Schwaikheim

Ein Fest zum Gedenken an Tim

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Rajco und Heike Mohrmann wissen, dass sie ihrem Tim nicht mehr helfen können, aber anderen jungen Menschen und deren Eltern. © Speiser / ZVW

Schwaikheim. Bald wäre Tim 23 geworden. Sein Geburtstag jährt sich keine zwei Wochen nach seinem Todestag. Gestorben ist der Schwaikheimer am 25. August 2015 an einer Überdosis Heroin. Seine Eltern Heike und Rajco Mohrmann veranstalten am heutigen Freitag eine Benefizhocketse mit Live-Musik an der Querstraße in Birkmannsweiler.

Die Eltern gehen mit ihrem Schicksal offen um, mittlerweile. Drogen, das sei für sie früher „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gewesen, so Heike Mohrmann: „Aber Schwaikheim? Direkt vor unserer Haustür? Niemals, haben wir gedacht. Wohlgemerkt, wir reden hier von Heroin, nicht vom Kiffen.“

„Wir haben das damals auf die Pubertät geschoben"

Ihnen gehe es mit der Benefizveranstaltung darum, betroffenen Eltern zu zeigen, dass es Hilfe gibt, und sie auch zu warnen: „Haltet eure Augen offen.“ Veränderungen an ihrem Sohn, der früher gekifft hatte, hätten sie wahrgenommen, als er 18, 19 war. „Wir haben das damals auf die Pubertät geschoben, aber dafür war’s doch eigentlich schon zu spät.“

Die Eltern gehen davon aus, dass ihr Junge die Überdosis, ein Mix, in dem auch Methadon war, nicht mit Absicht genommen hat, es also eine Art Unfall war. Sie wussten, dass er seit etwa zwei Jahren abhängig war, hatten Drogen bei ihm gefunden, er habe es ihnen gleich gestanden. Besorgt hatte er sich das Zeug auch übers Internet, dem Darknet. „Das kam ganz normal mit der Post hier an.“ Einer der Dealer ihres Sohnes habe damals in Höfen gewohnt, sei aber nie erwischt oder verurteilt worden. Nur als sie das erwähnen, ist bei Mohrmanns Bitterkeit herauszuhören.

Die Nacht zum Tag gemacht

Welche Veränderungen gab es denn bei ihrem Sohn? Na, er habe die Nacht zum Tag gemacht, den Tag zur Nacht, sei morgens nicht aus dem Bett gekommen. Er verlor seinen Job, die Freundin machte Schluss. Tim hatte nach dem Hauptschulabschluss eine Ausbildung als Verfahrensmechaniker gemacht und in dem Beruf gearbeitet.

Wie war Tim denn? Also für sie als Eltern sei es schwierig, den eigenen Sohn zu beschreiben. Er sei von allen als höflich, freundlich, hilfsbereit gelobt worden, allerdings sei er manchmal etwas eigenbrötlerisch gewesen. Er habe früher gern gekickt, viel gelesen.

„Eigentlich war er ganz normal.“ Was ihn aus der Bahn geworfen hat, wann sein Leben gekippt ist, das, sagen die Eltern, wüssten sie bis heute nicht. „Es gab sicher viele Faktoren, aber mit meinem heutigen Wissen, als angehende Suchberaterin, hätten wir damals sicher vieles anders gemacht“, so Heike Mohrmann.

Sie sind im Elternkreis Waiblingen engagiert

Mohrmanns sind im Elternkreis Waiblingen engagiert (drogensüchtige oder -gefährdete Kinder und Jugendliche). „Wir waren damals so weit, dass wir gesagt haben, wir brauchen unbedingt Hilfe.“ Es sei für Eltern eine wahnsinnige Belastung, zu wissen, dass sie ein drogenabhängiges Kind haben. Die Idee zu der Benefizveranstaltung ist ihnen gekommen, weil die Drogenberatungsstellen sehr viel in Eigenleistung stemmen müssten. Release zum Beispiel kümmere sich speziell um U-21-Eltern.

„Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass solche Einrichtungen weiterbestehen, die sind auf Spenden angewiesen.“ Mohrmanns verweisen darauf, dass es eine Infoecke mit Prospekten gibt. Sie stehen für Fragen zur Verfügung. Allerdings findet bei der Veranstaltung keine Präventionsarbeit statt. „Das überlassen wir den Profis in den Beratungsstellen.“

Der Veranstaltungstag, der 21. Juli, ist der internationale Gedenktag an alle Drogentoten.

Schwaikheim. Bald wäre Tim 23 geworden. Sein Geburtstag jährt sich keine zwei Wochen nach seinem Todestag. Gestorben ist der Schwaikheimer am 25. August 2015 an einer Überdosis Heroin. Seine Eltern Heike und Rajco Mohrmann veranstalten am heutigen Freitag eine Benefizhocketse mit Live-Musik an der Querstraße in Birkmannsweiler.

Die Eltern gehen mit ihrem Schicksal offen um, mittlerweile. Drogen, das sei für sie früher „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“

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