Schwaikheim

Corona-„Spaziergänge“ auch in Schwaikheim: Astrid Loff kritisiert Demonstranten

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Spaziergänger. © Benjamin Büttner
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Bürgermeisterwahl Schwaikheim
Astrid Loff. © Benjamin Büttner

Auch Schwaikheim hat seine Montags-„Spaziergänger“. Wie Teilnehmer berichteten, waren sie jüngst zum dritten Mal unterwegs. Allerdings ist der Tross von anfangs rund 20 auf mittlerweile knapp 60 angewachsen. Nachdem sich noch einige an der Kneipe nebenan bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mit Glühwein „to go“ für unterwegs eingedeckt hatten, ging es am Bahnhof los. Der eignet sich nicht nur wegen des Heißgetränks als Startpunkt, sondern weil einige mit der S-Bahn anrückten, es also keineswegs nur Schwaikheimer waren.

Die Route führte über die Fritz-Müller-Allee, die Bismarckstraße hinunter, die Ludwigsburger Straße und die Hauptstraße entlang, ehe es auf dem Rathausplatz zu einem etwa zehnminütigen Stopp kam. Dort gab es allerdings keinerlei Kundgebung, auch keine Reden, die Teilnehmer stand in Kleingruppen beieinander und unterhielten sich. Kleine Lämpchen wurden verteilt, so eine Art elektrisches Teelicht, ehe es mit denen schließlich die Bahnhofstraße hinauf wieder zum Ausgangspunkt zurückging, wobei es allerdings unterwegs zu Auflösungserscheinungen kam, so dass bei weitem nicht alle Teilnehmer bis zum Bahnhof wieder zurückgingen.

Verständlich allerdings dies angesichts der Dauer von fast anderthalb Stunden in der Kälte bei einem äußerst gemächlichen Tempo, bei dem niemandem richtig warm werden konnte, wenigstens von daher war es also ein „Spaziergang“, wenn auch freilich nicht von der Zielsetzung, Absicht her. Aber das gilt für diese „Veranstaltungsform“ in anderen Orten, genauso wie dass das, was dabei unterwegs alles geredet, behauptet und aufs Korn genommen wurde, gleich ist.

Keine(r) trug Maske und auf Abstand wurde nicht geachtet

Alles lief ohne jegliche Vorkommnisse ab, friedlich, störungsfrei – wenn man mal von den Straßenquerungen und den damit verbundenen kurzzeitigen Stopps für durchfahrende Autos absieht, die das allerdings ohne Hupen oder sonstige Unmutsbekundung hinnahmen. Auf der anderen Seite wiederum trug keine(r) Maske und auf Abstand wurde auch nicht geachtet. Anders als etwa in Winnenden war auch keinerlei Polizei zu sehen.

Bürgermeisterin hat Polizei gebeten, Streife zu fahren

Was sagt Bürgermeisterin Dr. Astrid Loff dazu, dass Schwaikheim auch in der Liste der „Spaziergänge“-Orte steht? Nachdem sie davon erfahren habe, habe sie die Polizei gebeten, Streife zu fahren am Montagabend, was, wenn überhaupt, offenbar bei vorherigen Spaziergängen gewesen sein muss. Ihr sei im Nachhinein von der Polizei berichtet worden, es sei niemand „auffällig“, in dem Sinne, dass die Polizei hätte einschreiten können oder müssen. Außerdem gehe die Bürgermeisterin davon aus, dass es in Schwaikheim deutlich weniger Teilnehmer sind als in Backnang oder Schorndorf - was dann auch stimmt, wenn man es ins Verhältnis setzt zur deutlich niedrigeren Einwohnerzahl.

Astrid Loff: Das Wichtigste ist der Schutz vor schweren Infektionsverläufen

Das Wichtigste aus ihrer Sicht sei der Schutz der Schwaikheimer vor einem schweren Verlauf einer Infektion, so Astrid Loff. Und der sei am besten gewährleistet durch Impfungen. Mit ihnen schütze man sich nicht nur selbst, sondern auch andere, durch ihre hohe Anzahl mittlerweile übrigens auch die Ungeimpften. Deshalb sei sie froh und dankbar für alle, die bei den bisherigen Impfaktionen im Ort dabei waren und mitgeholfen haben. Diesen, die auch für den deutlich größeren Teil der Bevölkerung stünden, gebühre eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit als der kleinen Minderheit, die die Gegenposition vertrete.

Montag als Termin wecke völlig falsche Assoziationen

Gerade unter dem Gesichtspunkt des Schutzes könne sie also diese „Spaziergänge“ nicht für gut befinden, so Astrid Loff. Kritisch sieht sie auch den ausgewählten Termin dafür, den Montag. Damit sollten offenkundig Assoziationen an die einstigen Montagsdemonstrationen in der damaligen DDR geweckt werden, die sich gegen ein Unrechtsregime gewandt hätten. Davon könne aber hierzulande, in einer Demokratie, die sehr viel toleriere, keine Rede sein. Ja, zu der gehöre auch die Versammlungsfreiheit. Diese „Spaziergänge“ seien aber in Wirklichkeit „nicht angemeldete Demonstrationen“, bei denen bewusst die Grenzen des Rechtsstaats ausgelotet würden und die unangemessen seien.

Astrid Loff: Damals ging es um Protest gegen ein Unrechtsregime mit Schießbefehl

Eigentlich solle es doch um den Schutz größtmöglicher Teile der Bevölkerung vor einer Infektion gehen, als Gemeinschaftsleistung; damals sei es um Widerstand gegen ein System mit Schießbefehl gegangen, so Astrid Loff. Die Schwaikheimer Bürgermeisterin weist auch darauf hin, dass zum Demonstrieren auch sich anmelden gehöre und die „Spaziergangs“-Teilnehmer ja trotz des Verstoßes dagegen von der Polizei und Ordnungsbehörden „in Ruhe gelassen werden“, ihr Tun also geduldet werde. Schon von daher sei der Vergleich mit der einstigen DDR falsch.

Auch Schwaikheim hat seine Montags-„Spaziergänger“. Wie Teilnehmer berichteten, waren sie jüngst zum dritten Mal unterwegs. Allerdings ist der Tross von anfangs rund 20 auf mittlerweile knapp 60 angewachsen. Nachdem sich noch einige an der Kneipe nebenan bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mit Glühwein „to go“ für unterwegs eingedeckt hatten, ging es am Bahnhof los. Der eignet sich nicht nur wegen des Heißgetränks als Startpunkt, sondern weil einige mit der S-Bahn anrückten, es also

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