Schorndorf

Zumindest Telefonieren sollte klappen

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Vertreter der Mobilfunkbetreiber Vodafone, Telekom und Telefonica, die mit Oberbürgermeister Matthias Klopfer und dem Leiter des Fachbereichs Stadtplanung und Baurecht, Manfred Beier, vertretene Verwaltungsspitze, der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Joachim Pfeiffer, Gerhard Jeutter von der Bundesnetzagentur, Vertreter und Kandidaten der Gemeinderatsfraktionen, Ortsvorsteher und interessierte Bürgerinnen und Bürger diskutierten im großen Sitzungssaal des Rathauses darüber, wie und wie schnell die Mobilfunkversorgung in Schorndorf verbessert werden kann. © ZVW/Alexandra Palmizi

Schorndorf. „Alle reden von 5G, aber wir wären froh, wenn wir erst mal flächendeckend 3G oder 4G hätten“, leitete Oberbürgermeister Matthias Klopfer den von ihm gemeinsam mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Joachim Pfeiffer initiierten Mobilfunkgipfel ein. Ein Ergebnis der etwa zweistündigen Veranstaltung könnte sein – oder müsste vor allem aus Sicht der Mobilfunkbetreiber sein –, dass die Stadt ihre seitherige Position, keine Mobilfunkanlagen auf städtischen Gebäuden zuzulassen, überdenkt und revidiert.

Als „Ärgerthema“ bezeichnete Klopfer den Zustand der Mobilfunkversorgung in der Stadt. „Wenn es jetzt brennen würde, müsste meine Sekretärin herunterkommen und mich informieren, obwohl ich das neueste iPhone habe“, sagte Klopfer, der in seiner Einschätzung, dass das Mobilfunknetz „im hintersten Winkel der Welt besser als in Schorndorf“ ist, von mehreren Ortsvorstehern und Stadträten beziehungsweise Stadtratskandidaten bestärkt wurde, die ebenfalls mit teilweise drastischen Beispielen von „weißen Flecken“ in ihrem Stadtteil oder in der Innenstadt berichteten. Wobei da die Rede größtenteils erst einmal nur vom Telefonieren und noch längst nicht vom Internet ist. So hat zum Beispiel die Schornbacher Ortsvorsteherin Sandra Sachse ein super Netz, wenn sie auf ihrem Gartengrundstück ist, aber im Rathaus funktioniert Telefonieren nur an einem einzigen, ganz bestimmten Fenster.

Weiler wird, wie CDU-Stadtrat Ingo Sombrutzki weiß, immer noch ausschließlich von Winterbach her versorgt, und für einen Innenstadt-Geschäftsmann wie den Apotheker Thorsten Leiter ist es einfach nur blamabel, wenn ein geschäftliches Gespräch dreimal unterbrochen wird. Apropos Weiler: Wie es der Zufall will, berät der Ortschaftsrat in seiner nächsten Sitzung über das Baugesuch zur Neuerteilung der erloschenen Baugenehmigung für die Errichtung eines Mobilfunkmastes in der Bahnhofstraße 19.

„Es macht Sinn, die Treppe von oben nach unten zu fegen“

Es ist also noch ein weiter Weg von der vielzitierten flächendeckenden Mobilfunkversorgung „bis zur letzten Milchkanne“, die aus Sicht des wirtschaftspolitischen Sprechers der CDU-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, zwar weiterhin das längerfristige Ziel sein muss, wobei aber auch Pfeiffer weiß, dass sich diese Art der verpflichtenden Daseinsvorsorge, zu der Mobilfunk mittlerweile von vielen gerechnet wird, nicht überall gleichzeitig realisieren lässt. „Es macht schon Sinn, die Treppe von oben nach unten zu fegen“, meinte Telefonica-Vertreter Hilmar Möhlmann, der überzeugt ist, dass der Versuch, es allen auf einmal recht machen zu wollen, die Zahl der unzufriedenen Kunden deutlich vergrößern würde. „Es kann auch sehr aufwendig sein, kleine Lücken zu schließen, sagte Vodafone-Vertreter Marcus Staschenuk, der wie auch Möhlmann und der für die Telekom auf dem Podium sitzende Michael Zieg versicherte, dass die Mobilfunkbetreiber alles in ihren Kräften Stehende täten, die Mobilfunkversorgung zu verbessern, indem sie weitere Mobilfunkanlagen planten und realisierten.

Was aber nach wie vor nicht zuletzt eine Frage der verfügbaren Standorte sei. „Alle wollen die technische Infrastruktur nutzen, aber niemand will sie vor der Nase haben“, sagte Michael Zieg und warnte mit Blick darauf, dass es in Schorndorf immer noch ein Verbot für Mobilfunkanlagen auf städtischen Gebäuden gibt, vor weiteren mobilfunkkritischen Entscheidungen des Gemeinderats. Umgekehrt erwartet aber auch Ingo Sombrutzki für den Fall, dass der Gemeinderat seine seitherige Haltung korrigiert, konkrete Zusagen von den Mobilfunkbetreibern.

„Wenn jeder den guten Willen zeigt, geht auch was voran“

Deren Vertreter reagierten auf die verschiedentlich geäußerte Forderung, Mobilfunkanlagen verstärkt gemeinsam zu nutzen, mit der Versicherung, dass solche Kooperationen jetzt schon gang und gäbe seien, solange sie technisch möglich seien und Sinn machten. Bei ständig wachsender Datennutzung seien die zur Verfügung stehenden Kapazitäten solcher Anlagen halt auch schneller ausgereizt, gab Michael Zieg von der Telekom zu bedenken und machte außerdem deutlich, dass Konkurrenz und freier Wettbewerb auch dem Wohle der Kunden dienten, die für immer mehr Daten immer weniger bezahlen wollten. Gerhard Jeutter, Fachbereichsleiter bei der Bundesnetzagentur, appellierte mit Blick auf eine bessere Mobilfunkversorgung an den guten Willen aller Beteiligten.

Wichtig sei einerseits, dass die Kommunen Verständnis für die Netzbetreiber aufbrächten und sich aktiv an der Suche nach geeigneten Mobilfunkstandorten beteiligten, und andererseits dürfe man von den Mobilfunkbetreibern erwarten, dass sie sich sowohl in Bezug aufs Infrastruktursharing als auch die Zusammenarbeit mit anderen Partnern aufgeschlossen zeigten. Dem widersprechen die Erfahrungen von Stadtwerke-Chef Andreas Seufer, der unter Verweis auf einen Plan zum Ausbau des städtischen Glasfasernetzes und auf sich daraus in hinreichender Anzahl ergebende Anknüpfungspunkte zu Mobilfunkprojekten von seinem Eindruck berichtete, „dass wirtschaftliche Konkurrenz eine tragfähige und günstige Lösung verhindert“. Gerhard Jeutter blieb danach erst recht bei seiner Überzeugung:: „Wenn jeder den guten Willen zeigt, geht auch was voran.“