Schwaikheim

Gefährliches Überholmanöver löst Unfall aus: Mann aus Schwaikheim verurteilt

Überholverbot
Die Stelle, an der ein Außendienstler zum gefährlichen Überholmanöver ansetzte. © Gabriel Habermann

Handelte es sich um rücksichtsloses Verhalten, als der Angeklagte im Oktober 2020 noch innerhalb der Ortschaft vor einer Kurve einen vor ihm fahrenden Pkw überholte? Bei diesem Manöver übersah er ein entgegenkommendes Fahrzeug. Dessen Fahrer musste eine Vollbremsung hinlegen, um einen Frontalzusammenstoß zu vermeiden. Dadurch verlor er die Kontrolle über seinen Wagen, geriet auf die Gegenfahrbahn und kollidierte mit dem überholten Wagen, obwohl dessen Fahrer noch versuchte, nach rechts auszuweichen.

Der zweite Termin am Amtsgericht Waiblingen

Mit diesem Fall hatte sich jetzt zum zweiten Mal das Waiblinger Amtsgericht zu befassen. Ursprünglich hatte der Unfallverursacher von der Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl über 40 Tagessätze in Höhe von jeweils 80 Euro sowie ein sechsmonatiges Fahrverbot erhalten. Nachdem er dagegen Widerspruch eingelegt hatte, kam es zur Hauptverhandlung. Nachdem am ersten Verhandlungstag der Unfallverursacher und der Fahrer des entgegenkommenden Fahrzeugs zu Wort gekommen waren, sagten dieses Mal der Führer des überholten Fahrzeugs und dessen Ehefrau als Zeugen aus.

Er sei mit „normaler“ Geschwindigkeit zwischen 50 und 60 Kilometern in der Stunde unterwegs gewesen, als er überholt wurde, berichtete der 70-Jährige. In dem Augenblick, als er überholt wurde, habe er den Pkw bemerkt, der ihm entgegenkam. Er habe daraufhin noch versucht, nach rechts auszuweichen und gehupt, um den Fahrer des überholenden Autos vor der Gefahr zu warnen. Dieser habe den Überholvorgang abgeschlossen, dann sei auch schon das entgegenkommende Auto, dessen Reifen durch die Vollbremsung blockierten, mit dem Heck seines Wagens zusammengestoßen. Es sei ruckzuck gegangen. Das überholende Fahrzeug habe daraufhin gewendet und sei zum Unfallort zurückgekommen.

Dessen Fahrer sei ausgestiegen, habe sich vielmals entschuldigt und nach dem entstandenen Schaden erkundigt. Alle Beteiligten, betonte der Zeuge mehrmals, seien froh, dass niemand verletzt worden sei. Materielle Schäden könne man immer ersetzen, sie seien „nicht wichtig“, beteuerte er.

Seine Ehefrau wiederum erklärte, sie könne zum Unfallgeschehen überhaupt nichts aussagen. Sie sei während der Fahrt mit dem dreijährigen Enkelkind beschäftigt gewesen, das hinten saß. Nach dem Zusammenstoß habe sie das Kind an die Hand genommen und sei mit ihm spazieren gegangen, um es abzulenken und um zu vermeiden, dass es Angst bekommt.

Der Verteidiger spricht von „Augenblicksversagen“

Der Verteidiger des Angeklagten argumentierte, der Strafbefehl, der gegen seinen Mandanten erlassen worden war, sei vollkommen unangemessen. Es habe sich lediglich um eine Ordnungswidrigkeit seines Mandanten gehandelt. Für Überholen unter Missachtung des Verbots, seien, wenn dadurch ein Unfall verursacht wurde, ein Bußgeld in Höhe von 300 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot vorgesehen.

Für eine Straftat, wie sie seinem Mandanten vorgeworfen werde, reiche dessen „Augenblicksversagen“ nicht aus, ihm müsse grob verkehrswidriges Verhalten und Rücksichtslosigkeit nachgewiesen werden. Gerade aber dadurch, dass er zum Unfallort zurückgekehrt sei, sich entschuldigt und nach dem Schaden erkundigte, habe er das Gegenteil von Rücksichtslosigkeit an den Tag gelegt. Rücksichtslosigkeit bedeute über Gedankenlosigkeit und Nachlässigkeit hinaus eine gefährliche Einstellung, die ausschließlich auf sich selbst bezogen sei und alles andere ausblende. Keinesfalls sei sein Mandant charakterlich ungeeignet zum Führen eines Kraftfahrzeugs und müsse ihm daher die Fahrerlaubnis nicht entzogen werden.

Letztendlich, so der Verteidiger weiter, gehe es in dem Verfahren um die berufliche Existenz des Angeklagten, der als Außendienstmitarbeiter auf seinen Führerschein angewiesen sei. Derzeit könne er noch mit dem Verständnis seines Arbeitgebers rechnen, bei dem er seit 28 Jahren beschäftigt sei. Seine Arbeit erledige er vom Büro aus und die Kundentermine schiebe er vor sich her, doch würden sich diese mittlerweile lawinenartig vor ihm auftürmen.

Richterin betont, die Situation kurz vor der Kurve sei unübersichtlich gewesen

Allerdings folgten weder die Vertreterin der Staatsanwaltschaft noch die Richterin diesen Argumenten des Verteidigers. Rücksichtslos sei es sehr wohl, so die Richterin, noch innerhalb der Ortschaft in unübersichtlicher Situation kurz vor einer Kurve ein Fahrzeug zu überholen, das in angemessener Geschwindigkeit vor einem her fahre. Es habe eine konkrete Gefährdung vorgelegen, der Führer des entgegenkommenden Fahrzeugs habe schließlich erklärt, er habe bremsen müssen, um einen Frontalzusammenstoß zu vermeiden. Dadurch sei es letztlich zu dem Unfall gekommen.

Die Fahrerlaubnis wird für drei Monate entzogen

Zugunsten des Angeklagten werde sein Verhalten nach dem Unfall berücksichtigt, ebenso dass er bisher weder strafrechtlich noch im Straßenverkehr als Sünder aufgefallen sei. Aufgrund all dessen und unter Berücksichtigung seiner wirtschaftlichen Situation sei die Verurteilung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 150 Euro, insgesamt 4500 Euro, angemessen. Darüber hinaus wird dem Angeklagten für drei Monate die Fahrerlaubnis entzogen.

In diese Frist werden allerdings die zwei Monate seit der Beschlagnahme des Führerscheins nach der Verhängung des Strafbefehls mit eingerechnet. In ihrer schriftlichen Urteilsbegründung werde sie ausdrücklich vermerken, so die Richterin, dass sie keine Bedenken dagegen habe, eine neue Fahrerlaubnis zu erteilen.

Handelte es sich um rücksichtsloses Verhalten, als der Angeklagte im Oktober 2020 noch innerhalb der Ortschaft vor einer Kurve einen vor ihm fahrenden Pkw überholte? Bei diesem Manöver übersah er ein entgegenkommendes Fahrzeug. Dessen Fahrer musste eine Vollbremsung hinlegen, um einen Frontalzusammenstoß zu vermeiden. Dadurch verlor er die Kontrolle über seinen Wagen, geriet auf die Gegenfahrbahn und kollidierte mit dem überholten Wagen, obwohl dessen Fahrer noch versuchte, nach rechts

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