Schwaikheim

Der Schwaikheimer Obsthof Rommel setzt auf Bio: Keine Chemie und deutlich mehr Aufwand

Bio Obst
Petra und Jürgen Rommel auf ihrem Schwaikheimer Feldstückle. Chemische Pflanzenschutzmittel setzen sie dort nicht mehr ein. © Benjamin Büttner

Ist Bio-Obst besser als Nicht-Bio? „Das ist eine Frage der Werte. Es ist auf alle Fälle besser für die Umwelt und unser Klima“, sagt Jürgen Rommel vom gleichnamigen Schwaikheimer Obsthof. Die Umwelt bekomme vom Einsatz chemischer Pflanzenspritzmittel viel ab, den Einfluss könne man messen. „Es gibt ein dramatisches Insektensterben, trotz schonender Spritzmittel“, sagt Petra Rommel. Die beiden haben Agrarwissenschaften studiert, führen neben ihren Jobs den Obsthof Rommel, den sie jetzt komplett auf Bio-Ware umstellen. „Mit Äpfeln und Birnen haben wir das bereits gemacht. Jetzt ist unser Steinobst dran, zum Beispiel Zwetschgen und Kirschen“, sagt Petra Rommel.

Keine chemischen Pflanzenschutzmittel mehr

Die Umstellung ist aufwendig. Sehr aufwendig. „Viele sagen, dass sie ihre Ware nicht behandeln und das dann auch bio ist. Das kann jeder behaupten. Kontrollieren tut das niemand“, sagt Petra Rommel. Die Rommels setzen daher auf kontrollierten biologischen Anbau. Der Obsthof Rommel wird regelmäßig von einer Zertifizierungsstelle geprüft. „Die Kontrollen sind unangekündigt“, sagt Jürgen Rommel. Was die Kontrolleure prüfen? „Um das Zertifikat zu erhalten, dürfen wir keine chemischen Pflanzenschutzmittel und schnelllösliche Mineraldünger mehr verwenden. Bis alles aus dem Boden ist, dauert es drei Jahre. Erst danach bekommen wir das Zertifikat. Innerhalb dieser drei Jahre finden Kontrollen statt, danach ebenfalls“, erklärt Jürgen Rommel.

Wie die Rommels diese Vorgaben umsetzen wollen? „Wenn man auf Chemie verzichtet, dann ist man auf Nützlinge angewiesen, die die Schädlinge bekämpfen“, erklärt Petra Rommel. Das sei allerdings alles andere als einfach. Der Klimawandel habe die Schädlinge gestärkt. „Wir müssen versuchen, ein Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen herzustellen“, sagt ihr Ehemann. Daher haben sich die Rommels entschieden, auf ihrem Stückle Blühstreifen anzulegen. „Die Streifen werden in etwa hüfthoch. Es soll immer etwas blühen. Gemäht wird nur zweimal im Jahr“, so Jürgen Rommel. Ziel sei es, dass die Nützlinge jederzeit ein Nahrungsangebot und ausreichend Lebensraum haben.

Neben den Blühstreifen müssen sich die Rommels jedoch auch noch um einige andere Dinge kümmern. „Wo andere chemische Substanzen gegen Unkraut verwenden, müssen wir vier- bis fünfmal im Jahr den Boden von Hand bearbeiten“, sagt Petra Rommel. Außerdem sei es wichtig, gerade im Frühjahr, die Obstbäume regelmäßig auf Schädlinge zu prüfen. „Die Mittel, die wir einsetzen dürfen, wirken nur vorbeugend, bevor Pilze keimen“, erklärt Jürgen Rommel. Er könne Schwefelkalk nutzen, müsse dafür aber die Pflanzen regelmäßig kontrollieren und mit einer Simulation auf dem Computer den richtigen Zeitpunkt ermitteln, wann das Mittel zum Einsatz kommen soll. „Wer nicht auf Bio setzt, hat es da einfacher. Die chemischen Mittel sind bis zu zwei Tage, nachdem der Pilz keimt, noch wirksam“, schildert Jürgen Rommel, der vor allem, wenn es regenerisch ist, jeden zweiten Tag draußen ist und arbeitet.

Auch das Thema Mäuse beschäftigt die Rommels. Sie seien in den letzten Jahren zu einer regelrechten Plage geworden, was ihnen auch andere Landwirte berichtet hätten. „Wir haben Mäusefallen auf unseren Flächen aufgestellt. Mäuseköder sind nicht erlaubt“, sagt Jürgen Rommel.

Ob das Ehepaar bei all dem Aufwand schon überlegt hat, hauptberuflich auf den Obsthof zu setzen? „Nein, das stand bei uns nie zur Debatte. Dafür haben wir auch zu wenig Fläche“, antwortet Petra Rommel. „Die Fläche würden wir wahrscheinlich sogar kriegen. Aber man muss auch in Gebäude investieren und das wollen wir mit Mitte 50 nicht mehr“, sagt Jürgen Rommel.

Wunsch der Rommels: Schönheitsfehler akzeptieren

Beide wünschen sich, dass die Verbraucher Schönheitsfehler im Obst als normal akzeptieren. „Einen Wurm im Apfel nicht, aber Makel an der Schale. Ganz bekommen wir die Schädlinge nämlich nicht weg“, sagt Jürgen Rommel. Durch die gestiegene Arbeitszeit habe man auch die Preise angepasst.

Ob die Kunden darauf reagiert haben? „Wir haben bisher nur Lob bekommen. Die, denen unser Konzept nicht passt, bleiben wahrscheinlich einfach weg. Wir würden aber auch gerne mit diesen Leuten ins Gespräch kommen“, sagt Petra Rommel.

Ist Bio-Obst besser als Nicht-Bio? „Das ist eine Frage der Werte. Es ist auf alle Fälle besser für die Umwelt und unser Klima“, sagt Jürgen Rommel vom gleichnamigen Schwaikheimer Obsthof. Die Umwelt bekomme vom Einsatz chemischer Pflanzenspritzmittel viel ab, den Einfluss könne man messen. „Es gibt ein dramatisches Insektensterben, trotz schonender Spritzmittel“, sagt Petra Rommel. Die beiden haben Agrarwissenschaften studiert, führen neben ihren Jobs den Obsthof Rommel, den sie jetzt

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