Schwaikheim

Eskalierter Ehestreit in Schwaikheim: Mordversuch mit einer Axt?

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Das Amtsgericht in Waiblingen (Symbolfoto). © ZVW/Benjamin Büttner

Nein, versicherte die Angeklagte in ihrem Schlusswort, sie habe nicht versucht, ihren Ehemann umzubringen. Wenn sie es gewollt hätte, dann hätte sie ihn mit der Axt auch getroffen. Und zwar hätte sie mit ihr nicht nach ihm geschlagen, sondern sie geworfen, als Sportbegeisterte über viele Jahre hinweg. „Er ist schließlich der Vater meiner Kinder, und ob wir getrennt oder zusammen sind, ich will ihm keinen körperlichen Schaden zufügen“, erklärte sie.

Mit den eher ungewöhnlichen Folgen eines Ehestreits hatte sich Richterin Basoglu-Waselzada zu befassen. Vor ihr saß in der Anklagebank eine 34-jährige Frau, die mit dem Tatvorwurf der Körperverletzung in Tateinheit mit Bedrohung und einer weiteren Straftat der Bedrohung konfrontiert war.

Erst Wortgefecht, dann Glastür eingeschlagen

Gemäß des Strafbefehls, den die Angeklagte zugestellt bekommen hatte, war es 2021 zwischen ihr und ihrem Ehemann zunächst in der Garage zu einem heftigen Wortgefecht gekommen, als sie zusammen mit ihrer Schwester aus der gemeinsamen Wohnung in Schwaikheim ihre persönlichen Sachen holen wollte.

Sie habe dann mit einer Axt die Glastür, die vom Garten in die Küche führte, eingeschlagen und dann die Küche demoliert. Als der Ehemann zu flüchten versuchte, habe sie ihn gestellt, ihm angekündigt, ihn umzubringen und dann mit der Axt in seine Richtung geschlagen. Als er dem Schlag auswich, sei er nach hinten gestürzt und auf dem Rücken die Kellertreppe hinabgerutscht.

Hat die Frau gedroht, die Familie „auszulöschen“?

Weiter wurde der Frau geworfen, sie habe einige Tage später den Bruder ihres Ehemanns angerufen und ihm angekündigt, sollte in dem Sorgerechtsstreit um die beiden gemeinsamen Kinder, den das Ehepaar vor dem Waiblinger Familiengericht führte, gegen sie entschieden werden und ihr die Kinder weggenommen werden, würde sie die gesamte Familie auslöschen. Keiner werde dies überleben.

Er habe diese Drohung sehr ernst genommen, versicherte er im Gerichtssaal als Zeuge. Und sie wirkte auch anderthalb Jahre später nach: Er weigerte sich, der Richterin seine neue Anschrift laut mitzuteilen, und übergab ihr lediglich einen Zettel, auf den er sie geschrieben hatte. Er sei nicht nur telefonisch von seiner Schwägerin belästigt worden, erklärte er, sie sei auch schon um drei Uhr morgens an seiner vorherigen Wohnadresse erschienen und habe herumgeschrien.

Inzwischen hat sich das Ehepaar wieder versöhnt

Während sich der Ehemann auf sein Zeugnisverweigerungsrecht nach Paragraf 52 der Strafprozessordnung berief und erklärte, er und seine Frau hätten sich mittlerweile versöhnt, bestätigte ein Nachbar, der sich zur Tatzeit beim Wäscheaufhängen in seinem Garten befunden hatte, im Wesentlichen die Darstellung des Strafbefehls, was den Streit an der Wohnung anbelangte.

Das Gesamtbild vervollständigten die beiden Polizeibeamten des Winnender Polizeireviers, die als Erste am Tatort eintrafen und denen der Ehemann vollkommen aufgelöst vor Angst entgegengerannt kam. „Sie wollte mit der Axt nach mir schlagen! Sie wollte mich mit der Axt umbringen“, habe er in Panik gerufen. Die Frau dagegen habe sich völlig unbeeindruckt gezeigt, auch von dem Platzverweis, der von den Beamten gegen sie ausgesprochen wurde. Wie auch in der Hauptverhandlung verweigerte sie die Aussage.

Unzählige Verfahren gegen die Frau finden sich in den Akten

Als sie im Gerichtssaal dem Staatsanwalt vorwarf, dieser schreibe in der Verhandlung so fleißig mit, weil er sie unbedingt verurteilt sehen wolle, erwiderte dieser, in den Akten fänden sich „unzählige Verfahren“ gegen sie, aufgrund von wechselseitigen Anzeigen des Ehepaars, allein 2021 wegen mehrfachen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz, wegen Bedrohung, Verleumdung, versuchter Körperverletzung und Diebstahl, allesamt begangen am Tatort Schwaikheim.

Darüber hinaus sei noch ein Verfahren wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte am Stuttgarter Landgericht gegen sie anhängig. „Wenn Sie keine Angaben machen, dann müssen wir uns anhand der Zeugenaussagen und der vorliegenden Beweismittel einen Eindruck vom Tatgeschehen verschaffen“, so der Staatsanwalt.

Angeklagte kommt mit einer Geldstrafe davon

Nachdem die Beweisaufnahme nach dem Dafürhalten der Richterin die erhobenen Vorwürfe bestätigt hatte, verurteilte sie die Angeklagte zu einer Gesamtgeldstrafe von 100 Tagessätzen zu 20 Euro. Dies sei sowohl tat- wie auch schuldangemessen, wenn man berücksichtige, dass die Taten im Rahmen des großen Streites einer familienrechtlichen Auseinandersetzung und in eh schon aufgebrachter Atmosphäre erfolgten. Der Ehemann habe zudem durch den Treppensturz lediglich leichte Verletzungen erlitten und zeige selbst keinerlei Verfolgungsinteresse. Zudem müsse der Frau zugutegehalten werden, dass im Bundeszentralregister bisher keine rechtskräftige Verurteilung gegen sie eingetragen sei, so Basoglu-Waselzada.

Nein, versicherte die Angeklagte in ihrem Schlusswort, sie habe nicht versucht, ihren Ehemann umzubringen. Wenn sie es gewollt hätte, dann hätte sie ihn mit der Axt auch getroffen. Und zwar hätte sie mit ihr nicht nach ihm geschlagen, sondern sie geworfen, als Sportbegeisterte über viele Jahre hinweg. „Er ist schließlich der Vater meiner Kinder, und ob wir getrennt oder zusammen sind, ich will ihm keinen körperlichen Schaden zufügen“, erklärte sie.

Mit den eher ungewöhnlichen Folgen

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