Schwaikheim

„Faustschlag ins Gesicht“: Die Verantwortlichen des TSV und der Sportfreunde zum Nein zur neuen Sporthalle

nix halle - nix gut
Jörg Motz (l.) und Christian Mergenthaler (r.) von den Sportfreunden sowie Wolfgang Krämer vom TSV. © Gabriel Habermann

Fassungslos sind alle drei, auch noch zwei Monate nach der Entscheidung. Sie hatten Zeit, sie zu verdauen. Entsprechend ihrem Naturell kommt der Unmut darüber, dass die geplante neue Sporthalle nun doch nicht kommt, zumindest nicht auf absehbare Zeit, unterschiedlich zum Ausdruck. Dass der TSV-Vorsitzende Wolfgang Krämer im Gespräch heftiger wird als die beiden Sportfreunde-Vorstände Christian Mergenthaler und Jörg Motz, könnte aber auch daran liegen, dass der TSV noch stärker betroffen ist als die Sportfreunde ohnehin. Denn der Verein besteht nicht nur aus seinen Kickern, die zur Not und wenn das Wetter mitmacht – und das tut es immer häufiger, nämlich mit milden Wintern – da auch draußen bleiben können. Der TSV bietet nämlich auch Reha- und Gesundheitssport und insgesamt sieben Hallensportarten, betont Krämer.

Mergenthaler verweist zunächst auf die Vorgeschichte. Über zwei Jahre hinweg habe sich die Hallenkommission immer wieder abgestimmt, wer welche der Hallen am besten nutzen könne, habe darum gerungen, die bestehenden Kapazitäten optimal zu verteilen. Am Ende des Tages aber habe alles wenig gebracht, sei man nicht wirklich weitergekommen. Die Erkenntnis sei schließlich doch gewesen: „Es braucht dringend eine weitere Halle.“ Er und Motz verweisen darauf, dass seit Jahren Hallenzeiten auswärts angemietet, „eingekauft“ werden, zum Beispiel in Winnenden, weil die in Schwaikheim längst nicht mehr ausreichen. Die Gemeinde habe unterstützt, herumgefragt in der Region. Aber es ist ja nicht so, dass andere Kommunen aus Jux und Tollerei Hallen gebaut haben, die dann leerstehen und nur darauf warten, dass Schwaikheimer kommen und sie nutzen. Diese Akquise ist also schon lange an ihre Grenzen gestoßen.

„Und jetzt also dieser Tiefschlag, für unsere Trainer und Übungsleiter, ja alle Ehrenamtlichen im Verein“, so Mergenthaler. Er könnte noch die in erster Linie betroffenen Kinder, Jugendlichen und Aktiven erwähnen. Er verweist auch auf die Umfrage unter den Vereinen, auch da sei das klare Ergebnis: „Wir brauchen zwingend eine neue Halle.“ All das sei jetzt, mit diesem Nein zum nächsten Schritt – Festlegung der Ausschluss- und Auswahlkriterien im europaweiten Vergabeverfahren, was der Gemeinderat knapp mehrheitlich ablehnte – „abgebrochen“ worden.

In der Hallenkommission seien auch Vertreter aller Fraktionen, betont Krämer. Es sei in der Not versucht worden, Trainingszeiten anderer Vereine als des Radsportvereins in die Radsporthalle zu verschieben. Es sei aber klargeworden, dass aufgrund der Gegebenheiten dort die Halle dafür einfach nicht tauge. Auch die Wiesentalhalle sei nur eingeschränkt nutzbar und vor allem sei deren noch verbleibende Restlebensdauer absehbar. Es habe Nutzerbefragungen gegeben, ebenfalls mit dem Ergebnis, dass der Bedarf für eine weitere Sporthalle „mehr als da ist“.

