Schwaikheim

Das Schwaikheimer Freibad hat wieder geöffnet

Freibad
Vormittags ist das Abstandsgebot im Schwimmerbecken überhaupt kein Problem. © Alexandra Palmizi

„Wir sind alle gottfroh, dass wir wieder kommen dürfen.“ Breite Zustimmung zu dieser Aussage in der Damenrunde auf den Bänkle vor den Umkleiden. Das Freibad hat wieder offen. Wegen Corona verspätet und mit einschränkenden Vorgaben, aber das steht bei diesen Stammgästen nicht im Vordergrund.

Ein Stammgast ist auch Gemeinderat Dr. Wolfgang Rauscher, und der hat in der jüngsten Sitzung des Gremiums deutlich gemacht, dass er sich durchaus nicht ausschließlich nur mitfreut. Er kritisiert, dass die Duschräume mit Warmwasser geschlossen sind, und damit nur die Durchgangsduschen direkt an den Schwimmbecken zur Verfügung stehen, mit einer Wassertemperatur wie in den Becken, also nicht wirklich kalt, aber auch nicht so richtig warm.

Freibad
Auch eine Folge von Corona. © Alexandra Palmizi

Zum richtig Duschen gehört aus Rauschers Sicht aber nicht nur entsprechend temperiertes Wasser, sondern auch Seife und auch dass man sich komplett reinigt, und zwar vor allem, bevor man ins Wasser steigt. Das sei eine Frage der Hygiene, nicht nur für sich selbst, sondern auch gegenüber anderen, so Rauscher. Er bekräftigte das mit dem Hinweis, dass in diesem Corona-Jahr das Freibad noch wichtiger sei als sonst, weil viele Familien wohl in den Ferien nicht wegfahren werden. Er wisse von anderen Stammgästen, die wegen des Verbots, die Duschräume im Freibad zu nutzen, solange das gelte, das Bad sogar ganz mieden.

Das Verbot durchsetzen müssten sonst die Schwimmmeister

René Schray, stellvertretender Kämmerer und in der Verwaltung für den Badbetrieb zuständig, verwies darauf, dass die Corona-Verordnung nun mal das Duschen nach dem Baden in den betreffenden Räumen untersage, das gelte nicht nur für das Schwaikheimer Freibad. Erlaube man das Duschen vor dem Baden und öffne dafür die Duschräume, müsse man den Leuten, die aus dem Wasser steigen und dort auch duschen wollen, erklären, dass sie das nicht dürfen, man müsste also trennen, erkennen, wer will vorher duschen, wer nachher, und dann natürlich die Unterscheidung auch durchsetzen, wenn es keine Einsicht gebe. Das käme mithin zusätzlich für die beiden Schwimmmeister zu ihrer ohnehin verschärften Aufsichtspflicht, was den Betrieb in Becken angehe (Abstandsgebot), also noch hinzu.

Vor Ort betont Schwimmmeisterin Katharina Burr, dass nach dem, was sie seit der Öffnung des Bades zu hören bekam, die Badegäste durchgehend froh darüber seien, auch wenn es immer zwei, drei gebe, die etwas auszusetzen hätten. Wegen der geschlossenen Duschräume habe sich aber bei ihr noch niemand beschwert: „Die Leute sagen, das ist dann halt so, und akzeptieren es.“ Eine ältere Frau, ebenfalls Stammgast, meint allerdings, direkt darauf angesprochen: „Ja, das ist schon sch ...“ Eine andere Frau, bei gutem Wetter ebenfalls jeden Tag im Bad, stimmt Rauscher zwar zu, dass Hygiene im Freibad wichtig ist. Aber ihre „ganz einfache“ Lösung für das Problem ist, dass sie eben zu Hause duscht, vor und nach dem Baden.

Rauscher monierte in der Sitzung auch, dass es heuer keine Dauerkarten gibt. Der Freibadbesuch gehe damit ins Geld, insbesondere für Familien. Das gelte aber auch für Senioren, betont eine aus dem Stammgastkränzchen und überschlägt schnell: Also wenn sie in der ohnehin verkürzten Saison jeden Tag ins Bad ginge, würde sie das rund 180 Euro kosten, die Dauerkarte in einem normalen Jahr sonst nur 30 Euro. Schray verwies dazu darauf, dass die Verwaltung das Problem sehr wohl sehe und ständig dran sei, sich eine Lösung zu überlegen, eine digitale Dauerkarte sei möglicherweise eine Option.

