Schwaikheim

44 Jahre in der CDU: Jetzt ist der Schwaikheimer Wolfgang Kölz ausgetreten

Wolfgang Kölz CDU
Wenige Minuten nach dem Abschicken seiner Austrittserklärung aus der CDU sagt Wolfgang Kölz: „Ich fühle mich gut.“ © privat

Es ging ganz schnell: Am Mittwochnachmittag erklärte  Wolfgang Kölz per Mail seinen Austritt aus der CDU und aus deren Kreistagsfraktion. „Ich fühle mich gut“, sagte er hörbar gut gelaunt um kurz vor drei auf unsere telefonische Anfrage hin. Die beiden Austritte kamen jetzt ein paar Tage früher, als er zunächst gedacht hatte, aber das ist für ihn kein Problem. Der 65-jährige Kommunalpolitiker mochte immer schon eine deutliche Meinung, klare Worte und schnelle Entschlüsse.

Kölz hat sich mit der Schwaikheimer CDU-Fraktion überworfen

Kölz hat sich von seiner CDU entfremdet, und Auslöser seiner Loslösung waren die Verhältnisse im Schwaikheimer Gemeinderat, in der dortigen CDU-Fraktion, wo er mit der Vorsitzenden und deren Stellvertreter über Kreuz war, weil die den amtierenden Bürgermeister Gerhard Häuser stützen, den Wolfgang Kölz überhaupt nicht leiden kann – was er so direkt nicht gegenüber der Presse äußert, was in Schwaikheim aber jeder kommunalpolitisch Interessierte weiß.

Der Streit in der Schwaikheimer CDU wurde auch in der Kreis-CDU bekannt, und spätestens in diesem Jahr trübte sich auch das Verhältnis von Wolfgang Kölz zu führenden Leuten der CDU-Kreistagsfraktion ein. Wie aus der Fraktion herauszuhören war, war Kölz enttäuscht, dass er nicht in den Aufsichtsrat der Kreisbau gewählt worden war, obwohl der Bankkaufmann dort seit 25 Jahren – mit gewiss großer Sachkenntnis und auf konstruktive Art – mitgearbeitet hatte. Im Telefongespräch am Mittwoch erklärte Kölz: „Der Ablösungsprozess lief über mehrere Jahre.“ Von der ganzen CDU entfernte sich Wolfgang Kölz. Fast gar nicht ertrug er, dass Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer immer noch an den Hebeln der Macht sitzen. In den letzten fünf Jahren mehrten sich für den Mann, der 44 Jahre in der CDU war, die Gründe, die zum Austritt führten.

Vielleicht braucht Kölz gar keine Schnittmengen mit den Grünen

Aber führt eine Gegnerschaft zu Merkel und AKK eigentlich direkt in die Reihen der Grünen? Das kann sich von Kölz’ alten CDU-Weggefährten niemand vorstellen und die meisten Schwaikheimer bestimmt auch nicht. Wo sollen da die Schnittmengen sein?

Aber Schnittmengen braucht er vielleicht gar nicht in der Fraktion der Schwaikheimer Grünen, denn in dieser Fraktion sitzen sowieso nicht ausschließlich Grünen-Mitglieder, die anderen sind unabhängige Kommunalpolitiker, die in einigen Fällen auch mal anders abstimmen als ihre Fraktion. „Wir wissen, dass Wolfgang Kölz seinen eigenen Kopf hat, aber das ist bei uns nicht das Problem“, sagt der Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Grüne. Kölz denkt bei einigen wichtigen Schwaikheimer Themen in diesem Jahr ähnlich wie die Grünen: Beim Baugebiet Leimtelle ist er eher vorsichtig, bei der neuen Mitte II ist er gegen ein Ausmosten des Geländes und beim Verkehrskonzept für die Ludwigsburger Straße plädiert er auch für eine Minderung des Autoverkehrs. Keiner der Beteiligten sagt es, aber einen kleinen gemeinsamen Nenner hat Kölz mit den Grünen und mit der SPD-Fraktion auch: Sie opponieren grundsätzlich gegen Bürgermeister Häuser in Schwaikheim.

Mit dem Beitritt zu Grünen-Fraktion kommt der CDU-Austritt

Die kommunalpolitischen Verhältnisse und die persönlichen Querelen in Schwaikheim führten letztlich dazu, dass Kölz die Schwaikheimer CDU-Fraktion verließ und sich mittlerweile den Grünen anschloss. „Im Prinzip hat Wolfgang Kölz damit schon entschieden, dass er aus der CDU und der Kreistagsfraktion austritt“, sagt Armin Mößner, der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, der Kölz’ Austrittserklärung per Mail erhalten hat. „Klar bedauern wir den Austritt von Wolfgang Kölz. Er ist seit 25 Jahren Mitglied der CDU-Kreistagsfraktion und er war leidenschaftlich dabei. Aber es wäre der Öffentlichkeit nicht zu vermitteln gewesen, wenn er im Kreistag bei der CDU und im Gemeinderat bei Bündnis 90/Grüne wäre.“

Der Austritt war eigentlich erst am Montag vorgesehen

Der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Joachim Pfeiffer sagt, er habe mit Kölz telefoniert, und sie seien übereingekommen, dass Kölz aus der Partei austrete. Bei Kölz ist das Gespräch so angekommen, dass es der CDU je schneller umso lieber wäre. Deshalb schickte Kölz seine Austrittserklärungen ratzfatz ab. Wär’s nicht so eilig gewesen, hätte er sich in der CDU-Fraktionssitzung am kommenden Montag persönlich erklärt und verabschiedet. Aber man sieht sich ja wieder im Kreistag – Kölz wird dann als fraktionsloser Kreisrat anwesend sein.

Es ging ganz schnell: Am Mittwochnachmittag erklärte  Wolfgang Kölz per Mail seinen Austritt aus der CDU und aus deren Kreistagsfraktion. „Ich fühle mich gut“, sagte er hörbar gut gelaunt um kurz vor drei auf unsere telefonische Anfrage hin. Die beiden Austritte kamen jetzt ein paar Tage früher, als er zunächst gedacht hatte, aber das ist für ihn kein Problem. Der 65-jährige Kommunalpolitiker mochte immer schon eine deutliche Meinung, klare Worte und schnelle Entschlüsse.

Kölz hat

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper