Schwaikheim

Gericht: Haftstrafe wegen Spendenveruntreuung

amtsgericht1_0
Das Amtsgericht in Waiblingen. © Ramona Adolf

Schwaikheim/Waiblingen. Sie haben eine Firma gegründet mit der Idee, Spendengelder für Einrichtungen zu sammeln. Doch die Gelder haben sie niemals weitergereicht. Nun mussten sich ein Schwaikheimer und ein Fellbacher vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger und gemeinschaftlicher Betrug in mehr als 80 Fällen.

„Wir haben die Firma nicht gegründet, um uns selber zu bereichern!“, sagt einer der beiden Angeklagten vor dem Amtsgericht Waiblingen aus, der in Schwaikheim wohnt. „Wir haben gehofft, das mit dem nächsten Auftrag abzufangen. Ich hätte früher die Notbremse ziehen sollen.“ Er und sein Fellbacher Partner, die gemeinsam die Firma Anfang 2013 gegründet hatten, haben wirklich an ihre Idee geglaubt, sagt er. Sie hatten Büroräume angemietet. Der Schwaikheimer führte Einstellungsgespräche, stellte Mitarbeiter ein. Er knüpfte den Kontakt zu einem Kinderheim in Nürtingen und versprach den Mitarbeitern dort, im Namen der Einrichtung Spendengelder einzutreiben. Mehr als 15 000 Euro kamen dabei von unterschiedlichen Firmen zusammen. Ein Teil der Spendengelder sollte bei der Fellbacher Firma bleiben – so wollte sie sich finanzieren. Der andere Teil sollte ans Kinderheim fließen. „Wir haben nie Geld bekommen“, sagte die Leiterin des Kinderheims, die als Zeugin geladen war. Und nicht nur sie, sondern auch nicht die Landesverkehrswacht, in deren Namen rund 3000 Euro gesammelt wurden, wie auch die eigenen Mitarbeiter. Bei ihnen stehen bis heute noch Gehaltszahlungen aus.

Schwaikheimer tritt als Firmenchef auf

Gegenüber den Mitarbeitern und den Einrichtungen trat der Schwaikheimer als Geschäftspartner auf. Der zweite Geschäftsführer, ein Familienvater aus Fellbach, arbeitete im Außendienst. Das Einzugsgebiet, in welchem die Mitarbeiter der Fellbacher Firma unterwegs waren, wobei sie sowohl zu den Leuten gingen wie auch per Telefon Kontakt aufnahmen, war groß und reichte von Fellbach bis Tamm, Nürtingen, Beuren, Metzingen, Dettingen, Tübingen bis nach Leutkirch oder Isny im Allgäu. Die Beträge, die sie von ihren Ansprechpartnern im Sinne von Spendengeldern einforderten, hielten sich im Rahmen. Mal waren es 235,62 Euro, mal waren es 59,50 Euro. Die Summen hatten sie vorgeschlagen, weshalb sie variierten, habe an den Firmen gelegen, die teils andere Beträge überwiesen hatten.

Dass die Firma nicht seriös arbeitete, flog auf, nachdem Firmen Spendenbescheinigungen einforderten. Dazu nahmen sie Kontakt zu einer Werbeagentur auf, die auch für die Landesverkehrswacht zuständig ist. „Das Projekt lief“, sagte der Zeuge der Werbeagentur. Er habe eine Liste von dem Schwaikheimer Angeklagten erhalten mit Firmen, die zu einer Spende bereit waren. Irgendwann hatte er den Eindruck, dass die Büroräume verlassen sind, und erfahren, dass die Firmenchefs den Mietvertrag fristlos gekündigt hatten.

Ein Polizeihauptmeister nahm die Ermittlungen auf. Er schrieb das Kinderheim und die Landesverkehrswacht an, „um die Sache nachvollziehen zu können“. Zu den nachgewiesenen Taten kommen noch 30 bis 40 Versuche, wobei hier keine Spendenzahlung gemacht worden war, erklärte er.

Schwaikheim/Waiblingen. Sie haben eine Firma gegründet mit der Idee, Spendengelder für Einrichtungen zu sammeln. Doch die Gelder haben sie niemals weitergereicht. Nun mussten sich ein Schwaikheimer und ein Fellbacher vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger und gemeinschaftlicher Betrug in mehr als 80 Fällen.

„Wir haben die Firma nicht gegründet, um uns selber zu bereichern!“, sagt einer der beiden Angeklagten vor dem Amtsgericht

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper