Schorndorf

Zwei Originale vom Schorndorfer Wochenmarkt nehmen Abschied

Gärtner Schanbacher
Erich (l.) und Walter Schanbacher (2. v. l.) haben die Arbeit auf dem Markt geliebt – jetzt aber ist Schluss damit. © Benjamin Büttner

Die beiden Herren klingen wirklich munter. Erich und Walter Schanbacher sind mit ihren 77 und 79 Jahren quietschfidel. Und trotzdem. Nach nun 75 Jahren auf dem Schorndorfer Wochenmarkt ist nach Weihnachten Schluss damit. Sie wollen mehr Zeit für sich haben. „Jetzt ist’s Zeit, weil wir lieber gehen, wenn wir noch gesund sind“, erklärt Erich Schanbacher. Der Samstag auf dem Marktplatz hat ihn zuletzt auch immer den Sonntag gekostet. Platt waren sie dann vom frühen Aufstehen und dem vielen Freundlichsein. Damit ist es ab Januar vorbei. Dann verkauft die Familie nurmehr in ihrer Gärtnerei in Schorndorf-Weiler Pflanzen, Obst und Gemüse. Wer will, der kommt. Zum Kunden raus auf den Markt wollen die beiden nicht mehr.

Die Kunden sind weiterhin in der Gärtnerei willkommen

Das ist ein großer Schritt. Immerhin – ihre Kundschaft war über die Jahrzehnte hinweg treu. Viele haben sie schon als junge Kerle gekannt. „Und jetzt kommen sie am Stock daher oder man sieht sie eben gar nicht mehr“, berichtet Erich Schanbacher. „Der Markt, das war mein Leben.“ Ein gutes Verhältnis habe er immer zur Kundschaft gehabt, das Freundlichsein, das habe ihm immer Spaß gemacht. Eine Anstrengung sei’s nie gewesen. Sie sind sich sicher, ihre Stammkunden bleiben ihnen auch ohne den Wochenmarkt treu. „Wir machen es uns jetzt einfach schöner. Mit mehr Freiheit. Wir fangen jetzt noch mal frisch an.“ Schanbacher träumt von Ausflügen, von mehr Zeit für sich, Arbeit nach Lust und Laune, eben stundenweise. Ganz aufhören zu arbeiten allerdings, das kommt für ihn nicht infrage. „Solange ich arbeiten kann, arbeite ich in meiner Gärtnerei, ich hab‘ einfach Freude an meiner Arbeit.“

Schanbacher-Kübeltomaten weiter erhältlich

Und so werden ab dem kommenden Frühjahr im Gewächshaus am Bronnbach nun nicht mehr acht Reihen mit je 40 Metern der berühmten Schanbacher-Kübeltomaten stehen, sondern nur noch zwei: Übrigens: Bis zu vier Meter hoch werden ihre schmackhaften Schattengewächse. Von einem Kunden, der eine Pflanze bei ihm erstanden hatte, wurde überliefert, er hätte die Pflanze vorm Haus unten gegossen, die Tochter im 3. Stock habe mitgeerntet. Aber nicht nur die Größe der Pflanzen habe stets die Kundschaft gelockt - auch wegen des intensiven Geschmacks seien die Gemüsefreunde immer wiedergekommen. „Dafür braucht’s eine gute Sorte, so ein Saatgut bekommen Sie nicht im Baumarkt“, witzelt er. Allerdings, wo, das will er nicht verraten. Lieber sollen die Tomatenliebhaber weiterhin bei ihm einkaufen.

Italien unterm Gewächshausdach

Und jetzt im Winter – da fühlen sich die Schanbachers wohl unter Palmen, Orangen- und Zitronenbäumen, Olivenbäumchen, Kumquats, Fuchsien und Bananenstauden. Und das ganz ohne Flugreise. Das Gewächshaus steht voll mit exotischen Pflanzen und Südfrüchten, die zum Überwintern zu Gast sind. Im Herbst wurden manche geliefert, andere haben die Brüder mit dem Pritschenwagen eingesammelt. Und nun stehen sie in adretten Reihen und warten aufs neue Frühjahr. Nebenher kümmert er sich zudem das ganze Jahr über um Gräber, pflegt sie, bepflanzt sie der Saison entsprechend. „Das mach' ich auch wirklich gern.“ In Zukunft hat er dafür und auch fürs Binden von Kränzen endlich mehr Zeit.

Mit dem Handwagen auf den Markt

Erich und Walter Schanbacher können sich noch bestens daran erinnern, wie sie - drei- und fünfjährig – neben dem Handwägelchen ihrer Mutter Helene mitliefen, zum Schorndorfer Wochenmarkt. Vor der ehemaligen Polizeiwache im Schorndorfer Rathaus war der kleine Standplatz. Ein wenig Obst und Gemüse hatte die Mutter nach dem Krieg verkauft. Eben gerade so viel, wie auf den winzigen Wagen mit zwei mal einem Meter Länge passte. Später hatte die Familie ein motorisiertes Dreirad, einen Goliath, gekauft. Da passten nun auch ein paar Pflanzen drauf, die auf dem Markt verkauft wurden. Und  als sich die Gärtnerei selbst vergrößerte und in Weiler aussiedelte, vergrößerte sich natürlich auch der Fuhrpark. Heutzutage gehören Lkw und Pritschenwagen zur Grundausstattung.

„Und meine Frau ist der Kopf der Firma“, stellt Erich Schanbacher fest. Sie macht das Schriftliche, schreibt Rechnungen, hält den Laden zusammen. Wie man über so viele Jahre mit seinem Bruder so eng zusammenarbeiten kann? Ach, wir waren nicht immer einer Meinung, aber wir haben uns immer wieder vertragen“, verrät Erich Schanbacher und grinst. „Es bleibt einem ja auch nichts anderes übrig, als dass man zusammenhält.“

Zum letzten Mal sind die Brüder nun also am Donnerstag, 24. Dezember, auf dem Schorndorfer Wochenmarkt zu finden. Wegen des Feiertags am Samstag wurde der Markt vorverlegt. Sie freuen sich aufs große Finale und auf alles, was dann noch kommt.

Die beiden Herren klingen wirklich munter. Erich und Walter Schanbacher sind mit ihren 77 und 79 Jahren quietschfidel. Und trotzdem. Nach nun 75 Jahren auf dem Schorndorfer Wochenmarkt ist nach Weihnachten Schluss damit. Sie wollen mehr Zeit für sich haben. „Jetzt ist’s Zeit, weil wir lieber gehen, wenn wir noch gesund sind“, erklärt Erich Schanbacher. Der Samstag auf dem Marktplatz hat ihn zuletzt auch immer den Sonntag gekostet. Platt waren sie dann vom frühen Aufstehen und dem vielen

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