter aus Oberberken macht ihrem Ärger Luft. Seit September seien die Busse überfüllt und kämen zu spät. Sie berichtet, dass ältere Jugendliche die jüngeren Kinder beiseite schubsten, um möglichst einen Platz zu ergattern. Außerdem sei es nicht akzeptabel, die Kinder und Jugendlichen in den Wintermonaten ohne Unterstand fast eine halbe Stunde auf den Bus warten zu lassen. Falsch sei außerdem, dass nach dem Schulschluss um 14.35 Uhr ein Bus vom Bahnhof erst um 15.20 Uhr fahre. „Wir sind mehr als enttäuscht über die momentane Entwicklung der ganzen Situation“, schreibt sie in einer E-Mail.

Was sagt die zuständige Behörde über die Situation?

Zuständig für die Linie 260 ist der Landkreis Göppingen. Der stellvertretende Amtsleiter für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur in der Behörde, Sebastian Hettwer, nimmt Stellung zu der Situation. Zählungen auf der Linie hätten ergeben, dass die Kapazitäten lediglich besser verteilt werden müssten, erklärt er. Es seien eben wenige Spitzen, zu denen die Schülerinnen und Schüler auf den Bus angewiesen seien. Mit der nun getroffenen Lösung sollen sich die Kinder und Jugendlichen aus Oberberken nun auf zwei Fahrzeuge verteilen. Mehr Busse könnten schlicht nicht eingesetzt werden. „Alles, was Räder hat, ist zu den Schlagzeiten im Einsatz“, sagt Hettwer. Mit der Maskenpflicht und der Klimatisierung im Bus werde das Ansteckungsrisiko möglichst eingedämmt. Die etwas spätere Fahrt vom Burg-Gymnasium aus nennt er „zumutbar“.

VVS: Standardbusse ausreichend

Beim Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) spricht man von „kleinen Anpassungen“, die vorgenommen worden seien. Die Änderungen, so heißt es in einer Stellungnahme, seien nach Kundenbeschwerden getroffen worden. Fahrgastzählungen hätten gezeigt, dass vor der ersten und nach der sechsten Stunde eine Änderung notwendig gewesen sei. Doch grundsätzlich erklärt die Mitarbeiterin der Pressestelle: „Die vorliegenden Schülerzahlen für Adelberg, Ober- und Unterberken der vergangenen Schuljahre übersteigen die Kapazität von zwei Standardbussen zu den Hauptunterrichtszeiten in Schorndorf nicht.“ Sofern hier der frühere Betreiber in der Vergangenheit einen Gelenkbus eingesetzt habe, sei dies wohl dem Fahrzeugumlauf geschuldet, nicht aber der Schülerzahl, erklärt der VVS.

Ein Einzellfall scheint all das nicht zu sein. Ein Vater aus Lichtenwald, dessen Kinder die Waldorfschule Engelberg besuchen, berichtet Ähnliches. Auch dort seien die Schulbusse auf der Linie 262 schlicht zu voll. Zuständig hier wiederum ist aber der Landkreis Esslingen.

Die Mutter aus Oberberken will ihre Söhne in Zeiten der Pandemie nun so oft wie möglich mit dem privaten Auto in die Schule fahren. Doch langfristig könne das keine Lösung sein, meint sie.

Die Fahrt mit dem Schulbus war wohl noch nie eine besonders schöne Angelegenheit. Morgens der Kampf um den Sitzplatz, mittags dann erst mal Warten. In Zeiten der Pandemie wird das Gedränge aber zum Risiko. Zwei Mütter aus Oberberken kritisieren die aktuelle Schulbus-Situation. Abstand könne nicht gehalten werden und die Wartezeiten seien inakzeptabel. Was sagt das zuständige Landratsamt zur Situation und wie äußert sich der Verkehrsverbund Stuttgart zu der Kritik?

Eine Oberberkenerin,

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