Schwaikheim

Keine Bewährung: Schwarzfahrer muss einen Monat ins Gefängnis

Winnenden neue S3
S 3 nach Backnang. In so einer Bahn wurde der Angeklagte erwischt. © Gaby Schneider

Schwarzfahren kommt im Normalfall teuer. Im schlimmeren Fall kostet es die Freiheit. Ein Monat Gefängnis ohne Wenn und Aber – so lautete das Urteil, das Richter Johannes Weigel im Waiblinger Amtsgericht „im Namen des Volkes“ gegen einen jungen Mann fällte. Der war Ende September im vergangenen Jahr kurz vor 14 Uhr in der
S-Bahn auf der Strecke von Waiblingen nach Backnang ohne Fahrkarte erwischt worden.

Er sei wohl gerade von seiner Freundin auf dem Heimweg unterwegs gewesen, begründete der Angeklagte sein Schwarzfahren, und er habe kein Geld für die 5,80 Euro teure Fahrkarte gehabt. Dass nicht nur die fehlenden finanziellen Mittel dem 24-Jährigen das Leben schwer machen, wurde dann im Laufe der mündlichen Verhandlung deutlich.

Bei Zeitarbeitsfirmen gejobbt – zwei Monate hier, zwei Monate dort

Nach dem Besuch der Förderschule in Öhringen, die er ohne Abschluss verließ, versuchte er über das Waiblinger Berufsbildungswerk ins Leben zu finden. Dort habe man ihn herausgeworfen, weil er Probleme mit der Disziplin und damit habe, sich einzufügen, wie er auf Nachfrage des Richters einräumte. Seitdem sei er keiner regelmäßigen Arbeit nachgegangen, habe immer wieder mal über Zeitarbeitsfirmen gejobbt, ein, zwei Monate, nie etwas Festes. Gelebt habe er vom Taschengeld, das ihm der Papa zusteckte. Leistungen vom Arbeitsamt habe er noch nie bezogen, er wohne bei der Mama in Waldrems. Über sie sei er auch bis zu seinem 23. Lebensjahr krankenversichert gewesen; seitdem müsse er sich selbst versichern.

Zum Arbeitsplatz will er die nächsten Male mit dem Fahrrad fahren

Rückhalt im Leben gebe ihm seine Freundin, mit der er seit dreieinhalb Jahren zusammen sei. Dank ihr sei es ihm gelungen, überhaupt Boden unter die Füße zu bekommen. Er habe vor, mit ihr und ihrem Kind zusammenzuziehen. Der erste wichtige Schritt dahin sei eine feste Arbeit. Er habe gerade die ganze Woche zur Probe gearbeitet, am nächsten Tag könne er einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Er habe eine Stelle auf dem Blumengroßmarkt im Stuttgarter Osten gefunden, dort könne er an sechs Tagen in der Woche ab zwei Uhr in der Früh bis 10 Uhr arbeiten. An seinen Arbeitsplatz komme er mit dem Fahrrad, von Waiblingen aus sei das gut zu schaffen, ein Grund mehr, bei seiner Freundin einzuziehen.

Hat der Angeklagte eine Grundlage für eine positive Sozialprognose?

Sowohl die Vertreterin der Staatsanwaltschaft wie auch der Verteidiger verwiesen darauf, dass der junge Mann die Tat eingestanden habe. Es handle sich um einen Bagatellschaden, der Angeklagte habe festen Boden unter den Füßen, eine Arbeit in Aussicht und lebe in einer festen Beziehung. Dies stelle ihrer Ansicht nach eine ausreichende Grundlage für eine „positive Sozialprognose“ dar, also die Aussicht, dass er nicht wieder eine Straftat begeht. Diese Sozialprognose ist notwendig, um eine schuld- und tatangemessene, zweimonatige Haftstrafe gegen eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro für zwei Jahre zur Bewährung auszusetzen und den Angeklagten der Aufsicht eines Bewährungshelfers zu unterstellen.

Während er schwarzfährt, steht er noch unter Bewährung

Diese Ansicht teilte allerdings der Richter nicht. Er verwies auf ein Dutzend Vorstrafen, wegen unerlaubten Besitzes und Erwerb von Betäubungsmitteln, wegen Diebstahls, Körperverletzung und immer wieder Schwarzfahrens. Besonders schwer schlug zu Buche, dass er noch wegen Schwarzfahrens unter Bewährung stand, als er damals ohne Fahrschein erwischt worden war. Er sehe keinen festen Rahmen, der das Leben des Angeklagten zusammenhalte, auch nicht, dass er durch seine Beziehung Boden unter die Füße bekommen habe und dass seine Arbeit auf dem Blumengroßmarkt von Dauer sein werde, weshalb er die Haftstrafe auch nicht zur Bewährung aussetze, so der Richter.

„Aber“, gab er dem Angeklagten auf den Weg, „dies kann sich bis zur Berufungsverhandlung ja noch ändern. Womöglich befinden Sie sich dann ja in einer anderen Situation, die eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung rechtfertigt. Aber dies müssen Sie bis dahin durch Ihr Verhalten beweisen.“

Schwarzfahren kommt im Normalfall teuer. Im schlimmeren Fall kostet es die Freiheit. Ein Monat Gefängnis ohne Wenn und Aber – so lautete das Urteil, das Richter Johannes Weigel im Waiblinger Amtsgericht „im Namen des Volkes“ gegen einen jungen Mann fällte. Der war Ende September im vergangenen Jahr kurz vor 14 Uhr in der
S-Bahn auf der Strecke von Waiblingen nach Backnang ohne Fahrkarte erwischt worden.

Er sei wohl gerade von seiner Freundin auf dem Heimweg unterwegs gewesen,

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