Schwaikheim

Bauträger steht Rede und Antwort: Nachbarn kritisieren bei einem Ortstermin ein geplantes Achtfamilienhaus als zu groß für das Quartier

zeppelinstraße
Mit Meterstab, Plänen und Ansichten versucht Marc Depner davon zu überzeugen, dass sich das Vorhaben in die Umgebung einfügen wird. © speiser

Die Stimmung ist zunächst frostig wie die Temperatur. Eine Handvoll Nachbarn und der Bauträger treffen sich in der Zeppelinstraße an dem Grundstück, dessen geplante Bebauung anhaltend für Ärger sorgt, nicht nur bei den Nachbarn, sondern auch im Gemeinderat. Noch steht das bisherige Gebäude, in dem es verteilt auf drei Stockwerke drei Wohnungen gab. Es ist abrissreif, auf dem Areal, zu dem ein großer Garten gehört, der bereits gerodet ist, soll ein Achtfamilienhaus entstehen. Für die lange Zeit, die seit Bekanntwerden der Pläne vergangen ist, ist es verwunderlich, dass die Angrenzer, die mit diesen nicht einverstanden sind, und Marc Depner von „bauideen 21“ zum ersten Mal zusammentreffen. Er hat, als er vom Ortstermin mit den Nachbarn erfuhr, sofort vorgeschlagen, dazuzukommen, ihnen Rede und Antwort zu stehen. Von Remseck her ist es ein Katzensprung, auch am Sonntag.

Pläne, Zeichnungen, Ansichten bringt er mit. Die braucht er gleich, legt sie zum Erklären, auch Widersprechen am Gehweg aus. Lange warten muss er dafür nicht. Es geht gleich zur Sache. Nachverdichtung sei ja schön und gut, und alle wüssten, dass es neuen Wohnraum braucht, so eine Nachbarin. Aber der geplante Neubau passe einfach von der Größe her nicht ins Quartier, nicht zur umgebenden Bebauung, sei, werde, was ihr Haus gleich nebendran angehe, deutlich höher. Die Nachbarschaft ist wichtig in diesem Fall, es gibt keinen Bebauungsplan, entscheidend bei neuen Gebäuden, deren Zulässigkeit, Genehmigung, ist, ob sie sich einfügen. Das werde bei dem Neubau nicht der Fall sein, ist sich die Frau sicher und nennt es eine Frechheit, angesichts des leichten Anstiegs dorthin die gegenüberliegenden Gebäude als Referenzhöhen zu nehmen. Der künftige Nachbarbau werde mit seinen geplanten Ausmaßen ihrem viel Sonnenlicht nehmen, einen großen Teil ihres Hauses also in den Schatten stellen, ergänzt ihr Mann. Überhaupt solle fast das ganze Grundstück versiegelt werden. Auch die geplante Tiefgarage, deren Zufahrt direkt bei ihnen am Küchenfenster vorbeiführe, sei ja „schön und gut“, mache aber, so wie sie vorgesehen sei, mehr Probleme, als dass sie welche löse.

Verweis auf die Traufhöhen, die seien relevant und in etwa gleich hoch

Es gehe ausschließlich um das Sich-Einfügen des geplanten Baukörpers, gibt Depner zu bedenken. Die Zahl der Wohnungen darin sei nicht relevant. Aber deren vorgesehene Zahl habe ja die Größe des Gebäudes zur Folge, wird ihm entgegengehalten. Depner widerspricht. Das Gebäude sei im Grunde nicht wirklich höher als seine Nachbarn, wenn man, und das sei relevant, die Traufhöhen als Maßstab nehme, also nicht die Giebel. Was den Schattenwurf angehe, so seien die von der Landesbauordnung definierten Abstände eingehalten. In beiden Punkten sei also das, was geplant ist, rechtlich zulässig. Das habe auch der von der Gemeinde im Zuge des Bauantragverfahrens beauftragte Anwalt bestätigt.

Selbst wenn, wirft ein Nachbar ein, „warum so hoch?“ Depner holt zur Antwort aus. Für das Grundstück in dieser guten Lage sei nun mal ein entsprechender Kaufpreis aufgerufen worden. Dieser sei zwar verhandelt worden, der Kauf sei aber nur unter der Bedingung zustande gekommen, „dass wir eine bestimmte Wohnfläche bekommen“. Vorleistungen in Höhe von 70 000 Euro steckten mittlerweile in dem Projekt. Die Änderungen im (bisher abgelehnten) Baugesuch gegenüber der (vor einem Dreivierteljahr positiv beschiedenen!) Bauvoranfrage seien zum einen geringfügig, zum andern aber ja auf verschiedene Kritikpunkte hin erfolgt. Die Tiefgarage, die angesichts des Parkdrucks in der Straße zwar durchaus Sinn mache, sei ja gar nicht ihr Vorschlag gewesen, sondern sie seien darum wegen des Lärmschutzes von der Gemeinde gebeten worden: „Wir hatten das ganz anders geplant, aber wir machen das, obwohl es für uns nicht wirtschaftlich ist. Und noch eines: Mit der Tiefgarage bekommt das Gebäude mehr Stellplätze als andere Häuser hier im Quartier.“

