Schorndorf

Zwei Wochen Unterricht in den Ferien sind für Schorndorfer Schulleiter kein Allheilmittel

Lernbrücken
Zwei Wochen Förderunterricht in den Sommerferien: Diesmal soll es auch um den Ausgleich sozial-emotionaler Defizite gehen.   ZVW-Archivfoto: Palmizi © ALEXANDRA PALMIZI

Um Lernlücken zu schließen, die im vergangenen Schuljahr vor allem durch die lange Phase des Fernunterrichts entstanden sind, gibt es auf Anordnung des Kultusministeriums auch an Schorndorfer Schulen sogenannte Lernbrücken, die dieses Mal auch eine Förderung im sozial-emotionalen Bereich beinhalten sollen. Acht Millionen Euro nimmt das Land in die Hand, um die zusätzlichen Personalkosten zu finanzieren. Doch ein Allheilmittel gegen die Lerndefizite, das wird nach Gesprächen mit Schulleiterinnen und Schulleitern in Schorndorf klar, können die Lernbrücken nicht sein. Und: Für den Nachhilfe-Unterricht in den beiden letzten Ferienwochen sind insgesamt auch nur 143 Schülerinnen und Schüler angemeldet.

Bedarf ermitteln die Lehrer, Entscheidung bleibt bei den Eltern

Den Bedarf haben die Lehrerinnen und Lehrer ermittelt, die Entscheidung jedoch bleibt den Eltern überlassen. Und die Resonanz ist unterschiedlich: Tatsächlich, das berichtet Karola Gross, Rektorin der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen, ging die Empfehlung auch an mehr Schülerinnen und Schüler raus. Insgesamt gesehen seien die Anmeldezahlen im Vergleich zum vergangenen Jahr an der Rainbrunnenschule aber gestiegen. Und auch die Bereitschaft bei den Lehrkräften, in den Sommerferien eine Extra-Schicht zu leisten, ist da. Doch: Um die 60 angemeldeten Schülerinnen und Schüler kümmern sich – in insgesamt fünf Gruppen – aber auch zwei Lehreranwärterinnen und zwei Studentinnen aus der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. In der Mehrheit wird das Angebot von Grundschülern in Anspruch genommen – und es profitieren auch Schülerinnen und Schüler der Sommerrainschule Schornbach, mit der die Rainbrunnenschule bei den Lernbrücken kooperiert.

Eine Kooperation für das Sommerferien-Angebot gibt es auch zwischen Burg- und Max-Planck-Gymnasium. Aus beiden Schulen sind 39 Schülerinnen und Schüler angemeldet. Da so Kleingruppen von im Schnitt acht Schülerinnen und Schülern angeboten werden können, ist für Markus Wasserfall, Schulleiter des MPG, „ein sinnvolles Arbeiten in den Fächern mit Möglichkeiten zur Individualisierung“ möglich. Insgesamt konnten zwei ausgebildete Lehrkräfte und drei Lehramtsstudierende gewonnen werden, um die Fächer Deutsch, Mathe, Englisch, Französisch und Latein abzudecken. Und obwohl er zuversichtlich ist, gibt Wasserfall auch zu bedenken, dass die beiden Lernbrücken-Wochen sicher nicht ausreichen werden, um die durch Corona entstandenen Defizite auszugleichen. Darum seien die Schulen jetzt schon gespannt, sagt er, auf die konkrete Umsetzung des Rückenwind-Förderprogramms vor Ort.

In zwei Wochen lassen sich nicht alle Defizite ausgleichen

Auch Karola Gross sieht in den Lernbrücken kein „Allheilmittel für alle Lerndefizite“: Es sei, sagt die Rektorin der Rainbrunnenschule, zwar gut, dass es ein Angebot in den Ferien gibt. Doch klar sei auch: In zwei Wochen könne nicht alles aufgeholt werden. Nachhaltiger findet sie ein Förderangebot über das ganze Schuljahr. Das sieht Beate Flemming-Nikoloff, Schulleiterin der Gottlieb-Daimler-Realschule, ganz ähnlich. Von den gut 800 Schülerinnen und Schülern sind 44 für die Lernbrücken angemeldet. Drei Lehrkräfte haben sich freiwillig gemeldet, so dass in den letzten beiden Ferienwochen jeden Tag zwischen drei und fünf Stunden Unterricht stattfinden kann. Im vergangenen Jahr waren’s noch sechs – doch nach dem anstrengenden Schuljahr mit einer langen Fernunterricht-Phase sei die Erschöpfung groß. Darum soll’s bei den Lernbrücken an der Realschule auch nicht bleiben: Vom kommenden Schuljahr an gibt es für die Fünft- bis Siebtklässler jeweils eine zusätzliche Hauptfachstunde. Und in Klasse fünf wird Deutsch zunächst in geteilten Klassen unterrichtet.

Die Otfried-Preußler-Grundschule in Miedelsbach indes will sich ganz auf den Förderunterricht konzentrieren und hofft auf das Landesprogramm „Rückenwind“. Rektorin Dr. Karin Fehrenbach sieht durchaus Bedarf – aber eher für Sprachbäder als für Aufgaben in den Ferien. Weil in der Grundschule in den Sommerferien obendrein noch die Toiletten umgebaut werden und im Schulhaus das Wasser abgestellt wird, ist Ferienunterricht in Miedelsbach sowieso nicht drin. Und die Fahrtkosten an andere Schulen, gibt Fehrenbach zu bedenken, „werden nicht übernommen“.

Um Lernlücken zu schließen, die im vergangenen Schuljahr vor allem durch die lange Phase des Fernunterrichts entstanden sind, gibt es auf Anordnung des Kultusministeriums auch an Schorndorfer Schulen sogenannte Lernbrücken, die dieses Mal auch eine Förderung im sozial-emotionalen Bereich beinhalten sollen. Acht Millionen Euro nimmt das Land in die Hand, um die zusätzlichen Personalkosten zu finanzieren. Doch ein Allheilmittel gegen die Lerndefizite, das wird nach Gesprächen mit

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper