Schwaikheim

Damit nichts weggeschmissen wird: Im "Fairteiler"-Regal gibt es gratis von Läden gespendete Lebensmittel

FairTeiler
Während Kathleen Bareiß die von Simon Fahrbach gebrachten Sachen noch sortiert, ist bereits „Kundschaft“ da. © Gaby Schneider

Kartoffeln, Salat, Mandarinen, Brot, Nudeln sind im Angebot. Eine ältere Dame beäugt zwar alles erst mal, packt aber gleichwohl kräftig ein. Kathleen Bareiß beobachtet es mit einem wohlwollenden Schmunzeln. Dafür ist ja schließlich alles da. Dass es wegkommt. Aus dem „Fairteiler“-Schrank, der beim Domizil des Vereins INa (Integration und Nachhilfe) an der Ludwigsburger Straße steht. Hier gilt Selbstbedienung und bezahlt werden muss nichts.

In dem frei zugänglichen, nicht abgeschlossenen Schrank stehen nämlich Lebensmittel, die Läden aussortiert, die sie gespendet haben, um sie nicht wegschmeißen, entsorgen zu müssen. Sie sind gratis. Zugreifen, für den Eigenbedarf, ist ausdrücklich erwünscht, Horten oder Hamstern natürlich nicht. Kathleen Bareiß, die das Ganze betreut, organisiert, erzählt gleich von sich aus, was noch fehlt im Sortiment: Milch und Joghurt, eigentlich alles, was gekühlt werden muss. „Wir brauchen noch einen Kühlschrank“, berichtet sie – in der Hoffnung natürlich, dass jemand, der das liest und daheim einen überflüssig bei sich herumstehen hat, einen spendet. Der nötige Strom, um den Kühlschrank am Laufen zu halten, käme von INa. Auch bei dieser ehrenamtlichen Hilfsaktion hat also wieder mal die Vereinsmacherin Susanne Saltikiotis ihre Finger im Spiel.

Kathleen Bareiß spendet selbst Lebensmittel aus ihrem eigenen Haushalt. Das darf auch jede(r) andere. „Das ist das gleiche Prinzip wie beim Warentauschtag.“ Oder beim öffentlichen Bücherregal. Nämlich Teilen. „Foodsharing“ nennt Simon Fahrbach, ebenfalls ein Schwaikheimer, die Initiative hinterm Wortspiel und der Aktion „Fairteiler“. Sie ist europaweit seit 2011 aktiv und richtet sich gegen die Lebensmittelverschwendung. Sie stellt die Schränke auf, kooperiert mit Betrieben der Branche, holt die Waren, die nicht mehr verkauft werden können, mit Fahrzeugen von den Märkten ab und verteilt sie. Und macht nicht zuletzt vor allem auf das Thema öffentlich aufmerksam, versucht, in der Bevölkerung ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen.

Die einheimische Bäckerei Haag spendet

In Schwaikheim bekommt sie zum Beispiel gespendete Backwaren von der heimischen Bäckerei Haag. Mit den großen Ketten sei es schwieriger, weil in der Regel nicht der jeweilige Filialleiter entscheiden könne, ob gespendet werden dürfe, so Fahrbach. Meist müsse mit der Konzernleitung darüber verhandelt werden. Es seien derzeit Gespräche mit mehreren Ketten in Deutschland im Gange. Einfacher sei es bei inhabergeführten Märkten. Klar sei auch, dass die Tafelläden Vorrang haben, weil es da um bedürftige Menschen gehe. Die „Fairteiler“-Schränke dagegen sind nicht auf diese begrenzt. „Wir können also Sachen zusätzlich abholen, damit ist das Angebot und Sortiment beschränkt. Außerdem hängt es natürlich auch von den Ehrenamtlichen ab, die das unterstützen.“

