Schwaikheim

Für die neue Leiterin der Gemeindebücherei ist es eine Heimkehr nach Schwaikheim

Marion Rolfes
Marion Rolfes hat sehr konkrete Ideen für die Zukunft der Bücherei. © Benjamin Büttner

Marion Rolfes ist heimgekehrt. Zumindest gilt das für ihre neue Arbeitsstätte. Die neue Leiterin der Gemeindebücherei und damit Nachfolgerin von Annette Mauer, die nach Gerlingen gewechselt ist, ist eine Schwaikheimerin. Gerne wäre sie mit ihrer ganzen Familie nach Schwaikheim gewechselt, also auch dorthin umgezogen, doch sie fanden dort nichts Passendes, selbst in „Heiße Klinge“ sei schon alles weg gewesen. Die Familie wohnt seit vier Wochen in Grunbach, also immerhin nicht weit weg. Außerdem habe man die beiden Kinder nicht erneut aus ihrer gewohnten Umgebung in Schule und Kindergarten herausreißen wollen.

Marion Rolfes ist in Schwaikheim aufgewachsen, hat nach der Grundschule dort das Abi an einem Stuttgarter Gymnasium gemacht, danach an der Uni der Landeshauptstadt studiert, bis zum Ende des Studiums (Bibliotheks- und Medienmanagement) bei ihren Eltern daheim, also in Schwaikheim gewohnt. Sie war lange Rollkunstläuferin beim Radsportverein.

Nach dem Studium leitete die Dipl.-Bibliothekarin zwei Jahre lang die Kinder- und Jugendbücherei in Eisenach, war stellvertretende Leiterin der dortigen Stadtbibliothek. Sie wollte dann eine Großstadtbücherei kennenlernen, wechselte dafür 2009 nach München. Deren Stadtbibliothek hat viele Zweigstellen, vieles sei outgesourct, es gebe dort im Vergleich wenig Kundenkontakt, das Ganze laufe sehr viel anonymer ab. Im Laufe der Jahre habe sie dann aber doch gemerkt, dass ihr die Nähe zu den Nutzern der Bücherei fehle, der direkte Kontakt. Interessant sei die Erfahrung gleichwohl gewesen, „sonst wäre ich ja nicht zwölf Jahre dort geblieben“. Sie habe viel mit Kindergärten und Schulen gearbeitet, in Sachen Lese- und Sprachkompetenzförderung.

München hat viel, aber keinen Verein für Rollkunstlauf

Aber München ist doch anders, anders als etwa Schwaikheim? Sie lacht: „Klar, das Angebot an Kulturveranstaltungen zum Beispiel ist riesig.“ Trotzdem: Einen Verein fürs Rollkunstlaufen habe sie dort nicht gefunden: „Dort gibt es eben Eiskunstlauf.“ Aber nun tue etwas mehr Ruhe gut, auch wegen der Kinder.

Sie hat die Chance, die sich mit der freiwerdenden Stelle in Schwaikheim bot, also ergriffen. Das Schöne an der Rückkehr sei ja auch, dass sie die Bücherei dort kennt, sie seit ihrer Kindheit selbst genutzt hat: „Ich kann den Bürgern hier also etwas zurückgeben“, so die 38-Jährige. Die Bücherei hier sei sehr kundenfreundlich, mit ihrem Websystem sehr gut aufgestellt, nicht zuletzt seien von ihrer Vorgängerin Fördermittel beantragt worden, lobt Marion Rolfes. Was von dieser auf den Weg gebracht wurde, wolle sie fortführen, intensivieren. Man sage ja, dass die Bibliothek der „dritte Ort“ ist. Die Familie, das Zuhause sei der erste, die Schule oder der Arbeitsplatz der zweite. Als Ort, zu lernen, sich zu informieren und, ja, auch sich aufzuhalten, sich zu treffen.

Roboterchen als ganz früher Einstieg in die IT

Mit Corona und Home-Schooling sei auch die Bücherei noch mehr gefordert, „auf die digitale Schiene aufzuspringen“, nämlich, dass Schüler damit hier ihre ersten Erfahrungen machen. Was plant sie dazu konkret? Mit den Fördermitteln entsprechendes medienpädagogisches Equipment einzukaufen, nämlich kleine „Dash“-Roboter und Tablets, um die zu bedienen. Kinder sollten früh, von klein auf, mit digitalen Medien in Kontakt kommen, auch indem sie einfache Programmiersprachen erlernen. Die seien die Vorstufe zur IT, die es heutzutage und künftig immer mehr in allen Berufen brauche. Kinder darin zu schulen, sei auch im Sinne des Datenschutzes, weil sie so früh für den sensibilisiert werden könnten. Die Bücherei habe einen Bildungsauftrag. Der Umgang mit den Roboterchen sei „Learning by Doing“, ermögliche wie Bücher haptisches Erfahren.

„Die Bücherei muss die digitale Wende mitgestalten“

Der Bücherei komme da besondere Bedeutung zu, weil die Schule gar nicht die Zeit habe, das auch noch aufzufangen. Natürlich brauche es weiterhin Kooperation mit dieser, vor allem in Hinblick auf Lesen als Grundbaustein für den Umgang mit Medien. Der Kontakt zu den Kindergärten soll intensiver werden. „Kurz gesagt: Die digitale Wende muss die Bücherei mitgestalten.“ Sie stellt sich die Bücherei als „Maker space“ vor, will Ideen dazu aus München in Schwaikheim einbringen.

Beim Bücherbestand soll der Familienbereich erweitert werden

Selbstverständlich werde es in der weiterhin Bücher geben, gedruckte Medien würden nie aussterben. Marion Rolfes denkt daran, den Bestand im „Familienbereich“ zu erweitern, das decke sich mit der Hauptzielgruppe der Bücherei. Zum „analogen“ Angebot der Bücherei sollen auch wieder Veranstaltungen gehören. Vier sind für Herbst geplant. Solange aber Corona wegen des erforderlichen Abstands die nicht vor Ort erlaubt, wird in die Gemeindehalle und ins Jakobushaus ausgewichen. „Die Kinder haben in den letzten anderthalb Jahren so gelitten. Lieber also das als gar nichts.“

Marion Rolfes ist heimgekehrt. Zumindest gilt das für ihre neue Arbeitsstätte. Die neue Leiterin der Gemeindebücherei und damit Nachfolgerin von Annette Mauer, die nach Gerlingen gewechselt ist, ist eine Schwaikheimerin. Gerne wäre sie mit ihrer ganzen Familie nach Schwaikheim gewechselt, also auch dorthin umgezogen, doch sie fanden dort nichts Passendes, selbst in „Heiße Klinge“ sei schon alles weg gewesen. Die Familie wohnt seit vier Wochen in Grunbach, also immerhin nicht weit weg.

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