Schwaikheim

Ärger wegen Randmarkierungen auf Landesfernradweg: wem nützen sie?

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Radweg
Sukowski auf seinem Lastenrad, mit dem er einkauft, in dem er aber auch seine kleinen Enkele durch die Gegend kutschiert. Fotos: Habermann © Gabriel Habermann
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Radweg
Viele Schilder, viele Hinweise. © Gabriel Habermann

Hans Sukowski vom ADFC kann die Kritik nicht nachvollziehen, die es laut Gemeinderat Wolfgang Kölz im Ort an der neuen Markierung des Römer- und des Eckwegs geben soll. Dort sind weiße Linien, teilweise gestrichelt, überwiegend durchgezogen, an den Rändern aufgebracht worden. Diese sollen Radlern, die, außer Spaziergängern und Landwirten, dort unterwegs sind, auch helfen, sich besser in der Dunkelheit und während der Dämmerung zu orientieren. Kölz bezog sich bei seiner Schelte für Bürgermeister Gerhard Häuser in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates, abgesehen von Formalien, inhaltlich auch auf einen Leserbrief.

Eine Schwaikheimerin, die laut eigener Aussage oft mit dem Rad im Dunkeln auf dem Weg im Wiesental (bisher und auch künftig ohne Streifen) unterwegs ist und ebenso auf dem Weg auf der Höhe rund um die Erbachlinde, hatte moniert, dass sie da noch nie Schwierigkeiten gehabt habe, ohne Markierungen die Spur zu halten. Sie bezweifelt auch, ob andere Radler diese Linien brauchen. Sie empfindet die Streifen zudem als störend, aus der Perspektive der Fußgänger. Statt über einen „einladenden Feldweg zu spazieren“, hätten diese nun das Gefühl, auf einer „Landstraße“ zu laufen, schrieb sie.

Der Radweg ist von überregionaler Bedeutung

Sukowski ist nicht nur passionierter Radler, sondern auch ADFC-Vertreter für den Raum Winnenden, kennt dort jeden Radweg – und auch jeden Abschnitt, wo noch einer fehlt. Der Kritik hält er entgegen, dass es sich hier um einen Abschnitt des Landesfernradwegs Alb-Neckar handelt (der in Ulm beginnt und in Heilbronn endet). Der sei also von überregionaler Bedeutung, und das sei der Grund für die Markierung.

Die gehört in der Tat zum Landesprojekt „Radnetz BW“. Im Kreis wird es vom Landratsamt koordiniert, Schwaikheim war offenbar als Erstes an der Reihe, die Markierung an weiteren Abschnitten steht noch aus. Ziel ist ein durchgängiges, flächendeckendes Netz alltagstauglicher Fahrradverbindungen zwischen Mittel- und Oberzentren entlang der wichtigsten Siedlungsachsen im Land. Das wird, zumindest ist es so geplant, eine Länge von rund 7000 Kilometern aufweisen, an das etwa 700 Kommunen angeschlossen sein sollen. In dieses Netz werden die bestehenden Landesfernradwege integriert. Der Schwaikheimer Anteil, zwischen der Markungsgrenze zu Korb und der Markungsgrenze zu Hegnach, beträgt rund zweieinhalb Kilometer.

Hoffnung, dass Radtouristen sich in den Ort locken lassen

Der Weg dort war aber bislang nicht nur „unmarkiert“, sondern auch in einem schlechten Zustand. Neue Streifen auf altem, kaputten Belag machen keinen Sinn. Die Gemeinde ließ daher die an vielen Stellen gebrochene Asphaltdeckschicht auf ganzer Länge erneuern, für knapp 40 000 Euro. Die Markierung kostete rund 16 000 Euro. Wobei die, vielleicht etwas verwegene, Hoffnung von Bürgermeister Gerhard Häuser auch ist, dass Radtouristen und Ausflugsgruppen damit vom Weg herunter in den Ort gelockt werden könnten.

