Schwaikheim

„Ein drei Tage und Nächte währender Horror“: Anwohner beschweren sich über Schwaikheimer Fleckenfest

Ortsschild Schwaikheim symbol symbolbild symbolfoto
Symbolfoto. © Gaby Schneider

Unerträglicher Lärmpegel, unerhörte und nicht hinnehmbare Ausschankzeiten, das Zünden einer Feuerwerksbatterie um 23 Uhr, ignorierte Absperrungen, Scherben, viel Abfall und Müll. Die Liste der Unzulänglichkeiten, die Anwohner des Fleckenfests unserer Redaktion und Bürgermeisterin Astrid Loff in einem Brief aufgelistet haben, ist lang. Wie reagiert die Gemeinde und was sagen Verantwortliche der Vereine zu den Vorwürfen?

„Im Auftrag der Bewohner/-innen des ‘Betreuten Wohnens Aispachstraße‘ erhalten Sie hiermit vorab den Ihnen auch noch per Post zugehenden Bericht, wie das Fleckenfest von uns erlebt wurde“, heißt es in einer E-Mail, die eine Sprecherin der Gruppe an unsere Redaktion gesendet hat.

„Ein drei Tage und Nächte währender Horror“

Jener Brief, unterschrieben von 15 Personen, hat es in sich. „Die Veranstaltung ist in diesem Jahr so ausgeartet wie nie zuvor“, heißt es unter anderem darin, oder aber „das Schwaikheimer Fleckenfest mag für viele Menschen ein Vergnügen gewesen sein, jedoch für uns Anwohner war es ein drei Tage und Nächte währender Horror!“ Wir erreichen die Frau am Mittwochvormittag am Telefon. Sie ist mit 72 Jahren die jüngste Bewohnerin der Einrichtung. „In unserem Haus herrscht ein Riesenaufruhr wegen dem vergangenen Wochenende“, berichtet sie. Also habe man sich zusammengesetzt, den Brief verfasst, der nur die wichtigsten Punkte enthalte und noch deutlich länger hätte ausfallen können. „So schlimm wie in diesem Jahr war das Fest noch nie. Die Musik hat sich verändert, unsere Wände haben gezittert, aus allen Richtungen war ein Gewumme zu hören“, sagt sie. Selbst für Hörgeschädigte sei der Lärm unerträglich gewesen, heißt es dazu im Brief.

Hinzu komme, dass Verantwortliche eines Vereins auf Beschwerden frech reagiert hätten, die Bewohner sich nicht ernst genommen fühlten. Das Fazit der Anwohnerin? „Wieso verlegt man das Fest nicht in andere Straßenzüge oder etwa auf die Festwiese?“, fragt sie. Ein Fest lasse sich ihrer Meinung nach nicht mit den alten und kranken Menschen am aktuellen Standort vereinbaren. Zudem erwarte man von der Bürgermeisterin und den Festverantwortlichen, zu überdenken, ob die alten und kranken Bürger nicht mehr Rücksichtnahme und Respekt verdienen.

Jörg Motz: Jüngere Besucher hatten mehr Alkohol dabei als in der Vergangenheit

Auch Bürgermeisterin Astrid Loff haben wir am Mittwochvormittag erreicht. „Ich habe der Frau bereits geantwortet“, erzählt sie am Telefon. Es sei bis dahin der erste Kontakt zu der Briefschreiberin gewesen.

„Ich bedauere, dass Sie als Anwohner in zentraler Lage das Fleckenfest als störend empfunden haben“, heißt es unter anderem im Antwortschreiben. Die Vorschläge der Frau, zum Beispiel das Fest zu verlegen, möchte Loff gemeinsam mit dem Festausschuss besprechen. Dass dort auch noch einmal über die Ausschankzeiten gesprochen wird, hat unsere Zeitung bereits berichtet.

Astrid Loff macht in ihrem Schreiben an die Frau deutlich, dass das Fleckenfest für viele Vereine essenziell gewesen ist und sehr vielen Bürgern eine Freude gemacht hat. Ein zentraler Wohnstandort biete viele Vorteile, aber eben auch Nachteile, zum Beispiel, wenn man in unmittelbarer Nähe einer solchen Veranstaltung lebt. „Ich gehe derzeit davon aus, dass es weiterhin in Schwaikheim Feste in zentraler Lage und auf den zentralen Plätzen der Gemeinde geben wird. Selbstverständlich sollte gegenseitige Toleranz und Rücksichtnahme ein Anliegen aller Beteiligten sein“, schreibt die Bürgermeisterin weiter.

