Schwaikheim

Gemeinde Schwaikheim will Fläche für weiteren großen Lebensmittelmarkt ausweisen

Luftbild Schwaikheim, Gewann Steige, 06.12.2022.
Die Erschließung soll von der vorbeiführenden, darunter liegenden Landesstraße (Ludwigsburger Straße) her erfolgen. © Benjamin Beytekin

Bislang ist das Gebiet Steige in Schwaikheim jenseits der Kelterstraße Richtung Hohenacker im Flächennutzungsplan als künftiges Wohngebiet vorgesehen. Als das Wohngebiet, das als Übernächstes auserkoren war, nach dem Gebiet Leimtelle. Von dieser Reihenfolge, der Planung mit Leimtelle hat sich die Gemeinde offenbar verabschiedet. Stattdessen rückt das Gebiet Steige in den Fokus. Wohl nicht zuletzt, weil dort die Erschließung von der Landesstraße her einfacher ist, eines von mehreren Problemen, die es mit Leimtelle gegeben hätte.

Die Lage macht Steige allerdings aus Sicht der Gemeinde nicht nur interessant im Hinblick auf den Bau neuer Wohnungen, sondern auch unter dem Aspekt Nahversorgung und Freizeit/Sport. Zumindest ist das das Ergebnis einer Klausurtagung des Gemeinderats im Sommer. Die Überlegungen dort sollen in entsprechende Änderungen des Flächennutzungsplans münden. Die dort bislang für Steige vorgesehene ausschließliche Wohnbaufläche soll aufgeteilt und teilweise anders genutzt werden.

Sonderbaufläche für Sport- und Freizeiteinrichtungen

Vom Ortsausgang aus gesehen soll direkt im Anschluss an die Bebauung eine Sonderbaufläche für Sport- und Freizeiteinrichtungen ausgewiesen werden (0,63 Hektar), daran wiederum im Anschluss eine weitere Sonderbaufläche für einen großflächigen Einzelhandelsbetrieb (0,51 Hektar), beides direkt an der Landesstraße gelegen und von dieser her erschlossen. Darüber, bis etwa auf Zweidrittel Höhe der Kelterstraße, soll sich ein Mischgebiet (Gewerbe und Wohnen, 3,5 Hektar) anschließen.

Das Sport- und Freizeitgelände wäre, in Bezug auf das bestehende Freizeitzentrum, „am anderen Ende“ von Schwaikheim und entspräche von der Fläche her in etwa einem Fußballfeld. Es soll auch Abstand schaffen, einen Puffer bilden zwischen der Wohnbebauung an der Kelterstraße und der weiter außerhalb liegenden Einzelhandel-Fläche. Begründet wird es außerdem mit dem Erhalt und der Steigerung der Lebensqualität durch die Nutzung von Jugendlichen und Familien.

Deutlich ausführlicher, weiter ins Detail gehend fällt die Begründung für die Einzelhandel-Fläche aus. Da wird auf die „verstärkte Zuwanderung aufgrund der großpolitischen Lage“ verwiesen, „das Anwachsen der Bevölkerungszahl durch den Ausbau der Wohngebiete in den vergangenen Jahren“, den dadurch „höheren Bedarf an Nahversorgung“, steigende Kosten für Mobilität (Benzin) und damit „sozial ungleiche“ Auswirkungen auf „Mobilitätsmöglichkeiten“, die Folgen von Strukturveränderungen auf den Wirtschaftsstandort Region Stuttgart, die Einkommen und die Einnahmen der Gemeinde, wobei Einbrüche bei der Gewerbesteuer kommende Entwicklungen bereits andeuteten.

Die Nahversorgung sei weder mittelfristig noch nachhaltig gesichert

Auf diese neuen Anforderungen müsse sich die Gemeinde einstellen. Die Nahversorgung in Schwaikheim sei „derzeit weder mittelfristig noch nachhaltig im erforderlichen Maß für eine Gemeinde mit 10.000 Einwohnern gesichert“. Laut einem von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Gutachten gebe es „einen erheblichen Mehrbedarf gegenüber den bestehenden Nahversorgern“. Dabei könne deren Verbleib noch nicht einmal als sicher angesehen werden. Zusätzlich erfordere die demografische Situation Nahversorgung „mit geringem Mobilitätsaufwand“. Gespräche mit Projektentwicklern von Supermärkten und Discountern hätten ergeben, dass es faktisch kein Interesse gibt, Leerstände in älteren sanierungsbedürftigen Gebäuden zu nutzen. Erforderlich seien Grundstücke, die „dem Standard an Ladenflächen entsprechen und sinnvoll ergänzendes Gewerbe begleitend in unmittelbarer Nähe ermöglichen“. Vorsorge, also Vorbeugen vor Engpässen, sei dringlich.

