Schwaikheim

Beim Deo-Diebstahl in Schwaikheim Messer in der Tasche - 900 Euro Strafe

Schnaps und Deo
Zusammen 6,18 Euro wert. © Gabriel Habermann

Ein 39-jähriger Dachdecker hat in einem Schwaikheimer Supermarkt ein Deo und einen Rum im Wert von insgesamt 6,18 Euro mitgehen lassen wollen, wurde dabei erwischt und nun im Amtsgericht Waiblingen zu einer drakonisch wirkenden Strafe verurteilt: Drei Monate Freiheitsentzug, die zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden, dazu eine Geldbuße in Höhe von 900 Euro an den Verein „Bewährungshilfe“, die Übernahme der Kosten des Verfahrens – und die Einziehung von drei Messern, von denen es sich bei einem eindeutig um ein Arbeitswerkzeug handelte.

Genau diese Messer, die der Angeklagte dabeihatte, gab der Angelegenheit größeres Gewicht, für Juristen ist es „Diebstahl mit Waffen“. Obwohl der Mann sie keineswegs gezückt oder anderweitig eingesetzt hatte. Dazu kommt, dass der Angeklagte aufgrund einer vorangehenden Verurteilung bereits unter Bewährung gestanden hatte.

Cutter am Gürtel, ein verbotenes Einhandmesser im Rucksack

Was genau war eigentlich geschehen am 26. August des vergangenen Jahres, wie kam es zu dem Vorfall? Auf der Arbeit habe an diesem Tag ein Kollege Geburtstag gefeiert, erzählte der selbstbewusst auftretende Dachdecker freimütig. Da habe er „ein bissle was“ getrunken, drei, vier Bier. Nein, betrunken sei er nicht gewesen, wahrscheinlich habe ihn der Alkohol aber „etwas übermütig“ gemacht. Wie sonst wäre er wohl dazu gekommen, das Deo einzustecken.

Doch Ladendetektiv und Marktleiter entdeckten seinen Versuch, baten ihn ins Büro des Supermarkts, riefen die Polizei. Die Polizisten durchsuchten ihn mit seiner Erlaubnis und fanden nicht nur ein Cuttermesser, das an seinem Werkzeuggürtel befestigt war, sondern in seinem Rucksack auch noch ein verbotenes Einhand- und ein Taschenmesser.

Diese beiden Messer habe er noch vom Wochenende davor bei sich gehabt, sagte der Angeklagte, er sei Angler und benötige sie zum Ausnehmen der gefangenen Fische. Bei dem Taschenmesser handle es sich um ein Weihnachts-Werbegeschenk, und das Einhandmesser habe er im Internet bei Amazon gekauft.

Der Angeklagte versuchte sich mit dem Hinweis auf einen Widerspruch zu rechtfertigen: Er verstehe ja, dass Messer verboten seien, die sich mit einer Hand per Knopfdruck öffnen lassen, aber wie könne es denn sein, dass verbotene Gegenstände frei und offen verkauft werden? Der Cutter aber sei einfach nur ein Werkzeug, das er im Etui mit sich geführt habe, weil er direkt von der Arbeit gekommen sei. Aus diesem Grund wolle er auch Cutter und Taschenmesser nach der Verhandlung wieder zurückhaben.

Und was den „Shot“, die kleine Flasche Rum, anbelange, den habe er nicht im Supermarkt gestohlen, behauptete er, sondern bereits zuvor in einer Tankstelle gekauft. Schließlich räumte der Angeklagte aber ein, da er das Gegenteil nicht beweisen könne, dass er auch den Rum habe stehlen wollen.

Die Schilderungen des Angeklagten vor Gericht bestätigten im Zeugenstand auch der Marktleiter und ein Polizeibeamter des Schwaikheimer Polizeipostens, der den Fall bearbeitet hatte.

Sechs Vorstrafen, aber keine wegen Ladendiebstahls

Richterin Isabell Thümmel hakte nach, ob der Angeklagte Drogen nehme und ein Alkoholproblem habe, was der 39-Jährige beides verneinte. Drogen konsumiere er seit ungefähr 15 Jahren überhaupt nicht mehr, und den Alkoholkonsum habe er im Griff, er müsse ja schließlich arbeiten. Das Feierabendbier gönne er sich aber, auch mal zwei, drei. Dies sei aus seiner Sicht „völlig im Rahmen“. Vor ungefähr fünf Jahren habe er zwar mal eine stationäre Entgiftung gemacht, aber sie habe ihm letztlich nichts gebracht.

Der Blick auf die Vorstrafenliste sagte der Richterin, dass all diese vorangegangenen Taten gegen den Angeklagten sprechen: Insgesamt sechsmal war der Mann bislang verurteilt worden, wegen Beleidigung, Widerstands und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung, Bedrohung und versuchten Einbruchdiebstahls. Zugutehalten müsse man ihm jedoch sein Geständnis und dass es sich tatsächlich doch um einen „minderschweren Fall“ handle, bei dem es um einen niedrigen Betrag gehe.

Der Freiheitsentzug könne zur Bewährung ausgesetzt werden, da der Mann sowohl über einen festen Wohnsitz wie auch einen Arbeitsplatz verfüge und auch bisher nicht „einschlägig“, also mit weiteren Ladendiebstählen, aktenkundig geworden sei, so Thümmel. Die Richterin hält ihr Urteil für „schuld- und tatangemessen“.

Ein 39-jähriger Dachdecker hat in einem Schwaikheimer Supermarkt ein Deo und einen Rum im Wert von insgesamt 6,18 Euro mitgehen lassen wollen, wurde dabei erwischt und nun im Amtsgericht Waiblingen zu einer drakonisch wirkenden Strafe verurteilt: Drei Monate Freiheitsentzug, die zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden, dazu eine Geldbuße in Höhe von 900 Euro an den Verein „Bewährungshilfe“, die Übernahme der Kosten des Verfahrens – und die Einziehung von drei Messern, von denen es sich

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