Die Preise werden sich an denen in „Heiße Klinge“ orientieren

Ja, aber mit dem vielbeschworenen „bezahlbaren Wohnraum“ werde es ja in diesem Falle wohl nichts, so ein weiterer Einwand. Dem könne er insofern nicht widersprechen, als dass es hier sicher keinen sozialen Wohnungsbau geben werde, räumt Depner ein: „Aber das liegt nicht an uns, das würde bei dem Preisniveau auch kein anderer schaffen.“ Noch sei bei ihnen nicht genau durchkalkuliert worden, aber man werde sich sicher am nahen Gebiet „Heiße Klinge“ orientieren.

Mittlerweile ist es zwar immer noch kalt, aber zumindest ist die Stimmung etwas aufgetaut. Depner scheint es zu gelingen, die Leute dazu zu bringen, dass sie sich etwas in einen Bauträger reinversetzen, „der ja egal, was er macht, es nie allen recht machen kann.“ Der Wohnraummangel sei ja da und man wolle allgemein keine Flächen mehr draußen versiegeln. Wer da als Bauträger innerorts Abhilfe schaffen wolle, mache es ja immer falsch und komme wie in diesem Fall durch Streit im Gemeinderat, der mit der Sache selbst gar nichts mehr zu tun habe, unter die Räder.

Fragen kreisen immer wieder um die Tiefgarage

Als in der Runde immer wieder die Tiefgarage zur Sprache kommt, sich die Fragen zusehends um sie drehen, regt Depner, seit dem Kauf des Grundstücks der Hausherr, an, gemeinsam sich das betreffende Gelände hinterm Haus anzuschauen, dort weiterzudiskutieren. Die Einladung wird keineswegs ausgeschlagen, im Gegenteil.

Ein Kritikpunkt ist, dass die Anlage etwa einen Meter aus dem Boden herauskommen wird. Angesichts der deutlich höheren bestehenden Hecken dort werde der rückwärtige Nachbar davon doch gar nichts sehen, versichert Depner, dazu auf die Höhenlinien in seinen Plänen verweisend und die Höhe am Zaun direkt vorführend. Wenn es gleichwohl aber nach wie vor Bedenken gebe, biete er eine Umgestaltung der Grundstücksgrenze an, auf beiden Seiten und ausschließlich auf Kosten seiner Firma. Tiefer zu kommen, gehe aber nicht. Zum einen, weil für die Rampe es eine maximal zulässige Steigung gebe, zum andern, weil die Möglichkeit, diese zu verlängern, schlicht an der Grundstücksgrenze ende.

„Wir sind also zu Gesprächen bereit, es wäre überhaupt besser gewesen, wir hätten schon längst vorher mal miteinander reden sollen. Ich hatte das ja über die Gemeinde angeboten, da gab es aber überhaupt keine Reaktion darauf“, so Depner. Als er zwischendurch erwähnt, dass seine Firma bislang noch nie in Schwaikheim gebaut hat, hört es sich fast an, als verkneife er sich den resignierenden Zusatz „und nach unseren Erfahrungen hier werden wir es auch nie wieder tun.“ Auch wenn er an diesem Morgen wohl kaum alle Einwände der Nachbarn aus der Welt geschafft hat, auf eines konnten sie sich doch einigen: „Miteinanda schwätza schadet nie.“

Sorgen wegen Beeinträchtigungen während der Bauzeit

Allmählich driftet das Gespräch immer weiter ab vom Grundsätzlichen, hin zu Details. Depners zwar durchaus bestimmte, aber immer verbindliche und auch entgegenkommende Art verfehlt ihre Wirkung nicht. Die Schwaikheimer merken, dass sie es hier nicht mit einem profitgierigen, anonymen Immobilienhai zu tun haben. Dass das Vorhaben wirtschaftlich sein muss, verstehen auch sie. Die Oppositionsfront weicht allmählich auf, so der Eindruck. Als die Frage nach der voraussichtlichen Bauzeit kommt und wo denn die Handwerker ihre Transporter in der vollgeparkten Straße hinstellen werden, klingt das schon nach Friedensangebot. Depner scheint es zu spüren: „16 Monate etwa, aber das, was Sie da am meisten belästigen wird, das ist der Abbruch“, versucht er zu beruhigen.

Die Stimmung ist zunächst frostig wie die Temperatur. Eine Handvoll Nachbarn und der Bauträger treffen sich in der Zeppelinstraße an dem Grundstück, dessen geplante Bebauung anhaltend für Ärger sorgt, nicht nur bei den Nachbarn, sondern auch im Gemeinderat. Noch steht das bisherige Gebäude, in dem es verteilt auf drei Stockwerke drei Wohnungen gab. Es ist abrissreif, auf dem Areal, zu dem ein großer Garten gehört, der bereits gerodet ist, soll ein Achtfamilienhaus entstehen. Für die lange

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