Schwaikheim

Entsorgung des Schwaikheimer Klärschlamms wird billiger, der Transportweg weiter

Klärschlamm
Entwässerter Klärschlamm. © Benjamin Büttner

Er muss weg, am besten möglichst günstig. Wo eine Kläranlage ist, fällt Klärschlamm an, auch in Schwaikheim. Der macht sich künftig auf eine deutlich weitere Reise als bisher. Statt nach Backnang-Neuschöntal wird er nach Schwäbisch Hall gebracht, immerhin wenigstens ein Stück auf der gleichen Strecke, der B 14, anschließend muss sich der alle zehn Tage fahrende Laster mit seinen zwei Containern noch über die Höhe des Schwäbischen Walds quälen. Dort ist aber nur das Zwischenlager.

Vom Kocher geht es nämlich weiter an den Main, nach Unterfranken, in die Nähe von Würzburg, in eine Zementfabrik, wo der getrocknete Klärschlamm als Brennstoff für die Klinkerherstellung genutzt wird. Grund für die weite Reise ist, dass Schwaikheim einen neuen Vertragspartner für diese Entsorgung hat, die Firma BEM Aqua in Ludwigsburg.

1994: Schlamm wird getrocknet und in Kraftwerken der Region verbrannt

Die nicht ganz einfach zu verstehende Vorgeschichte: Seit 1994 gab es einen Vertrag, dass Schwaikheim in Kooperation mit den Städten Backnang und Murrhardt, den Gemeinden Althütte, Aspach, Burgstetten, Oppenweiler und Sulzbach sowie dem Zweckverband Abwasserklärwerk Weissacher Tal, die Firma Mobile Schlammentwässerung (MSE) beauftragt. Sie sollte eine Klärschlammtrocknungsanlage auf dem Gelände der Sammelkläranlage Backnang-Schöntal errichten und betreiben sowie anschließend den getrockneten Klärschlamm in den Kraftwerken der Region verbrennen lassen. So geschah es.

2010: Trocknung mit Abwärme von der Biomüllvergärung

2010 errichtete die Stadt Backnang beziehungsweise ein eigens dafür geschaffener Eigenbetrieb eine neue Trocknungsanlage dort, auf der die Abwärme der geplanten Biomüllvergärungsanlage des Rems-Murr-Kreises gleich nebenan zum Einsatz kommen sollte. Dazu wurde ein entsprechender Kooperationsvertrag abgeschlossen. Auch so geschah es.

Die Abwärme gab es nicht mehr umsonst, der Betrieb rechnete sich nicht mehr

Dieser Eigenbetrieb teilte aber 2019 mit, dass die bislang kostenfreie Wärmelieferung über die Abwärme der Biomüllvergärungsanlage nicht mehr möglich sei und somit der Vertrag zum Jahresende auslaufe. Oder anders gesagt, die Wärme künftig bezahlt werden muss. Wobei allerdings die Trocknungsanlage weiterhin betrieben werde, auch künftig entwässerter Klärschlamm dort angenommen werde. Also wurde der weiterhin dorthin gebracht.

Als im Laufe des Jahres die Stadt Backnang aber ihr Interesse bekundete, die Anlage zu veräußern, weil sie sich nicht mehr rechnet, eben wegen der Mehrkosten für die Wärme, fragte die Schwaikheimer Verwaltung vorsorglich Angebote bei vier regionalen Betrieben für die Klärschlammtrocknung ab, erhielt letztlich aber nur eines.

Plötzlich musste alles ziemlich schnell gehen mit der Verwertersuche

Währenddessen wurde die Anlage in Backnang noch nicht verkauft, sondern weiterbetrieben, also dort weiter Klärschlamm angenommen. Bis im August des vergangenen Jahres der dortige Eigenbetrieb mitteilte, dass dies ab Ende September nicht mehr möglich sein werde. Eine sehr kurze Spanne also, um nach Alternativen zu suchen. Schwaikheim fragte in der Not daraufhin beim Anbieter von 2019 aus Ludwigsburg um ein aktuelles Angebot nach. Dieses lautet: knapp 119 Euro je Tonne (netto, Festpreis bis Ende 2022) bei etwa 600 Tonnen im Jahr, was der anfallenden Menge in Schwaikheim entspricht. Der letzte Abnahmepreis in Backnang betrug 140 Euro je Tonne. Die Verwaltung nahm das Angebot an, befristet bis Ende 2021, und sie empfahl dem Gemeinderat, das Ganze bis Ende 2022 zu verlängern, wobei die Abnahmekosten damit etwa 85 000 Euro (brutto) im Jahr betragen. Dieser Empfehlung hat der Gemeinderat einstimmig zugestimmt.

Er muss weg, am besten möglichst günstig. Wo eine Kläranlage ist, fällt Klärschlamm an, auch in Schwaikheim. Der macht sich künftig auf eine deutlich weitere Reise als bisher. Statt nach Backnang-Neuschöntal wird er nach Schwäbisch Hall gebracht, immerhin wenigstens ein Stück auf der gleichen Strecke, der B 14, anschließend muss sich der alle zehn Tage fahrende Laster mit seinen zwei Containern noch über die Höhe des Schwäbischen Walds quälen. Dort ist aber nur das Zwischenlager.

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