Schwaikheim

54-Jähriger wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt

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Das Amtsgericht in Waiblingen. © Ramona Adolf

Schwaikheim/Waiblingen. Er sei sehr vorsichtig gefahren, sagte ein 54-Jähriger vor Gericht aus, der im vergangenen Juli mit seinem Motorrad unterwegs gewesen ist. Dennoch konnte er den Unfall mit einem Traktor, bei dem sich seine Sozia am Bein verletzte, nicht vermeiden. Das Gericht verurteilte ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe.

Zu 30 Tagessätzen zu je 50 Euro wurde der Schwaikheimer vom Waiblinger Amtsgericht verurteilt. Warum er überhaupt vor Gericht stand, verstand der 54-Jährige nicht. Seiner Meinung nach hat er „alles Menschenmögliche getan, um den Unfall zu vermeiden. Ich fühle mich komplett falsch behandelt“.

„Schrittgeschwindigkeit – schneller nicht"

Das Ganze ereignete sich im vergangenen Juli. Der Schwaikheimer hatte mit seiner Freundin einen Ausflug zum Ebnisee gemacht. „Da sie schon einmal einen Motorradunfall erlebt hatte, bin ich extrem vorsichtig gefahren“, sagte er. Im Winnender Ortsteil Höfen fuhr vor ihnen ein Traktor mit Anhänger. An der Kreuzung hielt dieser kurz an, als die Ampel auf Rot schaltete. „Zu dem Zeitpunkt war ich noch einige Meter entfernt“, sagte der Schwaikheimer. Als die Ampel grün wurde, fuhr der Traktor los, um nur wenige Meter hinter der Ampel wieder anzuhalten. Der Schwaikheimer wartete einige Sekunden. Als nicht erkennbar war, warum der Traktor gehalten hatte, fuhr der Motorradfahrer los, um ihn zu überholen. „Schrittgeschwindigkeit – schneller nicht“, sagte er.

Sozia erleidet Wadenbeinbruch sowie einen Bänderriss am Fußgelenk

Auf Höhe des Traktors hätten er und seine Mitfahrerin noch zu ihm hochgeschaut. Für die beiden völlig unerwartet machte der Traktor einen Ruckler und bog nach links ab – ohne Vorwarnung und ohne zu blinken. Warum oder dass er abbog, sei nicht nachvollziehbar gewesen. Denn der landwirtschaftliche Weg, in den der Traktorfahrer abbiegen wollte, begann erst rund zehn Meter weiter vorne. Der Schwaikheimer hatte das Motorrad noch zur Seite gedreht. Doch das Bein seiner Freundin wurde eingeklemmt. Drei Monate war sie krankgeschrieben. Sie erlitt einen Wadenbeinbruch sowie einen Bänderriss am Fußgelenk. „Wären wir gefallen, wären wir unter die Räder gekommen“, sagte er.

Traktorfahrer macht keine Angaben

Der Traktorfahrer selber wollte zum Unfallhergang keine Angaben machen und verschwand genauso schnell, wie er im Gerichtssaal erschienen ist. Ein 53-jähriger Kommissar hatte den Unfall aufgenommen. „Licht und Blinker am Traktor gingen“, sagte der 53-Jährige. Es waren aber keine Seitenspiegel montiert, die aber aufgrund der geringen zugelassenen Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs nicht vorgeschrieben sind, erklärte der Polizist.

Sachverständiger: „Traktorfahrer hätte sich umdrehen müssen“

Ein Sachverständiger bestätigte den Unfallhergang, so wie ihn der Angeklagte und die beiden Zeugen in ihren Aussagen geschildert haben. „Der Traktorfahrer hätte sich umdrehen müssen, dann hätte er den Motorradfahrer gesehen“, sagte er und verwies auf den doppelten Schulterblick, den der Schlepperfahrer hätte machen sollen.

Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung

Da der Motorradfahrer im selben Zeitraum zweimal viel zu schnell im Straßenverkehr unterwegs war (einmal war es eine Geschwindigkeitsübertretung von mehr als 50 Stundenkilometern, ein zweites Mal von knapp 30), ging das Gericht auf die Forderung des Verteidigers Marko Becker zum Ende der Beweisaufnahme hin nicht ein, das Verfahren einzustellen, und verurteilte ihn zu der Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung. Er hätte einfach warten sollen, bis die Situation eindeutig gewesen wäre, und nicht nach kurzem losfahren, merkte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer vor der Urteilsverkündung an und sprach eine Empfehlung von 40 Tagessätzen zu je 40 Euro aus.

Schwaikheim/Waiblingen. Er sei sehr vorsichtig gefahren, sagte ein 54-Jähriger vor Gericht aus, der im vergangenen Juli mit seinem Motorrad unterwegs gewesen ist. Dennoch konnte er den Unfall mit einem Traktor, bei dem sich seine Sozia am Bein verletzte, nicht vermeiden. Das Gericht verurteilte ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe.

Zu 30 Tagessätzen zu je 50 Euro wurde der Schwaikheimer vom Waiblinger Amtsgericht verurteilt.

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