Schwaikheim

2020 wäre "das Jahr der Baukräne" geworden, wenn nicht Corona gewesen wäre

Ludwig-Uhland-Schule
Rohbaufest an der Schule im Oktober wegen Corona nur in kleinem Rahmen. © Gabriel Habermann

Seit Beginn der Pandemie sind in Schwaikheim knapp 200 Personen positiv auf Covid-19 getestet worden. Etwa ein Dutzend Menschen sind derzeit in Quarantäne, weil sie infiziert sind, rund 20, weil sie Kontaktpersonen ersten Grades sind. Und leider sind mehrere Menschen an oder mit dem Virus gestorben. 2020, auch in Schwaikheim geprägt von der Pandemie und ihren Auswirkungen, sei ein außergewöhnliches Jahr gewesen und werde wohl immer mit Corona in Verbindung bleiben, so Bürgermeister Gerhard Häuser beim Rückblick. Aber gerade in der Krise habe man auch viel Gutes erlebt, Nachbarschaftshilfe zum Beispiel, viele Angebote seien vor Ort entwickelt worden, um Menschen in einer Notlage zu helfen. Er habe gespürt, dass nach wie vor Zusammengehörigkeit vorhanden ist, gelebt wurde, Gemeinschaftsgefühl in dieser schwierigen Situation zum Tragen kam, dass versucht wurde, das Beste draus zu machen, Betroffene nicht alleine zu lassen.

Die Digitalisierung sei, notgedrungen, vorangekommen, nicht zuletzt habe sich das Rathaus innerhalb kurzer Zeit darauf umgestellt, habe die Kommunikation im Krisenstab gut funktioniert. Gleiches gelte für die Schule, nach dem, was er an Rückmeldungen von deren Leitung gehört habe. Auch sie habe schnell reagiert. Ebenfalls schnell sei die Umstellung auf das elektronische Buchungssystem fürs Freibad („E-Ticket“) gelungen. Schwaikheim sei dabei eine der ersten Kommunen überhaupt, damit Vorreiter, gewesen. „Das war ja eine Gratwanderung, weil wir nicht wussten, wie die Leute darauf reagieren und ob es funktioniert. Im Nachhinein können wir sagen, dass es die richtige Entscheidung war.“

Aber auch insgesamt gelte: Trotz Corona sei viel bewegt, der Betrieb am Laufen gehalten worden. Häusers Beispiel: die Kitas, die Kinderbetreuung dort. „Alle mussten da lernen, nicht alles lief optimal. Aber wieder im Nachhinein betrachtet, kann man sagen, dass die Herausforderung gut bewältigt wurde.“

Was die „Normalität“ angehe, sei sicher ein herausragendes Ereignis die Fertigstellung des Rohbaus beim Projekt Neue Ortsmitte gewesen. Der immer wieder zu hörenden Kritik, mitunter gar Häme, an den im Zuge des Hochbaus deutlicher gewordenen Dimensionen hält Häuser entgegen, seine Erfahrung aus den vielen Jahren im Amt sei, dass man ein Bauvorhaben erst beurteilen könne, wenn es fertiggestellt ist. Um Geduld bis dahin bitte er auch hier. Die Einweihung ist im kommenden Jahr geplant. Er verweist darauf, dass viel Wert auch darauf gelegt worden sei, dass sich die Außengestaltung in die Umgebung einfügen wird. Zudem sei der Tiefbau für die geplante Erneuerung der Fahrbahn der betreffenden Abschnitte an der Bismarck- und der unteren Bahnhofstraße bereits erfolgt.

Hoffnung auf endlich Tempo 30 in den Durchgangsstraßen

Der Antrag für ein Tempo-30-Limit in den Durchgangsstraßen wird gestellt, der Beschluss dazu als Teil des neuen Verkehrsentwicklungsplans und Maßnahme des Lärmaktionsplans wurde in diesem Jahr gefasst. Die Hoffnung dabei ist natürlich, dass die entsprechenden Schilder im kommenden Jahr aufgestellt werden. Der Rohbau beim Neu- beziehungsweise Erweiterungsbau der Ludwig-Uhland-Schule ist in diesem Jahr ebenfalls fertig geworden. Einweihung und Inbetriebnahme sollen zum neuen Schuljahr sein.

Bei der Frage, wie es mit der Grundschule dort weitergeht, ob weiter mit der „freiwilligen“ Schulkindbetreuung seitens der Gemeinde oder der verpflichtenden Ganztagesschule, verweist Häuser auf noch ausstehende Vorgaben des Bunds beziehungsweise des Gesetzgebers. Davon und vom noch zu entwickelnden pädagogischen Konzept der Schule hänge der Raumbedarf ab. Alle Optionen seien noch offen, auch die, die bestehenden Pavillons zu ertüchtigen oder den Pavillon 4 (bislang „Neubau“ genannt) zu erweitern.