„Wir wissen nicht mehr, wie wir das alles auf die Reihe bringen sollen“

Das gelte mittlerweile seit mehr als 20 Jahren, so Motz. Der Trainings- und Spielbetrieb in den bestehenden Hallen sei seither weiter und weiter verdichtet worden, aber irgendwann, und da sei man längst, stoße das an Grenzen. Krämer hält es nicht mehr, er wird jetzt richtig sauer. Es gehe um das Engagement, das im Ort geleistet werde, entrüstet er sich: „Wir wissen nicht mehr, wie wir das alles weiter auf die Reihe bringen sollen!“ Für ihn sei die Entscheidung „ein Faustschlag ins Gesicht“ der Ehrenamtlichen der Vereine, erfolgt offenbar nach dem Motto „was interessiert mich mein Geschwätz vom Wahlkampf“. Er verweist auf die Priorisierung der Halle bei den Vorhaben der Gemeinde in den kommenden Jahren, die Begründung dafür sei seit Jahren schlüssig.

Die Kehrtwende sei trotzdem überraschend, widerspricht Mergenthaler dem Hinweis, dass die Grünen doch spätestens seit der jüngsten Haushaltsberatung offen gesagt hätten, dass für sie die Halle nicht mehr vordringlich sei und dass die Absetzbewegungen der SPD nicht zu übersehen gewesen seien. Es habe vorher doch sehr gute Gespräche mit den Fraktionen gegeben.

Also, sie beide seien nach der Sitzung mit dieser Entscheidung frustriert, niedergeschlagen gewesen, so Motz. Er befürchte jetzt „Kollateralschäden“ bei den Mitgliedern. Die neue Halle sei ein wichtiger Baustein des Strategieprogramms des Vereins für die kommenden Jahre gewesen, die Frage, wie, wohin sich der Verein bis 2025 entwickeln soll, das sei allen Parteien vorgestellt worden. Es seien Äußerungen gegenüber den Vereinen und Zitate bestimmter Gemeinderäte im Nachhinein gekommen, die seien unglaublich, ergänzt Krämer.

„Das waren mehr so Äußerungen von Bauchgefühlen“

Beim Thema Halle habe es in dieser Sitzung ohnehin keine sachliche Diskussion gegeben, „das waren mehr so Äußerungen von Bauchgefühlen“, findet Mergenthaler. Die Gründe für das „Nein“ seien alle vage gewesen. Wenn die Verwaltung versichere, die Finanzierung des Projekts sei „safe“ und es werde trotzdem abgelehnt, dann sei offensichtlich kein Vertrauen in sie vorhanden. Die Aufteilung der Priorisierung der beiden vorrangigen Projekte, neuer Bauhof und neue Halle, sei auch deshalb ungeschickt, weil sie zu einer Kostensteigerung durch Mehrausgaben bei den Planungen führe.

Ihn störe, dass Sport offenbar als „Kür“ betracht werde, so Mergenthaler zum Argument, der Hallenbau sei Freiwilligkeitsleistung, die Bereitstellung von weiteren Kinderbetreuungsplätzen dagegen Pflicht der Gemeinde und damit vorrangig. Damit werde der Wert des Sports unterschätzt. Der TSV müsse angesichts der begrenzten Hallenkapazität seine Gesundheits- und Rehasportangebote auf ein Minimum reduzieren, könne das gar nicht mehr weiter verdichten, betont Krämer: „Wir sind mit der Belegung am Anschlag.“ Dazu, dass Sport und weitere Kinderbetreuungsplätze in der Sitzung gegeneinander ausgespielt wurden, meint er sarkastisch: „Das ist wahrscheinlich das Einzige, was ihnen noch eingefallen ist.“ Die Halle zu bauen, heiße ja nicht, dass man das andere lassen solle, wundert sich auch Motz über diese „Logik“. Die Vereine seien nun mal ein „Riesenteil“ der Gemeinde, so Krämer weiter. Sie verweisen außerdem darauf, dass ja auch die Schule durch ihre Erweiterung künftig mehr Hallenzeiten braucht für ihren Sportunterricht, dass die Gemeindehalle wegen Veranstaltungen abends dann jeweils nicht zur Verfügung steht, oft aber auch morgens danach nicht wegen Aufräum- und Reinigungsarbeiten bis zum Mittag.

