Schwaikheim

Älteren Kundinnen Beute untergeschoben

Justitia gerichtsverhandlung urteil symbol symbolbild symbolfoto
Symbolfoto. © Joachim Mogck

Schwaikheim/Ludwigsburg. Weil er in seinem Job als Ladendetektiv drei älteren Frauen Beute untergeschoben hat, ist ein 21-Jähriger aus dem Ludwigsburger Stadtteil Pflugfelden vom Jugendschöffengericht zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Als Auflage muss der Mann 1200 Euro an die Bewährungshilfe Stuttgart bezahlen. Das Gericht ist überzeugt davon, dass er sich in einem Schwaikheimer und in einem Ditzinger Supermarkt gezielt ältere Frauen ausgesucht hat, um ihnen vermeintliche Beute unterzuschieben.

Eine 75-Jährige aus Schwaikheim, eine 76-Jährige aus Ditzingen und eine 59-Jährige aus Schwaikheim hatten sich gegen den Vorwurf des Ladendiebstahls gewehrt und den Detektiv wegen falscher Verdächtigung angezeigt. Alle Frauen bestritten die vermeintlichen Diebstähle vor dem Ludwigsburger Jugendschöffengericht vehement.

 Die Ditzingerin sollte im April vergangenen Jahres ein Tütchen mit einer Kosmetik im Wert von 1,45 Euro gestohlen haben. Das angebliche Diebesgut war in ein Fersenpolster in ihrer Tasche gesteckt, das sie zuvor in einem Sanitätshaus erworben hatte. Sie gab an, Körperkontakt mit dem Detektiv gehabt zu haben, bevor sie von diesem ins Büro geholt und aufgefordert wurde, 100 Euro zu bezahlen, dann würde sie nicht angezeigt. Die Frau bezahlte nicht, sondern sagte zu dem Ladendieb: „Sind Sie noch ganz sauber?“ Kurze Zeit später flatterte ihr eine Zahlungsaufforderung des Supermarkts ins Haus.

  Im Juli vergangenen Jahres sollte eine 75-Jährige in einem Supermarkt in Schwaikheim ein Raumspray für 1,75 Euro gestohlen haben. Ins Büro beordert, wusste diese Kundin nicht einmal, was dieser Raumduft genau ist. Noch am selben Tag kamen aus einem zugeklebten Doppelpack Handtücher aus einer Treueaktion desselben Schwaikheimer Supermarktes ein Paar Feinstrumpfsöckchen heraus, die dort nicht hingehörten. Die Kundin sagt, sie habe keine Söckchen geklaut, aber ihren Wagen unbeaufsichtigt irgendwo stehenlassen.

Die Schwaikheimer Marktleiterin erinnerte sich als Zeugin daran, dass es ein Donnerstag war, an welchem der von einer Detektei eingesetzte Ladendetektiv die beiden Kundinnen erwischt haben wollte. Sie sei vom Angeklagten hinzugerufen worden. Sie habe beide Frauen gekannt, aber nicht persönlich. Vom Gericht dazu befragt, was es mit den 100 Euro Vertragsstrafe auf sich habe, antwortete die Marktleiterin, das Geld sei für Auslagen Die 100 Euro pro Diebstahl flössen in die Betriebseinnahmen. Am Rande erwähnte die Marktleiterin bei ihrer Zeugenaussage, am darauffolgenden Samstag hätte sie wieder so einen ähnlichen Fall gehabt mit einer Creme. „Da hatte ich kein gutes Gefühl mehr“. Sie habe dann bei ihrer Detektei einen anderen Ladendetektiv angefordert.

Allen drei Frauen war in den Supermärkten nicht geglaubt worden, als sie versicherten, sie hätten nichts gestohlen. Alle drei hatten sich aber so darüber aufgeregt, dass sie zur Polizei gingen, um den Detektiv wegen falscher Verdächtigung anzuzeigen. Erst vor Gericht bekamen sie recht.

Richterin: zu ausgeklügelt

Richterin Dr. Franziska Scheffel kam zu der Auffassung, dass zwar keiner gesehen hat, wie der Detektiv den Kundinnen die Beute unterjubelte, aber sie glaube den Frauen. Schließlich hatten sich die Taten in zwei weit auseinander liegenden Supermärkten zugetragen, und für ihren Geschmack wurde bei der ausgeklügelten Unterbringung der Beute - sämtlich geringwertige Sachen - zu viel kriminelle Energie an den Tag gelegt, besonders in Schwaikheim, fand die Richterin. Dort sei gegen eine der Kundinnen, die schon sehr lange im selben Laden einkaufe und in dem Ort bekannt sei, ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, und die Frau habe sich lange Zeit mit einem Diebstahl auseinandersetzen müssen, den sie gar nicht begangen habe.

Das Urteil über den 21-jährigen erging nicht mehr nach Jugendstrafrecht, sondern nach dem ungleich härteren allgemeinen Strafrecht. Er bestritt die falschen Verdächtigungen von Anfang an und erklärte, er hätte überhaupt nichts davon gehabt. „Ich bekomme weder Provision noch sonst irgendwas“, erklärte der Jobber, seine Detektivarbeit hätte ihm lediglich 8,50 Euro pro Stunde eingebracht. Mittlerweile arbeitet der junge Mann, bei dem sich die Staatsanwaltschaft als Motiv vorstellen konnte, er hätte sich vielleicht in seinem Job profilieren wollen, etwas anderes.

Schwaikheim/Ludwigsburg. Weil er in seinem Job als Ladendetektiv drei älteren Frauen Beute untergeschoben hat, ist ein 21-Jähriger aus dem Ludwigsburger Stadtteil Pflugfelden vom Jugendschöffengericht zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Als Auflage muss der Mann 1200 Euro an die Bewährungshilfe Stuttgart bezahlen. Das Gericht ist überzeugt davon, dass er sich in einem Schwaikheimer und in einem Ditzinger Supermarkt gezielt ältere Frauen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper