Schwaikheim

Überlebenshilfe für den Lohwiesenbach: Helfer des Heimatvereins haben aus dem Bachbett Betonhalbschalen entfernt

Knappenwäldle
Uwe Kaiser hat ein Wehrchen und mit Schaufel und Hacke eine Verbindung zu einem Tümpel angelegt, der auszutrocknen droht. © ALEXANDRA PALMIZI

Schwerstarbeit hat der Heimatverein im Knappenwäldle verrichtet. Damit es der Lohwiesenbach leichter hat. Aus dem Bachbett haben ehrenamtliche Helfer rund 300 jeweils 80 Kilo schwere und einen Meter lange Betonhalbschalen entfernt, alles von Hand und mit Unterstützung nur einer Seilwinde zum Rausziehen, über Wochen auf rund 20 Arbeitseinsätze verteilt. Dieses Freimachen von der bisherigen Kanalisierung ist wenigstens ein Stück Renaturierung des Fließgewässers und in Absprache mit der Gemeinde und dem Forst erfolgt.

„A Saug’schäft“ sei’s gewesen, so Uwe Kaiser, einer der Organisatoren und gleichzeitig Jagdpächter. Er hebt aus der Helferschar stellvertretend Fritz Schanbacher hervor, in Schwaikheim bekannt als Apotheker, aber auch als Hobbyarchäologe. Der braucht zum Buddeln also nicht unbedingt den Verdacht, dass sich im Untergrund römische oder keltische Hinterlassenschaften verbergen. Schanbacher sei eine ganze Woche lang am Werk gewesen, um alleine rund 100 Exemplare der schweren Brocken zu bergen, lobt Kaiser. Beschwerlich sei’s auch deshalb gewesen, weil sie an vielen Stellen erst mal das Ufer freischneiden mussten, um ans Bachbett zu kommen. Auf rund 300 Meter Strecke haben sie das nun freigelegt.

Das Waldstück liegt hinter dem neuen Feuerwehrgerätehaus

Tja, aber warum wurden die Dinger damals – Kaiser schätzt vor 40 Jahren – überhaupt verlegt? Es war wohl kaum wegen des Hochwasserschutzes notwendig, schließlich gibt es hier doch keinerlei Bebauung und eigentlich wäre es, wenn überhaupt, im Gegenteil sinnvoller gewesen, den Bach bei Starkregen sich dort ausbreiten zu lassen. Das Waldstück liegt hinter dem neuen Feuerwehrgerätehaus, seitlich der „Avus“, dem B-14-Zubringer. Ab Ausgang des Knappenwäldles ist der Bach verdolt, weshalb Kaiser vom „Schwaikheimer Nesenbach“ frotzelt. Er vermutet als Grund für dessen Zähmung schnelleren Abfluss, von Biotoppflege sei damals noch lange keine Rede gewesen. Das Gelände sei aufgefüllt, vielleicht habe es die Befürchtung gegeben, dass es bei viel Regen abgeschwemmt werden könnte. Aus diesem Grund seien durch die Gemeinde vor einigen Jahren die Betonhalbschalen Richtung Bittenfeld aus dem Zipfelbach entfernt worden.

Regenwasser vom Hohreuschwald reicht nicht mehr aus

An der Aktion nun habe die Gemeinde immerhin den Anteil, dass sie für den Abtransport der Steine sorgte, so Kaiser. Ein paar hat er allerdings „behalten“. Er hat mit ihnen eine Art Wehr am Bach gebaut, dort einen Seitenarm angelegt, um einem nahen Tümpel laufend genügend Nass zuzuführen, damit der dauerhaft überlebt. Das Regenwasser vom Hügel Richtung B 14 beziehungsweise vom Hohreuschwald auf der andern Seite reicht dafür nämlich nicht mehr aus. Der Wasserspiegel ist beängstigend niedrig. Das gilt aber auch für den Bach, bei dem Kaiser die Quelle unter der Straße vermutet. Soweit bei diesem überhaupt noch von einem Pegel gesprochen werden kann, so wenig Wasser führt er. Hinter dem Tümpel führt der Seitenarm in einem Bogen wieder zum Bach zurück. Das Wehr ist kein Staudamm, Kaiser hat es durchlässig angelegt, so dass der Bach auch hinter dem Wehr fließt. Wenn er denn künftig noch fließt.

Das Knappenwäldle sei ein schützenswertes Feuchtgebiet, eigentlich, so Kaiser. Er kümmert sich als Jagdpächter bei weitem nicht nur ums Wild, dessen Bestand in seinem Revier. Die steigende Zahl an Wildunfällen registriert er mit Sorge, wobei er sich das ein Stück weit selbst ankreidet: „Ich müsst halt mehr schießen.“ Auch im Knappenwäldle liegt aus einer Sicht einiges im Argen.

Die Fichten sind krank und die Eschen todgeweiht

So gibt es einen Bestand an Fichten, die dort eigentlich nichts verloren hätten, weil der Standort viel zu nass sei, genauer gesagt: gewesen ist. Deswegen seien die Bäume krank und gehörten eigentlich weg, ersetzt etwa durch Salweiden, die mit der Feuchtigkeit besser zurechtkämen. Mit der ist es allerdings so eine Sache. Warum, kann Kaiser ganz einfach demonstrieren. Er kratzt ein bisschen mit der Schaufel in der Erde und sofort, in ganz geringer Tiefe, ist die bereits staubtrocken, obwohl es noch lange nicht Sommer ist und es durchaus in letzter Zeit geregnet hat. Die Erde wirkt aber wie ausgedörrt.

In dem Wald gibt es seit einigen Jahren ein zwei bis drei Hektar großes sogenanntes Habitat, dort darf nicht bewirtschaftet, sprich Holz eingeschlagen werden, es soll dort eine Art sich selbst beziehungsweise der Natur überlassener Bannwald entstehen, in Verbindung mit dem Feuchtbiotop am Bach, so laut Kaiser zumindest der Plan. Dass der Wald tatsächlich aber stirbt, ist für ein geübtes Auge wie ihn offenkundig. Für Eschen, pilzkrank, mit abgefaulten Wurzeln, hat das Totenglöcklein längst geläutet.

Für Fichten, Flachwurzler, werde es zunehmend zu trocken, was sie anfällig für den Borkenkäfer mache. Über kurz oder lang werde auch die sich aus dem heimischen Wald verabschieden, ist Kaiser sicher. Immerhin, der Forst versuche ja, resistente Arten anzusiedeln. Etwa die aus Nordamerika stammende Douglasie: „Die braucht nicht viel Wasser und sie hat wertvolles Holz.“ Auch die einheimischen „Klassiker“ Buche und Eiche, an sich robust, sieht Kaiser auf dem Rückmarsch, ja, die Gefahr einer Versteppung großer Flächen („Tundra“). Selbst nur ein, zwei Grad Erderwärmung hätten eben gravierende Folgen.

Schwaikheim hat wenig Feuchtgebiete

Aber zurück zum Bach. Kaiser erinnert daran, dass schon 1995 in einer Biotopverbund-Untersuchung gefordert worden sei, dass die Betonhalbschalen dort entfernt werden. Danach sei das aber in der Schublade verschwunden, leider, denn im Knappenwäldle stecke schon immer viel Herzblut von ihm. Schwaikheim habe sonst ja kaum Feuchtgebiete. Wohin zum Beispiel, wenn es beginnt, wärmer zu werden, Kröten zum Laichen kommen können. Für die Aktion habe der Forst auch deswegen sein Okay gegeben, weil es kein Eingriff in die Natur sei und weil sie auch nicht mit schwerem Gerät gearbeitet haben: „Wir sind hier auch nicht mit dem Schlepper reingefahren.“ Seinen Graben hat er mühsam mit Schaufel und Spitzhacke an zwei Tagen gezogen. Kein Bagger kam also zum Einsatz.

Als der Vorsitzende des Heimatvereins Joachim Röger beim Gespräch dazustößt, fällt beiden auf, dass im Wald und am Bachufer einiges Glas, genauer Scherben, herumliegt, und auch Plastik. Wie das hierherkommt? Keine Ahnung. Aber es muss weg. Da werden sie und weitere Helfer vom Verein in nächster Zeit wohl wieder herkommen, zur Waldputzete. Die Arbeit hört nie auf.

Schwerstarbeit hat der Heimatverein im Knappenwäldle verrichtet. Damit es der Lohwiesenbach leichter hat. Aus dem Bachbett haben ehrenamtliche Helfer rund 300 jeweils 80 Kilo schwere und einen Meter lange Betonhalbschalen entfernt, alles von Hand und mit Unterstützung nur einer Seilwinde zum Rausziehen, über Wochen auf rund 20 Arbeitseinsätze verteilt. Dieses Freimachen von der bisherigen Kanalisierung ist wenigstens ein Stück Renaturierung des Fließgewässers und in Absprache mit der

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