Ganz eng getakteter Zeitplan: Aufwärmen auf der Tribüne

Beim Vorhalt, den sie sich auch anhören haben müssen, es gebe doch schon vier Hallen in der Gemeinde, warum es also eine fünfte brauche, schütteln sie erneut den Kopf. Im Endeffekt gebe es bislang eine einzige reine Sporthalle in Schwaikheim, kontert Motz. Die Wiesentalhalle habe nicht einmal 20 Prozent der Normfläche einer Sporthalle und die Gemeindehalle sei ständig belegt mit anderem. Die Zeiten in der Fritz-Ulrich-Halle seien so eng getaktet, da gehe es um jede Viertelstunde, so Mergenthaler. Das Warmmachen zu Beginn des Trainings finde für die, die nachkommen, deshalb auf der Tribüne statt. Das Training könne dort nur noch auf den Teilfeldern stattfinden. Das gelte selbst für die Herrenmannschaft, was in der Württembergliga, auf diesem Leistungsniveau, wohl „einmalig“ sei, ergänzt Motz. Wenn nur die Sportfreunde in der Halle seien, also nur Handball gespielt werde, gehe es ja noch, wenn auch mehr schlecht als recht, aber beim TSV trainierten ja verschiedene Sportarten nacheinander, was zusätzliche Auf- und Abbauzeiten erfordere, gibt Krämer zu bedenken, der von bitterbösen Kommentaren von Mitgliedern und „tiefem Frust im Laden“ berichtet.

Haben sie denn vor zu reagieren? Ja, und zwar abgestimmt mit dem TSV werde man über eine Online-Petition ein Stimmungsbild im Ort abfragen, so Mergenthaler, „wir wollen damit das Thema versachlichen“. Das entsprechende Formular werde auf den Vereinswebseiten abrufbar sein, in Kombination mit einem klassischen Infoflyer, den man in Läden im Ort und in den Haushalten verteilen werde. Dabei werde man noch weitere Vereine, auch Nicht-Sportvereine, mit ins Boot nehmen, so Krämer. Sport sei Teil der Bildung, ein wichtiger Faktor in der Gesellschaft. Motz spricht vom „Mehrwert“ der Halle, verweist darauf, dass diese von etwa 3500 Leuten im Ort genutzt würde, auch von Nichtmitgliedern, wie beim Gesundheits- und Rehasport des TSV, ergänzt Krämer.

„Zu sagen, es geht nicht, das ist zu einfach“

Man wolle außerdem in einen Gesprächsmodus mit den Fraktionen kommen, und zwar mit der Frage „wie kriegen wir es hin?“, so Mergenthaler, „es ist zu einfach, zu sagen, es geht nicht.“ Auch wenn die Halle in der Vorplanung auf eine reine Übungs- und Trainingshalle reduziert sei, sehe er durchaus noch Einsparpotenzial. Was halten sie davon, statt der geplanten „2+1“-Variante eine reine Zweifeldhalle zu bauen? Mergenthaler winkt ab: Das sei kein gangbarer Weg, weil der Wegfall der Wiesentalhalle absehbar sei, die Kapazität, die damit entfalle, solle ja auch aufgefangen werden, eben mit einem Angebot auch für die ganzen Kleingruppen, die bisher dort sind. Dieser dritte, separate Bereich habe ja seinen Sinn, nämlich dass dort auch andere Gruppen sein können, die nicht Sport treiben, während im Zweifelderteil nebenan trainiert werden kann, gibt Krämer zu bedenken. „Das wäre Murks“, meint Motz. Die „2 plus 1“-Variante sei auf Dauer ausgelegt, die nachhaltige Lösung der Probleme, die es bisher gebe.

Fassungslos sind alle drei, auch noch zwei Monate nach der Entscheidung. Sie hatten Zeit, sie zu verdauen. Entsprechend ihrem Naturell kommt der Unmut darüber, dass die geplante neue Sporthalle nun doch nicht kommt, zumindest nicht auf absehbare Zeit, unterschiedlich zum Ausdruck. Dass der TSV-Vorsitzende Wolfgang Krämer im Gespräch heftiger wird als die beiden Sportfreunde-Vorstände Christian Mergenthaler und Jörg Motz, könnte aber auch daran liegen, dass der TSV noch stärker betroffen ist

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