Schwaikheim

Hüttenzoff in Schwaikheim: Nicht genehmigte Bauten müssen weg - Gartenbesitzer prüfen Einspruch

nicht genehmigt
Heinrich und Angelika Lachner auf ihrem Stückle. Die Terrasse samt Überdachung im Hintergrund ist nicht zulässig. © Benjamin Büttner

Stücklesbesitzer in Schwaikheim sind verärgert. Sie sollen Wassertonnen, Stühle, Grills, Vordächer und Hütten aus ihren Gärten entfernen. Letztere stehen allerdings teilweise schon 50 Jahre und länger dort. „Ich befürworte das Ausmisten der Gärten prinzipiell“, beginnt Heinrich Lachner, Besitzer eines Gartens im Gebiet Kugele. Schließlich hätten einige Stücklebesitzer „Zeug“ hergebracht, was in einem Garten nichts zu suchen habe. „Teilweise sind das Mülldeponien“, weiß Lachner, den andere Gartenbesitzer liebevoll den „Hausmeister vom Kugele“ nennen, weil er täglich vor Ort ist, ganz egal wie gut oder schlecht das Wetter ist.

Bei einer früheren Kontrolle keine Beanstandungen gemeldet

Was ihn hingegen stört, das sei die Uneinsichtigkeit des zuständigen Bauamtes in Winnenden. „Die sitzen an ihren Schreibtischen und entscheiden etwas, weil es so in den Gesetzbüchern steht“, schimpft er. Dabei habe sich das Freizeitverhalten der Menschen längst verändert, nicht erst seit Corona. „Das muss doch berücksichtigt werden“, klagt Lachner.

Als er sich sein Gärtle im Jahr 1992 zugelegt hat, da sei ihm nicht bewusst gewesen, dass darauf eigentlich nur eine Geschirrhütte stehen darf. „Grills, Spielgeräte, Terrassen oder Ähnliches sind nicht erlaubt“, erzählt Lachner. Im Februar hat er ein Schreiben des Gemeindeverwaltungsverbandes erhalten: Die unzulässigen Bauten müssen abgerissen werden. „Dabei war 1993 hier schon einmal eine Kontrolle, da standen beide Hütten schon. Wieso hat man damals nichts gesagt?“, rätselt Lachner.

Die Baurechtsbehörde erklärt auf Lachners Rückfrage, dass es sich damals um keine systematische Kontrolle gehandelt habe. „Aktuell wird das gesamte Gebiet betrachtet und alle Eigentümer/Pächter zum Rückbau der unzulässigen baulichen Anlagen aufgefordert“, heißt es in einem Schreiben. Diese Betrachtung habe im Fall der Lachners ergeben, dass eine der beiden Hütten weg müsse.

Gartenhäuser, die dem Aufenthalt dienen, sind nicht zulässig

2011 habe sich der Sohn das Nachbargärtle gekauft. Auch eine der zwei Hütten, die auf diesem Gelände stehen, muss weg. Sie ist mit knapp 30 Quadratmetern zu groß. „Dabei ist die laut unseren Unterlagen genehmigt worden“, seufzt Lachner.

Die Baurechtsbehörde weiß zwar von einer Genehmigung, jedoch sei die Hütte inzwischen deutlich größer. Das Flurstück befinde sich außerhalb des Geltungsbereichs eines Bebauungsplans. Dort seien im Außenbereich lediglich Gebäude ohne Aufenthaltsräume, Toiletten oder Feuerstätten bis maximal 20 Quadratmeter verfahrensfrei zulässig. „Gartenhäuser, die der Unterbringung von Gartengeräten und dem Aufenthalt auf dem Grundstück dienen, sind im Außenbereich nicht zulässig“, heißt es in einem weiteren Schreiben der Behörde.

Handschriftliche Ergänzung im Kaufvertrag nicht relevant

Einer der Vorbesitzer des Grundstückes habe fälschlicherweise im Kaufvertrag handschriftlich ergänzt, dass die Hütte in ihrem jetzigen Zustand genehmigt sei. Aussagen der Verkäufer seien für die Baurechtsbehörde jedoch nicht relevant. Die zweite Hütte, mit 21,34 Quadratmetern ebenfalls größer als erlaubt, toleriere man.

Zaun komplett erneuert, jetzt muss er weg

Der Zaun, den die Lachners um das Grundstück gebaut haben, muss hingegen weg. „Wir haben ihn erneuert, weil er fast umgefallen wäre“, erklärt Heinrich Lachner. Die Baurechtsbehörde argumentiert nun, dass Zäune in diesem Gebiet generell nicht zulässig seien. Da der Zaun erneuert wurde, habe er außerdem einen etwaigen Bestandsschutz verloren. „Das versteht doch kein Mensch“, schimpft Heinrich Lachner. „Hätten wir den Zaun Stück für Stück erneuert, dann hätte er noch Bestandsschutz gehabt. Weil er für den Austausch komplett weg war, nicht mehr“, schildert er und schüttelt mit dem Kopf.

Nach dem 22. August droht ein Zwangsabriss

Die Baurechtsbehörde hat die Lachners nun dazu aufgefordert, zwei der Hütten samt Anbauten abzureißen. Wassertanks müssen bepflanzt oder ebenfalls beseitigt werden, der Zaun inklusive der Tore soll weg. Dies solle bis zum 22. August geschehen. Kümmert sich die Familie nicht darum, werde eine Beseitigungsanordnung erlassen.

Im Oktober sollen sich die Lachners außerdem um die Hecken auf den Grundstücken kümmern. Die Baurechtsbehörde toleriert lediglich Bepflanzungen von maximal acht Metern Länge, im Anschluss müsse eine Pflanzlücke von 2,50 Metern folgen. „Das nimmt mich alles ziemlich mit“, gibt der 70-Jährige einen Einblick in seine Gefühlswelt. Er könne nachts nicht mehr richtig schlafen, weil ihn die Situation so beschäftige. „Wegen der Pandemie können wir ja nicht einmal gemeinsam schaffen, weil wir dann wieder zu viele Leute sind“, seufzt er. Die Baurechtsbehörde teilte den Lachners mit, dass bis August noch Zeit sei. Bei einem Rückgang der Infektionszahlen und Fortschritten beim Impfen, könne mit Lockerungen gerechnet werden. Ansonsten könne auch eine Firma beauftragt werden.

Lachner hofft nach wie vor auf ein Einlenken des Baurechtsamtes, vor allem was seine Hütten und den Zaun betrifft. Und wenn nicht? „Ich komme der Behörde entgegen. Ich bin kein Halsabschneider. Aber wenn wirklich alles weg muss, dann wäre das Stückle für uns nicht mehr so interessant.“ Und dann müsse man erst einmal jemanden finden, der sich so kümmere wie der Hausmeister vom Kugele.

Jetzt wolle man erst mal abwarten, sich mit den Nachbarn unterhalten. Wahrscheinlich werde man gemeinsam Einspruch einlegen.

Stücklesbesitzer in Schwaikheim sind verärgert. Sie sollen Wassertonnen, Stühle, Grills, Vordächer und Hütten aus ihren Gärten entfernen. Letztere stehen allerdings teilweise schon 50 Jahre und länger dort. „Ich befürworte das Ausmisten der Gärten prinzipiell“, beginnt Heinrich Lachner, Besitzer eines Gartens im Gebiet Kugele. Schließlich hätten einige Stücklebesitzer „Zeug“ hergebracht, was in einem Garten nichts zu suchen habe. „Teilweise sind das Mülldeponien“, weiß Lachner, den andere

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