Schwaikheim

Die Schwaikheimer Sozialstation zur ambulanten Pflege in der Corona-Zeit

ambulante Pflege
Die Sozialstation kommt zu ihren Patienten, die daheim auf Pflege angewiesen sind. © Alexandra Palmizi

Corona nervt mittlerweile alle, stresst viele längst. Aber wie kommen eigentlich die, die im ambulanten Pflegedienst arbeiten, damit zurecht, die haben es doch wohl noch etwas schwerer als die meisten anderen? Die Frage geht an die Schwaikheimer Sozialstation, bei der Silke Weith, ausgebildete Krankenschwester, und Kathrin Biedenbach von der Pflegedienstleitung dazu antworten – am Telefon und ohne Bild von ihnen, so ihre Bitte, sie haben auch so schon Stress genug, wenig Zeit, und das Thema ist offenbar auch nicht ganz unheikel.

Also, wie sieht denn bei ihnen die Praxis, „der Alltag unter Corona“ aus? Die Mitarbeiter tragen bei den Patienten ständig FFP2-Masken und Schutzhandschuhe, alle sind vollständig geimpft und testen sich gleichwohl dreimal in der Woche. Ehe sie zu (neuen) Patienten kommen, wird abgefragt, ob die ihrerseits geimpft sind. Wenn nicht, tragen bei ihnen die Mitarbeiter die komplette Schutzausrüstung. Bei neuen Patienten wird generell ein aktueller Negativ-Test verlangt, ebenso von Angehörigen, wenn die dort sind, ebenso müssen die dann die Schutzmaske tragen während der Pflegeeinsätze. Auch bei längeren Aufenthalten während diesen legen die Mitarbeiter die Schutzausrüstung an.

Wie ist denn das Arbeiten ständig mit der Maske auf? Das sei anfangs gewöhnungsbedürftig gewesen, vor allem im Sommer sei das Atmen damit schwierig. Aber die Kollegen müssten ja auch sonst unter Hygienebedingungen arbeiten. Die erschwerten Umstände führten auf der anderen Seite allerdings nicht zu einem erhöhten Krankenstand, wie man vielleicht erwarten würde.

Eine weitere positive Nachricht: Derzeit hat die Sozialstation keinen positiv getesteten Patienten. Bislang war es überhaupt nur eine einzige Dame gewesen. Sie kam aus der Reha, war infiziert, die Tochter hat sich dann um sie gekümmert. Auch die beiden Interviewpartner der Sozialstation finden diese niedrige „Quote“ erstaunlich angesichts der Dauer der Pandemie und der Anzahl der Patienten, die sie haben. Aber man frage ja auch immer gleich, wenn jemand Neues komme, vor allem aus Kliniken, ob der- oder diejenige geimpft ist.

Maske erschwert Kommunikation, Abstand die persönliche Nähe

Klar, das Arbeiten unter Pandemiebedingungen sei schwieriger als sonst. Vor allem wegen der Maske, die die Kommunikation doch ziemlich erschwere. Zu bedenken sei dabei auch, dass viele Patienten, bedingt durch ihr Alter, schwerhörig sind. Schwierig sei es auch durch die Vorgabe, Abstand zu halten. Die meisten Patienten freuten sich ja auf die Zeit, wenn der Pflegedienst da ist. Bei manchen seien die Mitarbeiter die einzigen Menschen, die sie den ganzen Tag über sehen. Teilweise würden sie von den Patienten geradezu sehnsüchtig erwartet. Unter den Vorgaben leide nun mal dieses Persönliche, die Nähe zu den Patienten.

Die Sozialstation hat derzeit zwölf Mitarbeiter, alle in Teilzeit beschäftigt, von 40 bis 90 Prozent, und zwei arbeiten dort auf 450-Euro-Basis. Es gibt Personalprobleme, Corona habe den bestehenden Mitarbeitermangel noch verschärft. Das Angebot der Sozialstation könne den Bedarf bei weitem nicht decken. Hinzu komme, dass Pflegekräfte zunehmend entweder ganz aus dem Beruf ausstiegen oder nur noch stationär arbeiten wollten. Auch von Zeitarbeitsfirmen sei es kaum noch möglich, Pflegefachkräfte zu bekommen. Viele seien mittlerweile regelrecht „ausgebrannt“, das gelte aber ihrer Erfahrung nach auch für Mitarbeiter in Krankenhäusern.

Also, die Sozialstation Schwaikheim hat unbesetzte Stellen. Der „Nachfrageüberhang“ führe allerdings, bislang, nicht zu einer Warteliste. Ein anderes Problem sei aber, dass der Pflegeaufwand bei den Patienten stetig steige. Patienten werden generell älter und mit steigendem Alter brauchen sie mehr Pflege.

Bei Neuanfragen werde deshalb allerdings keineswegs gleich abgesagt, sondern man versuche, zusammen mit den Angehörigen den konkreten jeweiligen Pflegebedarf erst mal abzuklären, also gemeinsam zu schauen, wie es irgendwie doch gehen könnte. Das erfordere aber oft intensive und zeitaufwendige Gespräche sowie zusammen in Ruhe nachzudenken. Es sei nämlich oft gar nicht einfach, den wirklichen, genauen Pflegebedarf zu erkennen.

Corona nervt mittlerweile alle, stresst viele längst. Aber wie kommen eigentlich die, die im ambulanten Pflegedienst arbeiten, damit zurecht, die haben es doch wohl noch etwas schwerer als die meisten anderen? Die Frage geht an die Schwaikheimer Sozialstation, bei der Silke Weith, ausgebildete Krankenschwester, und Kathrin Biedenbach von der Pflegedienstleitung dazu antworten – am Telefon und ohne Bild von ihnen, so ihre Bitte, sie haben auch so schon Stress genug, wenig Zeit, und das Thema

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