Schwaikheim

Auf Entdeckungstour: Familienrallye durch Schwaikheim ohne Blechkarossen und auch ohne Google

Familien-Rallye
Entdeckt! Henni (l.) und ihre Schwester Ida haben den bunt bemalten Stein erspäht. © Gabriel Habermann

„Es war ein schöner Ausflug mit der Familie, wir hatten unterhaltsame Stunden“, sagt Benjamin Wurl über die Familienrallye - das Pfingstferienangebot der katholischen Kirchengemeinde. Acht Familien haben sich beteiligt, haben viele neue Ecken im Flecken entdeckt und sind dabei auch auf ein altes Sprichwort gestoßen.

Ein kleiner Bildausschnitt auf dem Laufzettel genügt der siebenjährigen Ida, sie weiß sofort, wo sie hin müssen, um die angezeigten Kugeln zu zählen. „Woher sie weiß, wo die Skulptur steht, da kann ich nur spekulieren“, sagt ihr Vater, der 38-jährige Benjamin Wurl. „Sie war mit dem Kindergarten einmal zu Besuch im Rathaus und hat mit anderen Kindern Weihnachtslieder vorgesungen, eventuell von da her.“ Ida sei eben ein aufmerksames, neugieriges Kind. Mit dem Zählen habe sie es besonders. „Das ist für sie nicht schwer, 20 Kugeln, das ist auch der Zahlenraum, den sie in der Schule schon behandelt hat.“

Die Rallye sei „kindgerecht und spielerisch“ gemacht, loben die Eltern. Die Strecke mit vier Kilometern ist auch für die Kleinste im „Wurl“-Rallyeteam schaffbar - das dreijährige Schwesterchen Henni hat Lauflust. „Sie ist den ganzen Weg tapfer mitgelaufen“, erzählt ihr Papa, „sie guckt alles an, entdeckt hinter jedem Grasbüschel etwas.“ Neues entdeckt und gelernt haben auch die Eltern: „Durch manche Wohngebiete bin ich noch nie durchgekommen, das war Neuland“, sagt er. Vor zehn Jahren ist er in den Heimatort seiner Frau Christina gezogen - die tut sich natürlich mit der Orientierung leichter, kennt die Winkel von Kindesbeinen an, die vom Auto aus nicht zu sehen sind und an denen auch kein Radweg entlangläuft. Jetzt sind es ihre Töchter, die auf Kindesbeinen die schmalen Postbotenwegle zwischen den Hauptstraßen erkunden und dabei gut beschäftigt sind. Nach dem Zählen stehen Schätzen von Mengen und Hausnummen  richtig lesen auf dem Programm.

Mit dem Tretroller geht es schneller

Die Knobelarbeit teilen sie sich mit Lukas. Der Freund von Ida und seine Mutter Kerstin sind spontan auch mitgekommen. Insgesamt acht Familien machen sich zeitlich versetzt auf den Weg. Die Augen suchen Grünflächen ab und lugen über Gartenzäune, um die sechs Steine zu finden, die das Team der Kirchengemeinde in verschiedenen Gärten versteckt hat, alle von Hand bunt angemalt und mit Symbolen bepinselt.

„Sie sind vom Gehweg aus zwar zu sehen, aber man musste schon die Augen offen haben“, berichtete Nicole Langbein. Die Zeit vergehe dabei wie im Flug. Die blauen Antwortfelder auf dem Laufzettel füllen sich schnell. Sie und ihre siebenjährige Tochter Julia sind als erste mit ausgefülltem Quizbogen zurück -„obwohl wir sogar eine Pause gemacht haben daheim“. Kein Wunder. Triumphierend zeigen sie auf ihre Tretroller. Ganz ohne Elektroverstärkung, nur immer wieder mit dem Fuß anstoßend, sind sie Fußgängern voraus. Übersieht man bei dem flotten Tempo nicht mal ein nützliches Detail, eine versteckte Botschaft, aus der sich die Antwort ergibt? Julia offenbar nicht - sie kann zugleich flott rollen und aufmerksam gucken. „Sie hat fast alle Steine entdeckt, an denen ich zunächst vorbeigeschaut habe“, berichtet die Mama.

Welcher Bach fließt durch Schwaikheim?

Die Fragen seien altersgemäß, lobt sie. Den Namen des Bachs, der durch den Ort fließt - der Zipfelbach - habe die Tochter auf Anhieb gewusst. Bis sie ihr Schlumpfeis, das zweite Belohnungseis in dieser Woche, wie die Mutter erzählt, in der Eisdiele genießen kann, bewährt sich die Siebenjährige auch bei Suchaufgaben: Am Bahnhof hat sie inmitten vieler Schilder und Hinweise das unscheinbare Holzschild entdeckt, auf dem sie die gefragte „Höhe über dem Meeresboden“, nämlich 289 Meter, abgelesen hat. Bei der Aufgabe, einen ganzen Zeitungsartikel zu lesen, wäre die Erstklässlerin alleine aufgeschmissen, da ist es gut, dass der „Mama-Joker“ dabei ist. „In dem Bericht an der Scheibe haben wir gelesen, wie viele Nationalitäten in Schwaikheim leben, das war die Antwort auf eine Frage.“ Einmal musste die Mutter aber einen „Joker“ einschalten, gesteht sie: „Ich habe meine griechische Kollegin angechattet und unsere Oma gebraucht, die geschaut haben, was Pfingsten auf Griechisch heißt.“

Kein einziges Mal habe bei ihnen das Smartphone herhalten müssen, versichert Familie Wurl. „Ganz ehrlich, wir haben nicht gemogelt, haben uns alles erlaufen und dort die Rätsel gelöst.“ Die Internetsuche hat also Pause, wie auch das Homeschooling durch eine erfrischend erhellende Lektion „Heimat“-Schooling ersetzt wird. Benjamin Wurl gefällt, dass neben ortsbezogenen Fragen auch religiöse Themen „angestoßen“ werden. „Alles ist für Kinder schön aufbereitet, so kann man ihnen etwas über das Pfingstfest nahebringen.“ Auch über den Sinn eines alten Sprichworts wissen die Töchter jetzt Genaueres: „Gefragt war, was auf dem Schild über dem Eingang zur Uhlandschule steht, das haben wir jetzt erstmals bewusst wahrgenommen“, so Benjamin Wurl. „Das Sprichwort ‚Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr’ konnten wir den Kindern sehr gut erklären.“ Was allerdings auch stimme: „Zum Lernen ist man nie zu alt, auch wir haben noch viel Neues gelernt heute“, erzählen die Wurls lächelnd.

„Es war ein schöner Ausflug mit der Familie, wir hatten unterhaltsame Stunden“, sagt Benjamin Wurl über die Familienrallye - das Pfingstferienangebot der katholischen Kirchengemeinde. Acht Familien haben sich beteiligt, haben viele neue Ecken im Flecken entdeckt und sind dabei auch auf ein altes Sprichwort gestoßen.

Ein kleiner Bildausschnitt auf dem Laufzettel genügt der siebenjährigen Ida, sie weiß sofort, wo sie hin müssen, um die angezeigten Kugeln zu zählen. „Woher sie weiß, wo

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