Gebühr für digitale Dauerkarte hätte der Gemeinderat zu beschließen

Auf Nachfrage gibt er zu allerdings bedenken, dass es die digitale Dauerkarte innerhalb des elektronischen Buchungssystems, das wegen Corona eingeführt wurde, bislang nicht gibt und damit auch keine Festlegung der Gebühr für eine solche. Beschließen müsse die der Gemeinderat, dessen nächste Sitzung ist aber erst am 28. Juli, und damit seien es von dort bis zum Saisonende nur noch etwa sechs Wochen. „Für die kurze Zeit würde sich wohl niemand noch eine Dauerkarte kaufen, es würde sich einfach nicht lohnen“, ist sich Schray ziemlich sicher.

Der ebenfalls wegen Corona eingeführte Zwei-Schicht-Betrieb hat zur Folge, dass man mit einer Tageskarte nur für fünf Stunden ins Bad kann, also dort eben nicht den ganzen Tag verbringen darf. Man kann wegen des digitalen Buchungssystems auch nicht nachmittags wiederkommen. Die fünf Stunden kosten das Gleiche wie sonst ein ganzer Tag im Bad. Schray rechnet allerdings anders: Nämlich, dass bei einem Tagesticket für vier Euro die Stunde einen Badegast nur rund 80 Cent kostet, da sei es in anderen Bädern teilweise deutlich teurer.

Das Ticket online buchen und am gleichen Tag ins Bad kommen, das geht  - wenn noch Plätze frei sind

Für die Damenstammgastrunde ist der Schichtbetrieb kein Problem: Sie kommen alle ohnehin nur morgens und das täglich. Man kenne sich halt und wenn dann eine(r) mal nicht auftauche, sei sofort die Frage, was denn da los sei. Sie haben sonst alle Dauerkarten. Eine von ihnen meint, sie empfinde es als schwierig, nicht spontan sagen zu können, heute gehe ich ins Bad. Wobei Katharina Burr betont, dass man, wenn man elektronisch bucht oder ein Ticket im Bürgerbüro im Rathaus kauft, auch am gleichen Tag noch ins Bad kann, sich also sehr wohl auch kurzfristig dazu entscheiden kann, vorausgesetzt freilich, es gibt bei maximal 200 Plätzen noch freie. Sie verweist auch darauf, dass selbst wenn eine digitale Dauerkarte noch käme, deren Besitzer nicht einfach kommen und einen Platz beanspruchen könnten, auch sie müssten das elektronische Buchungssystem nutzen, seien also davon abhängig, dass es noch freie Plätze gibt.

Die Stammgastfrauen handhaben es mit dem Buchen unterschiedlich. Eine sagt offen, dass sie davon keine Ahnung hat und dass das ihre Tochter für sie erledige. Sie ist heute von ihr bis ans Tor gebracht worden. Und morgen? „Keine Ahnung, ich hatte ja bisher immer meine Dauerkarte.“ Eine andere hat zwar ein Handy, aber kein Smartphone. Sie kann also das online gebuchte Ticket nicht am Eingang scannen lassen und kaufte deshalb Tickets vorher im Bürgerbüro, in diesem Fall für zwei Tage. Eine andere geht dafür auch ins Rathaus. Eine Weitere macht es „mal so, mal so“, also Bürgerbüro oder online. Bei Zweitem tendiert sie allerdings dazu, sich das Ticket auszudrucken. Das Smartphone mit ins Bad zu nehmen und während des Schwimmens auf der Liegewiese zu lassen, das widerstrebt ihr.

Das Prachtwetter lockt, sie seien am Nachmittag ausgebucht, berichtet Katharina Burr. An diesem Vormittag sind ein paar Familien da, vergnügen sich die Kinder im Nichtschwimmerbecken, einige Stammbadegäste drehen im Schwimmerbecken ihre Bahnen, wo Abtrennungen gezogen sind. Platz ist reichlich, die Einhaltung des Abstandsgebots kein Problem, kein Einsatz der Schwimmmeisterin dazu nötig. Sie müsse aber auch sonst kaum eingreifen, versichert Katharina Burr: „Die Leute sind von sich aus sehr diszipliniert. Außerdem: Leute, die sonst Kontakt haben, die haben ihn auch hier. Mit den Kindern ist es allerdings schwierig.“ Manche Badegäste haben ihr berichtet, dass sie Probleme mit dem Onlinebuchen haben. „Wir sind ja deshalb ständig dran, das System zu verbessern, es auch laufend zu aktualisieren.“