Schorndorf

Zwölffach verurteilter 32-Jähriger erneut vor Gericht

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Schorndorf.
Ein Dutzend Verurteilungen hatte ein 32-Jähriger schon in seinem Strafregister stehen, eine weitere wegen Beleidigung in drei Fällen und Sachbeschädigung ist jetzt dazugekommen. Spätestens jetzt, hat der Angeklagte vor Gericht hoch und heilig versprochen, will er sein Leben ändern und „ein nützlicher Teil der Gesellschaft“ werden – wobei ihm seine Freundin, eine Studentin, mit der er Anfang Februar in Ulm zusammenziehen will, und eine Umschulung zum Fachinformatiker helfen sollen.

Dass das allein bei dem in der Vergangenheit psychisch sehr labilen 32-Jährigen, der nach einer Kochlehre überwiegend von Aushilfsjobs und Hartz IV gelebt hat, reicht, glaubt Richterin Petra Freier nicht. Weshalb sie sich, obwohl eine zur Not in gemeinnützige Arbeit umwandelbare Geldstrafe, wie sie die Verteidigerin angeregt hatte, auch denkbar gewesen wäre, den Strafantrag des Staatsanwalts zu eigen gemacht und den Angeklagten zu einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von vier Monaten und zwei Wochen verurteilt hat.

Begründung: Auf diese Weise könne dem 32-Jährigen ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt werden, den er als zusätzliche Stütze dringend brauche, wenn er seinem Leben wirklich eine neue Richtung geben wolle. In diesen Kontext gehört auch, dass der Angeklagte ein Jahr lang dem Gericht gegenüber nachweisen muss, dass er die von ihm bereits in die Wege geleitete Psycho- und Suchttherapie tatsächlich durchzieht. Außerdem muss der 32-Jährige, der eigenem Bekunden zufolge leidenschaftlich gerne als – in der Vergangenheit meist gar nicht oder nur schlecht bezahlte – Stallhilfe auf Pferde- und Reiterhöfen arbeitet, 80 Stunden gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten.

Konflikte durch Beziehungsstress

Die meisten der dem Angeklagten zur Last gelegten Straftaten – wobei ein zweiter ansonsten zu einem späteren Zeitpunkt zu verhandelnder Komplex mit Einverständnis des 32-Jährigen und seiner Verteidigerin ohne Einhaltung der formalen Ladefristen einbezogen wurde – gehen auf Beziehungsstress und daraus resultierende und dann eskalierende Konfliktsituationen zurück. Wobei die bei der Verurteilung berücksichtigten Straftaten eher den unspektakuläreren Teil der Anklageschrift abdecken.

Dabei ging es um vor allem seiner ehemaligen Freundin und deren Aussehen und einem ihrer Bekannten (Hurensohn, Arschloch, Drogendealer) geltende Beleidigungen und eine Sachbeschädigung in der Form, dass der Angeklagte – angeblich, weil er etwas von einer in dem Gebäude stattfindenden Drogenparty gehört haben wollte – den Plattenbelag vor einem Haus in Plüderhausen derart mit Rinderblut verunreinigt hat, dass ein Teil der Platten ersetzt werden musste. In der Anklageschrift war der Sachschaden auf rund 1000 Euro beziffert worden.

Suizid: Vorgetäuscht oder echt?

Rinderblut, das der Angeklagte zur Versorgung seines Hundes – „Das ist artgerecht, Frau Richterin“ – zu Hause hatte, spielte auch bei dem Anklagekomplex eine Rolle, der zwar wesentlich ausführlicher erörtert wurde als der andere, dann aber mit einer Verfahrenseinstellung erledigt wurde. Außer der Frage, ob der Angeklagte am Abend des 8. Januar 2019 mit seiner kurz zuvor abservierten Freundin wegen dauernder Anrufe seiner neuen und jetzigen Freundin in Streit geraten und es zu verbalen Ausfällen und möglicherweise beiderseitigen körperlichen Attacken gekommen ist, ging es auch darum, ob es durch falsche Angaben des damals 31-Jährigen gegenüber seiner mit ihm übers Handy verbundenen Freundin zum Missbrauch von Notrufen gekommen ist.

