Schwaikheim

Bei Hitze Gratis-Wasser von Schwaikheimer Getränkehändler

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Kostenlos Mineralwasser
Pfandflaschen zu sortieren nimmt immer mehr Zeit in Anspruch. „Getränkehersteller setzen immer mehr auf Individualisierung. Viele größere Brauereien haben inzwischen ihre eigenen Flaschen. Das ist auch im Bereich von Mineralwasser zu beobachten“, erzählt Hans-Peter Kastner. © Benjamin Büttner
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Hans-Peter Kastner in seinem Getränkemarkt an der Ludwigsburger Straße. © Benjamin Büttner

„Ich kann nicht verstehen, dass in Deutschland jedes Jahr Menschen sterben, weil sie bei Hitze nicht ausreichend zu trinken haben“, sagt Getränkehändler Hans-Peter Kastner vom gleichnamigen Getränkemarkt an der Ludwigsburger Straße. Der Gedanke daran macht den Händler wütend. Also hat Kastner sich überlegt, wie er an der Situation etwas ändern, zumindest etwas verbessern kann, und suchte sich Kooperationspartner. In Schwaikheim ist es der Integrations- und Nachhilfeverein, kurz INa. „Mit jedem Euro, den Kunden spenden, liefern wir zwei Liter Wasser an unsere Kooperationspartner aus. Diese wiederum verteilen das Wasser an die Bedürftigen, zum Beispiel Obdachlose“, erklärt Kastner die Aktion. Anfangs habe er überlegt, das Wasser selbst zu verteilen. „Es ist jedoch nicht einfach, zu den Menschen, die die Hilfe nötig haben, einen Zugang zu finden.“ Kastners Kooperationspartner haben diesen Zugang meist schon, die Bedürftigen lassen sich von ihnen eher helfen.

Kastner sucht auch in Winnenden nach Kooperationspartnern

An der Kasse der Schwaikheimer Getränkehandlung steht eine Spendenbox. Am ersten Wochenende der Aktion sind hier und in der Filiale in Stuttgart-Vaihingen insgesamt über 400 Euro zusammengekommen, also mehr als 800 Liter Wasser. Hans-Peter Kastner hat die Summe aufgestockt. „960 Liter, also zwei Platten haben wir ausgefahren“, berichtet er. Momentan sei er auf der Suche nach weiteren Partnern, wolle auch in Winnenden, Waiblingen und Backnang Vereine oder Einrichtungen finden, die ihn bei der Verteilung unterstützen. „Toll wäre es, wenn von den Getränkeproduzenten auch etwas gespendet wird. Wir wollen die Aktion groß aufziehen“, hofft Hans-Peter Kastner auf Unterstützung.

Jogger und Radfahrer nehmen das Angebot gerne an

Aber nicht nur bedürftige Menschen können auf die Hilfe des Händlers zählen. Ab einer Temperatur von 30 Grad Celsius kann sich bei Kastner jeder kostenlos Mineralwasser abholen. Bedingung: Der Kunde muss eine Flasche zum Abfüllen mitbringen. „Neben unserem Markt in Vaihingen befindet sich ein Spielplatz. Regelmäßig kommen im Sommer abgekämpfte Eltern, die dringend was zum Trinken brauchen. Einmal kam eine Frau, die ihren Geldbeutel vergessen hatte. Da habe ich mir gedacht, dass ich mir was einfallen lassen muss“, erzählt Kastner, wie er auf die Idee gekommen ist. Schließlich sei es ja auch nicht so, dass bei Hitze große Personenzahlen vor dem Getränkemarkt stehen und ihr Gratis-Wasser abholen wollen. „Aber ein paar nehmen das Angebot schon wahr. Auch Jogger und Fahrradfahrer sind dabei“, weiß Kastner. Dem Getränkehändler sind nicht nur seine beiden Märkte wichtig, sondern auch der Blick über den Tellerrand. Seit längerem verzichtet er daher auf Einweg-Plastikflaschen in seinem Sortiment. „Glücklicherweise haben andere Märkte nachgezogen“, freut er sich. Die Plastikflaschen ganz streichen will er jedoch nicht. „Mir ist bewusst, dass diese auch Vorteile haben, zum Beispiel für Sportler. Deshalb verzichte ich nicht auf die Mehrweg-Plastikflaschen, die bis zu zwanzigmal wiederverwendet werden“, sagt Kastner, dem aufgefallen ist, dass die Kunden auch im Getränkebereich verstärkt auf Regionalität setzen. Deshalb ist er nun dabei, auf Preisschildern im Markt den Lieferweg mit exakter Kilometeranzahl anzugeben. „Alle unsere Produkte kommen aus Bayern oder Baden-Württemberg“, erzählt er. Zwar habe er zum Beispiel auch Coca-Cola oder Jever-Bier im Angebot, aber beides werde im Ländle abgefüllt. „Jever gehört wie Stuttgarter Hofbräu zum Radeberger-Konzern. Deshalb füllen die unter anderem auch in Stuttgart ab“, erklärt Kastner.

Paketshop-Kunden bestellen Getränke bei Amazon

Den Getränkemarkt in Schwaikheim hat er vor ziemlich genau einem Jahr mitten in der Corona-Pandemie übernommen. „Der Anfang war nicht leicht“, erinnert sich Kastner. Er legt Wert darauf, dass er das Personal von seinem Vorgänger übernommen habe. Da der Markt vor Kastners Übernahme insolvent gegangen ist, habe er erst gegen den Ruf ankämpfen müssen.

Während er im ersten Lockdown von den Kunden viel Solidarität und den Drang, den lokalen Handel zu unterstützen, spürte, habe dies später abgenommen. „Bei den Leuten hat Kurzarbeit und Co eben auch durchgeschlagen. Da sitzt das Geld nicht mehr so locker“, vermutet Hans-Peter Kastner, der in seinem Getränkemarkt auch einen Hermes-Paketshop betreibt. „Es gibt Leute, die bestellen sich bei Amazon Getränke und lassen das Paket zu meinem Getränkemarkt liefern. Das ist etwas, das mich sehr ärgert“, sagt Kastner mit einem Kopfschütteln.

Über die Pandemie hinweg haben sich die eintreffenden Pakete vom Versandhändler Amazon bei ihm vervierfacht, vermutet der Getränkehändler. „Und bei den Paketen, die Kunden bei uns abgeben, handelt es sich zu 80 Prozent um Retouren.“

„Ich kann nicht verstehen, dass in Deutschland jedes Jahr Menschen sterben, weil sie bei Hitze nicht ausreichend zu trinken haben“, sagt Getränkehändler Hans-Peter Kastner vom gleichnamigen Getränkemarkt an der Ludwigsburger Straße. Der Gedanke daran macht den Händler wütend. Also hat Kastner sich überlegt, wie er an der Situation etwas ändern, zumindest etwas verbessern kann, und suchte sich Kooperationspartner. In Schwaikheim ist es der Integrations- und Nachhilfeverein, kurz INa. „Mit

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