Optimierungsmöglichkeiten sieht Jörg Motz, Vorstand der Sportfreunde. In diesem Jahr war er Teil des Organisationsteams. „Tendenziell ist uns aufgefallen, dass das jüngere Publikum mit mehr Material auf das Fest gekommen ist, als es in der Vergangenheit der Fall war. Die Flaschen sind dann stehen geblieben“, sagt er.

Für die Sportfreunde kann er jedoch auch sagen, dass jeden Morgen sorgfältig aufgeräumt wurde, sogar eine Kehrmaschine im Einsatz gewesen ist. „Ich habe nicht den Eindruck, dass das Fleckenfest in diesem Jahr besonders ausgeartet ist, im Gegenteil. Was den Müll betrifft, war es vor drei Jahren weitaus mehr“, erinnert er sich. „Vielleicht sind die Leute solch ein Fest einfach nicht mehr gewohnt“, vermutet Motz.

Verbesserungspotenzial sieht er außerdem bei den Toiletten. „Diese müssen länger geöffnet sein, sonst haben wir ein Problem mit Wildpinklern.“ Er selbst habe die ein oder andere Personengruppe darauf angesprochen, damit diese sich nicht an einer Hauswand erleichtert.

Das Fest ist für Vereine elementar

Von der Idee, das Fest zu verlegen, zum Beispiel auf die Festwiese, hält er wenig. „Die Musik wird dann trotzdem noch im Ort zu hören sein.“ Der Charme des Fleckenfests sei es außerdem nun einmal, mit Freunden und Bekannten auf den Straßen zu feiern, sich dort zu treffen. „Ich finde es schade, dass ein paar Menschen dem ganzen Ort die Möglichkeit nehmen möchten, ihre Tradition zu bewahren“, sagt Motz.

Für die Vereine sei das Fleckenfest unabdingbar. „Ich kann für uns Sportfreunde sagen, dass wir von den Einnahmen zwei Jahre lang zehren. Es ist elementar“, stellt er unmissverständlich klar. Die Rückmeldung in diesem Jahr sei bisher ansonsten von sämtlichen Beteiligten extrem positiv gewesen.

Am Stand von Bermuda Schwoiga haben Bewohner von Haus Elim mitgefeiert

Zum ersten Mal in der Rolle eines Mitverantwortlichen beim Schwaikheimer Straßenfest war Timo Scheufler vom VfB-Fanclub Bermuda Schwoiga. Hatte er den Eindruck, dass die Besucher und Vereine in diesem Jahr besonders über die Stränge geschlagen haben? „Nein, es war wie immer. Durch uns gab es eine zusätzliche Bühne, aber die Resonanz war durchweg positiv“, berichtet der Vorstand des Fanclubs.

Vom benachbarten Haus Elim seien gar Bewohner zu ihnen an den Stand gekommen, haben die Musik gelobt. „Ein Mann im Rollstuhl hat neben unserem Bierwagen mitgefeiert. Er ist großer VfB-Fan und möchte jetzt sogar bei uns Mitglied werden“, erzählt Scheufler. Er vermutet, dass das Bermuda-Konzept, die direkten Anwohner früh einzubinden, an diese Gutscheine zu verteilen, Wirkung gezeigt hat. „Wenn alle zwei Jahre in Schwaikheim etwas los ist, dann sollte man auch als Anwohner ein Auge zudrücken“, meint er.

Unerträglicher Lärmpegel, unerhörte und nicht hinnehmbare Ausschankzeiten, das Zünden einer Feuerwerksbatterie um 23 Uhr, ignorierte Absperrungen, Scherben, viel Abfall und Müll. Die Liste der Unzulänglichkeiten, die Anwohner des Fleckenfests unserer Redaktion und Bürgermeisterin Astrid Loff in einem Brief aufgelistet haben, ist lang. Wie reagiert die Gemeinde und was sagen Verantwortliche der Vereine zu den Vorwürfen?

„Im Auftrag der Bewohner/-innen des ‘Betreuten Wohnens

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