Schwaikheim

Ärger ums Heimatmuseum in Schwaikheim: "Belanglose Kleinkleindiskussionen"

Heimatmuseum
Hans-Joachim Röger vor einem Prunkstück des Museums, das ehemalige Ziffernblatt der Turmuhr der Mauritiuskirche. © Benjamin Büttner

Zwar war vor allem Bauamtsleiter Rolf Huber in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats im Visier, als es um die Mehrkosten für den Umbau und die Erweiterung des Heimatmuseums, genauer gesagt, um die Nichtinformation des Gemeinderats, damit die Nichtberatung und damit auch Nichtbeschlussfassung von dem dazu ging. Huber selbst schwieg weitgehend dazu. Aber was sagt eigentlich der Heimat- und Museumsverein zu dem Ärgernis?

Der Verein, der das alles organisierte und viele Arbeiten ehrenamtlich in Eigenleistung erledigte, dafür sorgte, dass das Museum, ein Gebäude der Gemeinde wohlgemerkt, nun ein Schmuckstück ist. Befürchtet er nicht, dass das unschöne Nachspiel auch auf ihn abfärbt? Dass der Anlass selbst, das Eigentliche, ob all der „Nebengeräusche“ aus dem Blickfeld gerät, ja unterzugehen droht?

Nachfrage bei Hans-Joachim Röger, dem Vorsitzenden und Organisator, der auch offiziell der Bauleiter war. Man muss ihn nicht groß zum Interview überreden, aber es ist auch herauszuhören, dass es ihn nicht unbedingt danach drängt. Er schlägt als Treffpunkt eben das Museum vor, den Besprechungsraum im Milchhäusle, bringt „als Verstärkung“ Dagmar Horner mit, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins, und Hannelore Müller, die Kassiererin.

Röger und Dagmar Horner waren als Zuhörer in der denkwürdigen Sitzung, wobei Röger auch kurz auf Fragen zu Wort kam. Sie habe sich gewundert, nachdem die Summen, um die es ja ging, bekannt gewesen waren, von Seiten des Vereins auf jeden Fall, wie „holprig“ das dann bei der Gemeinde ablief, also die Infos dort nicht so ankamen, wie es sein sollte, meint sie, fügt aber noch an „angeblich“.

Eigentlich habe er dazu nichts mehr sagen wollen, so Röger. Das Thema sei für ihn erledigt gewesen. Ihm sei aber schon klar gewesen, dass wegen der „Einladungsgeschichte noch was kommen wird“. Ein Vorwurf lautete, dass zur Einweihung keine Vertreter der Gemeinde eingeladen gewesen seien, obwohl es sich um ein Gebäude von ihr handelt und sie hauptsächlich den Umbau und die Erweiterung finanziert hat. Röger hatte dem „halb und halb“ widersprochen, durchblicken lassen, dass bestimmte Personen nicht rein zufällig abwesend waren.

Firmen beauftragt, die im Rahmen des Fleckengeschäfts für Gemeinde arbeiten

Die vermeintliche prozentuale Überschreitung des Kostenrahmens, die in der Sitzung ständig „herumschwirrte“ und auf der vor allem der Entrüstungs-„Pegel“ basierte, sei ihm ein Rätsel. Röger verweist vorweg darauf, dass der Zuschuss für die Gemeinde eigentlich schon „erledigt“, weil abgelehnt, gewesen sei, und erst durch den persönlichen Einsatz eines Abgeordneten wieder eine Chance hatte.

Mit dem zweiten Zuschuss, den der Verein bekam, habe dieser gar nicht mehr gerechnet, das sei eigentlich Zufall gewesen. Das eigentliche Problem sei dadurch entstanden, dass mit den Arbeiten, die nicht der Verein selbst erledigen konnte, von ihm einheimische Firmen beauftragt wurden, die eh für die Gemeinde im Rahmen des sogenannten Fleckengeschäfts tätig sind, und dass diese Arbeiten fast alle unter der Wertgrenze gelegen hätten, ab der die Zustimmung des Gemeinderats erforderlich ist. Ausnahme seien die Gipser- und die Elektroarbeiten gewesen, die er ausgeschrieben habe.

Kostenüberschreitung sei im Rahmen des Üblichen gelegen

Bei der Frage nach dem Kostenrahmen, von dem eigentlich auszugehen ist, machen Röger und die beiden anderen ohnehin eine ganz andere Rechnung auf als die, die im Gemeinderat den Anlass für die Empörung lieferte. Es habe von ihm eine Kostenaufstellung gegeben, eine Schätzung anhand vorliegender Angebote. Zeitpunkt: April 2020. Höhe: rund 93.000 Euro.

Die Liste sei der Gemeinde bekannt gewesen, niemand dort habe ihr widersprochen. Die Abrechnung schließlich habe sich auf rund 132.000 Euro belaufen – minus der Aufwand des Heimatvereins (knapp 3800 Euro), minus der für die Bauleitung (weil er die selbst übernahm, also kein „Profi“ damit beauftragt wurde, der bezahlt hätte werden müssen, knapp 10.000 Euro), blieben noch 118.000 Euro. Wer mag, kann selbst ausrechnen, wie hoch die tatsächliche Kostenüberschreitung gewesen ist. Von der vermeintlichen, „einmalig“ hohen Prozentzahl ist sie himmelweit entfernt, für die Erkenntnis braucht es kein Mathe-Studium, nicht mal einen Taschenrechner.