Während aber in der Anklageschrift davon ausgegangen worden war, dass der psychisch labile und zwischen den beiden jungen Frauen hin- und hergerissene Mann einen Selbstmordversuch nur vorgetäuscht hat, behauptete der Angeklagte selber steif und fest, dass er sich in dieser Nacht vom 8. auf den 9. Januar tatsächlich das Leben hatte nehmen wollen.

Die Sache mit dem Rinderblut

Wobei für die erste Version immerhin spricht, dass die herbeigeeilten Rettungskräfte und Polizeibeamten an Armen und Beinen des Verletzten keinerlei Spuren von äußerer Gewalteinwirkung festgestellt und in ihren Berichten festgehalten haben. Diese Feststellung sei nicht zutreffend, sagte der 32-Jährige vor Gericht und zeigte zum Beweis Spuren an seinem Oberarm vor, den er seinerzeit habe aufschlitzen wollen, was ihm aber wegen der stumpfen Schneide seines Messers nicht gelungen sei. Weshalb er sich – „Achtung, Frau Richterin, jetzt wird’s intim“ – seine Hämorriden aufgeschnitten habe, in der Hoffnung, an diesen Verletzungen zu verbluten. Bevor allerdings die Rettungskräfte eingetroffen seien, habe er die Blutung mit Mullbinden selber wieder zum Stillstand gebracht und das viele Blut in seiner Wohnung beim Eintreffen des Notdienstes damit erklärt, dass er seinen Hund gerne mit frischem Fleisch und mit Rinderblut füttere.

Eine in der Tat unappetitliche und undurchsichtige Geschichte, die allenfalls aufzuklären gewesen wäre, wenn die beiden als Zeuginnen geladenen und auf sicherem Abstand voneinander gehaltenen jungen Frauen ausgesagt hätten – worauf aber niemand der Prozessbeteiligten sonderlich Lust verspürte. Und so spielte auch der Vorwurf, er habe seiner Exfreundin deren Schwiegervater auf den Hals gehetzt mit der Behauptung, er werde in der Wohnung seiner Stieftochter „sicher etwas finden“ – explizit von Drogen will der Angeklagte dabei nicht gesprochen haben –, im weiteren Verfahren keine Rolle mehr.

„Ich war nicht ich selber“

In seinem „letzten Wort“, bevor sich die Richterin zur Urteilsfindung zurückzog, entschuldigte sich der Angeklagte, der in seinem bisherigen Leben in Sachen Medikamente, Alkohol und Drogen nichts ausgelassen und auch bei seinen Straftaten alles ausprobiert hat von Beleidigungen und Diebstahl über Drogendelikte bis hin zu Körperverletzung, „bei allen, die ich beleidigt habe“. „Ich war früher nicht ich selber, wenn ich das alles höre, erkenne ich mich selber nicht wieder“, sagte der 32-Jährige, der sich jetzt aber auf einem guten Weg sieht: „Ich bin glücklich und habe eine Perspektive. Das Leben beginnt jetzt erst so richtig für mich.“

Und vielleicht bekommt der in Sachsen geborene und mit einem Stiefvater und drei Stiefgeschwistern aufgewachsene und irgendwann von seiner Mutter aus dem Haus geworfene Reumütige dann auch die Chance auf regelmäßigen Kontakt mit seiner mittlerweile achtjährigen Tochter. Dazu aber, so der Angeklagte, sei die Mutter des Kindes erst bereit, wenn er einen auskömmlichen Job gefunden habe und in der Lage und bereit sei, Unterhalt zu bezahlen.

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Ein Dutzend Verurteilungen hatte ein 32-Jähriger schon in seinem Strafregister stehen, eine weitere wegen Beleidigung in drei Fällen und Sachbeschädigung ist jetzt dazugekommen. Spätestens jetzt, hat der Angeklagte vor Gericht hoch und heilig versprochen, will er sein Leben ändern und „ein nützlicher Teil der Gesellschaft“ werden – wobei ihm seine Freundin, eine Studentin, mit der er Anfang Februar in Ulm zusammenziehen will, und eine

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