Schwaikheim

Fußtritte gegen Hexenschuss?

Schild
Symbolbild. © Jamuna Siehler

Schwaikheim/Waiblingen. Was wirklich zwischen ihnen vorgefallen ist an jenem Abend im Februar, das wissen nur die beiden Beteiligten selbst. Auf jeden Fall hat das Amtsgericht Waiblingen das, was der eine Kumpel mit dem anderen anstellte, als, wenn auch minder schwere, Körperverletzung eingestuft und eine Geldbuße im untersten möglichen Bereich verhängt.

So ganz sicher ist sich offenbar selbst der Angeklagte nicht, was sich damals in seiner Wohnung in Schwaikheim abspielte. Eigentlich hätten sie doch nur „rumgebubelt“, meinte er zunächst. Dann erklärt er, er habe dem Kumpel bei dessen Hexenschuss doch nur etwas helfen wollen. Vielleicht ist das Erinnerungsvermögen des 48-Jährigen aber auch dadurch getrübt, dass an diesem Abend „der Alkohol eine Rolle gespielt hat“, wie er einräumte.

Auf jeden Fall hatte der Kumpel hinterher erhebliche Schmerzen, die über den vermeintlichen Hexenschuss doch etwas hinausgingen, verursacht dadurch, dass er ziemlich unsanft vom Sofa gezerrt, ihm mit dem Knie gegen den Rücken gedrückt und Tritte dorthin mit einem Schuh verpasst wurden, der Stahlkappen trug, so zumindest die Anklage.

Das Opfer erstattete wegen der körperlichen Misshandlung Anzeige bei der Polizei, die die „Hinterlassenschaften“ auf dem lädierten Rücken protokollierte. Der 48-Jährige bekam daraufhin einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch einlegte, aber nicht, weil er den Vorfall bestritt, sondern weil ihm die Geldbuße, 90 Tagessätze à zehn Euro, zu hoch erschien. Wegen des Einspruchs kam es nun zur Verhandlung vor Gericht, wo der Angeklagte zwar die Vorwürfe bestätigte, aber anfügte, sein Kumpel könne halt „auch gut schauspielern“. Auf die Nachfrage der Richterin, ob er denn damit sein Geständnis widerrufen wolle und damit der Fall noch mal ganz von vorne aufgerollt werden müsse, also der Kumpel als Zeuge aussagen werde, winkte der Angeklagte aber ab: „Belassen wir es dabei.“

Zum Strafmaß belehrte ihn die Richterin, dass 90 Tagessätze bei dem Vorwurf, um den es gehe, das Mindeste sei. Die zehn Euro jeweils entsprächen den Tagessätzen von Hartz-IV-Empfängern. Worauf der Mann, dem eine gewisse Wurstigkeit eigen ist, erklärte, er beziehe ja nicht einmal Sozialhilfe, sei arbeitslos, seit Anfang des Jahres auch arbeitsunfähig geschrieben und habe noch gar keinen Antrag auf staatliche Unterstützung gestellt.

Auf die Nachfrage, von was er denn dann lebe, erklärte er, von „a bissle Ebay“ und gelegentlichen, eher zufälligen Hilfsjobs, Reparaturen, unter anderem im Haushalt seiner Mutter. Der Mann lebt mit ihr im gleichen Haus, aber in einer eigenen Wohnung, das Haus gehört der Mutter, die Miete für die Wohnung stundet diese ihrem Sprössling. Er steht also entsprechend bei ihr in der Kreide, habe aber nicht nur bei ihr Schulden und das nicht zu knapp, sondern etwa auch bei der Krankenversicherung und lebe überhaupt „von der Hand in den Mund“, beteuerte er ohne Anzeichen von Gram über seine prekäre Existenz.

Die Richterin ließ schließlich etwas Milde walten, setzte die Höhe der Tagessätze auf acht Euro herunter, wobei der Mann die Strafe ohnehin in Raten abstottern kann. Der Staatsanwalt belehrte den Angeklagten daraufhin umgehend, dass dieser für die Ratenzahlung selbst einen Antrag stellen müsse. Der Appell an die Eigeninitiative des Mannes dürfte wohl seinen guten Grund haben.

Das Verhältnis zwischen den beiden Kumpels scheint durch den Vorfall in jener Nacht und die Anzeige damals übrigens nicht dauerhaft zerrüttet worden zu sein. Der Angeklagte begrüßte den anderen, der als Zeuge bereitstand, aber doch nicht aussagen musste, freudig und mit der Frage, ob man sich denn hinterher noch sehe.

Schwaikheim/Waiblingen. Was wirklich zwischen ihnen vorgefallen ist an jenem Abend im Februar, das wissen nur die beiden Beteiligten selbst. Auf jeden Fall hat das Amtsgericht Waiblingen das, was der eine Kumpel mit dem anderen anstellte, als, wenn auch minder schwere, Körperverletzung eingestuft und eine Geldbuße im untersten möglichen Bereich verhängt.

So ganz sicher ist sich offenbar selbst der Angeklagte nicht, was sich damals in seiner Wohnung in Schwaikheim abspielte.

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