Die Mehrkosten seien durch die Erneuerung der kaputten Fenster im Dachgeschoss, den anzuschaffenden Feuerlöscher, die Schließanlage und die Beschilderung des Fluchtwegs entstanden, so Röger. Die beiden Zuschüsse, 25.000 Euro für die Gemeinde, 21.000 Euro für den Verein, wobei der davon noch 7500 Euro zurückgeben musste, lässt er bei der Rechnung bewusst außen vor.

Für Hannelore Müller ist die Aufregung ein Rätsel. Denn welche Baumaßnahme über eine so lange Zeit verteure sich nicht in diesem Rahmen? Bei jedem Umbau fielen doch im Laufe der Arbeiten noch Dingen an, die man vorher nicht erwartet, mit denen man nicht gerechnet hatte. Natürlich seien die betreffenden Rechnungen bei der Gemeinde eingereicht worden, die habe sie ja schließlich bezahlt. Da habe es also kein „Geheimnis“ geben können.

Anlass für den Umbau war vor allem der geforderte Brandschutz

Dagmar Horner verweist auf den Ausgangspunkt, das sei nämlich der geforderte Brandschutz gewesen. Dem Verein hätte zum Beispiel eine (deutliche günstigere) Holztreppe vom Obergeschoss ins Dachgeschoss gereicht statt der verlangten Stahltreppe. Beim zweiten Fluchtweg, übers Dach, schüttelt Röger lächelnd den Kopf, breitet den Mantel des Schweigens über das Treppen-Ungetüm an der Außenfassade.

Hat er die Gemeinde vorgewarnt? Nein, räumt Röger ein, verweist darauf, dass am Schluss auch noch Rechnungen gekommen seien, mit denen er nicht gerechnet habe. Einige der Arbeiten habe der Verein dann doch lieber auch noch selbst gemacht, weil er die der Gemeinde nicht noch habe zumuten wollen. Die Angebote seien von ihm geprüft und dann an die Gemeinde weitergeleitet worden, jeweils von ihm als Vergabevorschlag. Lange Zeit habe ja der Zuschuss für die Gemeinde „im Raum gestanden“, habe man warten müssen mit der Beauftragung, bis die Zusage kam.

Erst der Beschluss im Gemeinderat vor allem zur Bauleitung sei dann der Startschuss gewesen. Mit dem Vorliegen der Rechnungen sei klar gewesen, was es jeweils kosten werde. Die habe er ebenfalls geprüft und zum Bezahlen an die Gemeinde weitergegeben. Die Rechnungen seien die Bedingung für den Zuschuss gewesen, für den man eine Verlängerung habe herausschinden können. Und ja, er hätte dem Bauamtsleiter sagen sollen, dass es auf eine Überschreitung hinausläuft, das sei in der Tat schiefgelaufen. „Aber nicht eine solche, wie es dargestellt wurde.“

Wie haben sie denn diese Sitzung des Gemeinderats erlebt? Röger sieht es nüchtern bis gelassen. Aber es sei doch klar, dass solche „eigentlich belanglosen Kleinkleindiskussionen“ nur dazu führten, dass man keine Neulinge für den Gemeinderat bekommen werde, „weil die Leute das doch mitbekommen. Da wird so lange etwas diskutiert, was eigentlich in kurzer Zeit zu erledigen wäre.“

Das könne außerdem dazu führen, dass die Gemeinde irgendwann einen (zu bezahlenden) Mitarbeiter fürs Museum suchen müsse, so Röger, der dazu eine Stellenanzeige zeigt aus Winterbach, wo genau das gerade der Fall ist. Aber ja, er würde so eine Mammutaufgabe noch mal angehen, im Sinne des Vereins, es dann aber anders anpacken.

Eindruck, „dass man sich da gegenseitig die Bälle zugeworfen hat“

Dagmar Horner war zum ersten Mal in einer Sitzung. Also, sie habe den Eindruck gehabt, dass man sich da „gegenseitig die Bälle zugeworfen hat, anstatt einen Knopf dranzumachen“. Zwar sei zwischendrin immer wieder mal betont worden, dass man dem Verein dankbar sei, „aber dann ist man immer wieder schnell umgeschwenkt“. Sie kopple ihr Engagement im Verein ohnehin jedoch komplett von dem ab, was dort passiert sei. „Wir schaffen hier alle ehrenamtlich mit, dafür, dass etwas vom Fleck geht, uns geht es ums Museum und den Verein.“

Röger hat noch etwas auf dem Herzen. Die, die am lautesten Kultur forderten, die seien selber, wenn die stattfinde, bei den Veranstaltungen nicht da, die sehe er dort nämlich nie. „Das stört mich bei dieser ganzen Sache persönlich am meisten.“

Zwar war vor allem Bauamtsleiter Rolf Huber in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats im Visier, als es um die Mehrkosten für den Umbau und die Erweiterung des Heimatmuseums, genauer gesagt, um die Nichtinformation des Gemeinderats, damit die Nichtberatung und damit auch Nichtbeschlussfassung von dem dazu ging. Huber selbst schwieg weitgehend dazu. Aber was sagt eigentlich der Heimat- und Museumsverein zu dem Ärgernis?

Der Verein, der das alles organisierte und viele Arbeiten

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