 Kathleen Bareiß, 37, ist im Beruf Krankenschwester, derzeit allerdings in Elternzeit und sie ist außerdem im Vorstand des Radsportvereins. Fahrbach, 25, studiert Internationale Beziehungen und ist „Botschafter“ für Foodsharing. Es gibt derzeit vier „Fairteiler“ im Rems-Murr-Kreis: in Hohenacker, in Waiblingen, in Höfen und eben in Schwaikheim. Fahrbach schätzt, dass es im Kreis rund 200 Aktive gibt. Es gibt eine eigene Homepage, auf der die mit den Betrieben ausgemachten Abholzeiten stehen, bei manchen täglich, und über die die Abholungen koordiniert werden. „Damit ist gewährleistet, dass auch wirklich alles mitgenommen wird. Nichts, was abgeholt wird, kommt ja in den Müll, landet dort also nicht“, versichert Fahrbach.

Maßgeblich ist das Verbrauchsdatum

Das sei auch für die mitmachenden Betriebe wichtig, gebe ihnen die Sicherheit, dass alles wegkommt, sie sparten dadurch Entsorgungskosten, ergänzt Kathleen Bareiß. „Die haben also auch Vorteile davon. Wir übernehmen ja von denen die Verantwortung, müssen aufs jeweilige Verbrauchsdatum achten. Wenn der Termin überschritten ist, dürfen wir das ohnehin auch nicht mehr verteilen. Maßgeblich ist also nicht, wie viele meinen, das Mindesthaltbarkeitsdatum. Nach dem kann man nämlich vieles noch lange unbedenklich verbrauchen. Wir müssen auch dafür sorgen, dass bei entsprechenden Lebensmitteln die Kühlkette nicht unterbrochen wird.“ Auch deshalb wäre ein gespendeter Kühlschrank also wichtig, hilfreich.

Ein Kühlschrank wäre wegen der Kühlkette hilfreich

In Schwaikheim gibt es „Fairteilung“ seit etwa einem Jahr, seit Oktober steht der Schrank beim INa-Haus. Die Art und Weise, wie die gespendeten Lebensmittel aufbewahrt werden, bis sie jemand mitnimmt, ist je nach den Möglichkeiten von Ort zu Ort unterschiedlich. In Ludwigsburg zum Beispiel bringe man sie zur Heilsarmee, die für die Verteilung sorge, berichtet Fahrbach. Oder sie werden direkt an Bedürftige verteilt. Anfangs sei sie mit Susanne Saltikiotis rumgefahren, habe abgeholt, die Verteilung sei über die Whatsapp-Gruppe von INa gelaufen, berichtet Kathleen Bareiß. Weitere engagierte Helfer seien willkommen. Sie betont: „Es ist nicht so wichtig, wer die Sachen verbraucht, sondern dass sie nicht weggeschmissen werden.“

„Sumpfgoischder“ brachten ihre nicht losgewordenen Bonbons

Der Schwaikheimer Schrank wird von „Foodsharing“ ein-, zweimal in der Woche angefahren, aber es kommt jeden Tag etwas rein. Es kämen ja auch Sachen von anderen, nicht nur sie füllten also immer wieder auf. Was hier nicht abgeholt wurde, habe sie anfangs nach Hohenacker gebracht, da sei es garantiert weggekommen, so Kathleen Bareiß weiter. Begeistert ist sie davon, dass die einheimische Narrenzunft „Sumpfgoischder“ ihre Bonbons und andere Süßigkeiten, die diese durch den coronabedingten Ausfall der Faschingsumzüge nicht loswurden, zum Schrank brachten, also zum Verteilen spendeten.

Kartoffeln, Salat, Mandarinen, Brot, Nudeln sind im Angebot. Eine ältere Dame beäugt zwar alles erst mal, packt aber gleichwohl kräftig ein. Kathleen Bareiß beobachtet es mit einem wohlwollenden Schmunzeln. Dafür ist ja schließlich alles da. Dass es wegkommt. Aus dem „Fairteiler“-Schrank, der beim Domizil des Vereins INa (Integration und Nachhilfe) an der Ludwigsburger Straße steht. Hier gilt Selbstbedienung und bezahlt werden muss nichts.

In dem frei zugänglichen, nicht

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