Sukowski räumt ein, dass seines Wissens nicht alle Fernradwege im Land so markiert werden, das werde unterschiedlich gehandhabt. Die ebenfalls geplanten Schnellradwege, bislang zwei im Kreis, müssten aber alle so markiert werden. Die Markierung habe aus seiner Sicht vor allem den Vorteil, dass sie nichtortskundige Radler „durchlotse“, ohne dass sie auf die Radwegschilder groß achten müssen. An der Erbachlinde geht es in vier Richtungen weiter, die allesamt mit entsprechenden Hinweistafeln ausgewiesen sind. Kamen da Radler von auswärts an, mussten sie sich bisher erst mal orientieren, wo denn der Fernradweg sich fortsetzt. Die Markierung weist ihnen nun sofort den Weg.

ADFC-Experte verweist auf Südtirol

„Überlebensnotwendig“ allerdings sei die Markierung nicht, gesteht Sukowski zu, der damit den Sicherheitsaspekt hier nicht im Vordergrund sieht. Ob sie denn nicht auch eigentlich überflüssig sei? „Für Einheimische mag das vielleicht stimmen, aber noch mal: Es ist ein Fernradweg, auch wenn das viele in Schwaikheim offenbar nicht wissen.“

Sukowski verweist auf Südtirol, wo man ja wirklich wisse, was es für Radtourismus brauche. Die großen Radwege an Etsch, Eisack und im Pustertal seien alle so markiert und ausgebaut – „wie Radautobahnen“. Dort gebe es sogar extra Warnhinweise vor Kurven oder Bodenwellen sowie Tempolimitschilder an Abfahrten, ergänzt Rita Kasties, ebenfalls vom ADFC und Tourenführerin.

Rita Kasties: Streifen sind gut, weil sie im Dunkeln reflektieren

Sie kommt aus Schwaikheim. In ihrem Bekannten- und Freundeskreis habe sie noch von niemandem Kritik an den Markierungen gehört, versichert sie. Dass die „hässlich“ seien, diese Behauptung erstaune sie: „Als die aufgebracht wurden, fand ich das gleich super.“ Sie findet durchaus, dass sie der Sicherheit dienen, weil die Streifen im Dunkeln reflektieren, das sei auch für Fußgänger gut.

Sukowski kann der Ästhetik- oder Geschmacksdiskussion ohnehin nichts abgewinnen, aus seiner Sicht spricht der praktische Nutzen für sich. Die Markierung hebe den Fernradweg für Auswärtige, die auf ihm unterwegs sind, gegenüber den anderen Radwegen hervor, erleichtere es ihnen damit. Die Aufregung sei also fehl am Platze. Der Frage, ob die 16 000 Euro nicht besser für die Verbesserung von Radwegen selbst verwendet worden wären, hält er entgegen: „Wie viele Meter würde man denn damit schaffen? Das würde überhaupt nicht ins Gewicht fallen, da geht es doch um ganz andere Summen.“

Auch bei Steinheim, Freiberg und Pleidelsheim Markierungen

Sukowski kennt noch weitere Abschnitte, die bereits ebenfalls markiert wurden, zwar außerhalb des Rems-Murr-Kreises, aber nicht weit weg: zwischen Steinheim und Erdmannhausen (Stromberg-Murrtal-Fernradweg, von Karlsruhe nach Gaildorf), zwischen Freiberg und Pleidelsheim sowie zwischen Pleidelsheim und Mundelsheim (ebenfalls Alb-Neckar-Fernradweg).

Hans Sukowski vom ADFC kann die Kritik nicht nachvollziehen, die es laut Gemeinderat Wolfgang Kölz im Ort an der neuen Markierung des Römer- und des Eckwegs geben soll. Dort sind weiße Linien, teilweise gestrichelt, überwiegend durchgezogen, an den Rändern aufgebracht worden. Diese sollen Radlern, die, außer Spaziergängern und Landwirten, dort unterwegs sind, auch helfen, sich besser in der Dunkelheit und während der Dämmerung zu orientieren. Kölz bezog sich bei seiner Schelte für

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