Den Weiterbetrieb der Eichendorffschule in den nächsten Jahren sieht Häuser außer Frage, und auch für ihn ist klar, dass die Schulkindbetreuung dort „in der Umgebung“ stattfinden muss. Er verweist auf die erfolgten Investitionen in den Brandschutz und die eingeplanten Haushaltsgelder für die Digitalisierung und die Sanierung der Toiletten. Zur Frage der Nachnutzung des Gebäudes, wenn denn dereinst die Schule in die Ludwig-Uhland-Schule eingegliedert wird, betont Häuser, das hänge von der weiteren Schulentwicklung ab, konkret wird er dazu nicht.

Häuser: Innerörtliche Bebauung ersetzt Gebiet Leimtelle nicht

Wäre Corona nicht gewesen, hätte 2020 „das Jahr der Baukräne“ heißen können, meint Häuser schmunzelnd, verweist außer Neuer Ortsmitte und Schule auch auf das Gebiet Heiße Klinge, wo die ersten Häuser entstehen, und die Planungen für die Wohnbebauung auf dem einstigen Feuerwehrhausareal an der Bismarckstraße. Knapp 40 Wohneinheiten dort, knapp 50 in der Ortsmitte und rund 200 in Heiße Klinge, muss da das nächste, umstrittene Baugebiet Leimtelle überhaupt sein? Häuser hält dagegen: Der weiter anhaltende erhebliche Wohnraumbedarf in der Region, ja im ganzen Land, sei doch unstrittig. Der Grundsatzbeschluss des Gemeinderats, das Gebiet anzugehen, sei Fakt. Die Schaffung von weiterem Wohnraum auch in Schwaikheim sei notwendig. Auch in Form von Innenentwicklung, dafür stünden ja die innerörtlichen Areale, wo gebaut werde oder gebaut wird. Der Bedarf sei aber nun mal nicht alleine aus dem Schließen von Baulücken zu decken, so Häuser, der in diesem Zusammenhang auch daran erinnert, wie lange die beiden Neubaugebiete vor Heiße Klinge (Kürräcker und Grundwiesen) zurückliegen. Auf die Frage zum Zeithorizont für Leimtelle verweist er darauf, dass wegen des vorgesehenen Aufkaufs aller Flächen, der erforderlichen Grundstücksverhandlungen (der Auftrag dazu ist erteilt), das nicht alleine in Hand der Gemeinde liege. Zur Wahl von Leimtelle, der Priorität dieses Gebiets, verweist Häuser auf diese Festlegung im Rahmen einer Klausurtagung des Gemeinderats. Das städtebauliche Konzept für das Gebiet sei noch zu entwickeln, auch unter Mitwirkung von Bürgern und Eigentümern bis zum Entwurf, verspricht er.

Entscheidungen, wohl im kommenden Jahr, stehen an zum geplanten Neubau des Bauhofs im Gewerbegebiet Klingwiesen, zum Bau einer weiteren Sporthalle im Freizeitzentrum (Wahl der Planer), zur Neuen Ortsmitte 2 (dem Areal an der Bismarckstraße gegenüber dem Abschnitt 1), zu allen drei Projekten gibt es Machbarkeitsstudien. Mit der Neuen Ortsmitte 2 soll sich der Gemeinderat in einer Klausurtagung intensiv befassen. Einzelhandel, Wohnungsbau und das städtebauliche Einfügen sieht Häuser als Themen bei der „Zielentwicklung“, verweist aber auch darauf, dass man hier von nur einem Viertel der Fläche der Neuen Ortsmitte 1 spreche.

2020 wurde die Erweiterung des Paula-Korell-Kinderhauses begonnen, im September 2021 soll Einweihung sein. Eine neue, große Kita wird gleichwohl nötig, soll gebaut werden, die Gemeinde führt dazu Grundstücksverhandlungen. Was die Zukunft des Kindergartens Lessingstraße angeht, in unmittelbarer Nachbarschaft des Neubaugebiets Heiße Klinge, verweist Häuser darauf, dass man den Bedarf abwarten müsse, der sich ergebe, wenn die neue Kita gebaut sei. Vieles an zusätzlichen Plätzen (erforderlich durch die Neue Ortsmitte und Heiße Klinge, steigende Geburtenzahlen) werde ja durch diese, die Erweiterung des Paula-Korell-Kinderhauses und wohl auch den geplanten Naturkindergarten abgedeckt (sofern es gelingt, einen Standort zu finden, der die Vorgaben für die Erteilung der Betriebserlaubnis erfüllt).

Zum Schluss noch mal zurück zum Freibad. Frohe Kunde für dessen gar nicht so wenige Fans in Schwaikheim: Das leidige Pumpenproblem wird 2021 so „grundsätzlich“ angegangen, dass es ein für alle Mal gelöst sein soll. Damit es nicht wieder mitten in der besten Badezeit heißt: leider geschlossen.

Seit Beginn der Pandemie sind in Schwaikheim knapp 200 Personen positiv auf Covid-19 getestet worden. Etwa ein Dutzend Menschen sind derzeit in Quarantäne, weil sie infiziert sind, rund 20, weil sie Kontaktpersonen ersten Grades sind. Und leider sind mehrere Menschen an oder mit dem Virus gestorben. 2020, auch in Schwaikheim geprägt von der Pandemie und ihren Auswirkungen, sei ein außergewöhnliches Jahr gewesen und werde wohl immer mit Corona in Verbindung bleiben, so Bürgermeister Gerhard

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