In der Begründung wird dazu auf die genannte Klausur des Gemeinderats verwiesen, wo geeignete Gebiete eingeschätzt worden seien, die „Gewerbe ermöglichen, um die anstehenden Aufgaben finanzieren zu können“, inklusive einer Ausweisung von Sondergebieten, wobei außer der erforderlichen Größe aber auch „Nachhaltigkeitsfähigkeit, geringer Flächenverbrauch und Klimafolgenresilienz angemessen zu berücksichtigen sind und zukunftsfähig integriert“ werden sollen. Explizit wird auch auf die „nachhaltige Versorgungssicherheit im Falle des Abwanderns einzelner Nahversorger“, auch für „mobilitätsschwächere Teile der Bevölkerung“ verwiesen. Zum Gebiet Steige selbst, seiner Lage in einer Talsenke, heißt es, dass die angrenzende Ludwigsburger Straße die Versorgung auch westlicher gelegener Ortschaften () begünstige.

Bestand: ein Edeka-Vollsortimenter und ein Netto-Discounter

Um angesichts dieses soziologisch-volkswirtschaftlichen Exkurses mal kurz innezuhalten, zur Erinnerung: Es gibt in Schwaikheim, Stichwort Nahversorgung, seit eindreiviertel Jahren einen neugebauten und wohl immer noch modernen, von der Familie Härdter geführten Edeka-Vollsortimenter in der Ortsmitte, mit rund 1400 Quadratmetern Verkaufsfläche, außerdem seit einem halben Jahr einen Netto-Discounter an der oberen Bahnhofstraße, am früheren Standort des Edeka. Die Kette hat auf hartnäckiges Drängen der Gemeinde hin nach dem Auszug von ihrem Standort an der Ludwigsburger Straße diesen übernommen und saniert. Auch wenn laut Netto nach zwei Jahren ein „Kassensturz“ erfolgen, also über den weiteren Verbleib dort entschieden werden soll, Fakt ist: In die Modernisierung wurde investiert.

Ihr Drängen hatte die Gemeinde auch damit begründet, dass es einen erheblichen Bedarf gebe, der Discounter am neuen Standort mit deutlich größerer Verkaufsfläche sich auf jeden Fall tragen werde. Der zentrale Standort für den neuen Edeka wurde von der Gemeinde bewusst gefordert und gefördert, weil man, damals, keinen am Ortsrand (im Gewerbegebiet Klingwiesen) oder auf der „grünen Wiese“ wollte, sondern einen für die zumindest meisten Schwaikheimer fußläufig erreichbaren, auch für die „mobilitätsschwächeren“.

Leerstehender Getränkemarktladen und eine Potenzialfläche am Bahnhof

Zum Thema Flächenverbrauch: Auch an der Ludwigsburger Straße, aber innerorts und ebenfalls zentral, gibt es außerdem seit dem Abzug von Getränke Kastner eine leerstehende Ladenfläche, die allerdings, zugegeben, mit etwa 450 Quadratmetern Verkaufsfläche für großflächigen Einzelhandel nicht ausreicht. Anders sieht es dagegen mit dem sogenannten Nitschke-Areal aus, ausgewiesen als künftiges Mischgebiet, in direkter Nachbarschaft des neuen großen Wohngebiets „Heiße Klinge“ und auf der anderen Seite des Bahnhofs, also nur ein paar Meter von der S-Bahn und vom Bahnhofsvorplatz mit seinen Bushaltestellen entfernt.

Bislang ist das Gebiet Steige in Schwaikheim jenseits der Kelterstraße Richtung Hohenacker im Flächennutzungsplan als künftiges Wohngebiet vorgesehen. Als das Wohngebiet, das als Übernächstes auserkoren war, nach dem Gebiet Leimtelle. Von dieser Reihenfolge, der Planung mit Leimtelle hat sich die Gemeinde offenbar verabschiedet. Stattdessen rückt das Gebiet Steige in den Fokus. Wohl nicht zuletzt, weil dort die Erschließung von der Landesstraße her einfacher ist, eines von mehreren

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