Schwaikheim

Kindertagespflege "Windelflitzer": Was die neue Betreuung in Schwaikheim bietet

Windelflitzer
Der Gruppenraum ist eingerichtet: Aus Sicht von Jessica Weindl (l.) und Sonia Secreto kann es bald losgehen. © Gabriel Habermann

Die Tipis stehen bereit, es fehlen nur noch die Indianer vom Stamme der „Windelflitzer“. So nennen Jessica Weindl und Sonia Secreto ihre Kindertagespflege, die sie in Bälde eröffnen werden. Die „Tipis“ sind natürlich keine Zelte, zumindest vorerst nicht, sondern die Betten im Schlafraum und die ungewöhnliche Form sollen genutzt werden, um vor allem die Bettwäsche der Kleinen zu lüften.

Die knapp 100 Quadratmeter große Wohnung am Ende der Ziegelstraße ist weitestgehend eingerichtet, ein bisschen muss noch was getan werden, aber das bekommen die Ehemänner und Schwäger der beiden jungen Frauen wie auch alle anderen Arbeiten bis zur Eröffnung garantiert hin. Die Wohnung ist hell, freundlich, das Bad hat einen eigenen Wickelbereich, den wird es auch brauchen, aufgenommen werden ausschließlich U-3-Kinder, maximal neun. Zwei Betreuerinnen für sie bedeutet einen traumhaften Personalschlüssel.

Die Kindertagespflege wird von der Gemeinde finanziell unterstützt. Sie übernimmt die Kaltmiete, zahlt zudem eine Platzpauschale von 70 Euro je Kind und Monat, einmalig 5000 Euro für die Ausstattung und außerdem die Ablöse der Küche in Höhe von 2500 Euro. Ohne diese enorme Hilfe wäre es gar nicht machbar, sie seien der Gemeinde dafür sehr dankbar, so Jessica Weindl, 33, und Sonia Secreto, 30.

Sie haben vorher im gleichen Kindergarten in Fellbach gearbeitet

Beide sind „Profis“, ausgebildete Erzieherinnen. Die Ältere hat einst zudem vier Jahre lang die Awo-Sommerferienfreizeit in Nellmersbach geleitet. Sie haben vorher im gleichen Kindergarten in Fellbach gearbeitet. Sabine Schick-Seitz, Dipl.-Sozialpädagogin und Fachberaterin vom Tageselternverein Winnenden und Umgebung, berichtet, dass die neue Einrichtung gerade recht komme. Es gebe sonst niemanden derzeit im Verein, der aus dem Stand in Schwaikheim ein weiteres Angebot machen könne, aber es gebe aktuell dort Anfragen für Kindertagespflege. „Die Eltern fahren zweigleisig. Sie fragen bei der Gemeinde an und bei uns.“

Das Problem bei der „Kindertagespflege in anderen geeigneten Räumen“, kurz „Tiger“, also nicht bei den jeweiligen Tageseltern daheim, sei, dass die Anfragen von Eltern zum Angebot passen müssen. Das aufeinander abzustimmen, sei in einer kommunalen Kita, die sich nach dem Bedarf der Eltern richte, einfacher. Kinder haben laut der Fachberaterin einen „Grundanspruch“ auf mindestens 20 Stunden Betreuung in der Woche („Regelangebot“), was auf fünf Wochentage verteilt jeweils vier Stunden bedeutet. In der neuen Kindertagespflege werden 32,5 Stunden angeboten, von Montag bis Donnerstag jeweils von 7.30 bis 14.30 Uhr und am Freitag von 7.30 bis 12 Uhr. Das entspricht, auf die Betreuungszeiten kommunaler Kitas bezogen, „VÖplus“. Dieser Zeitrahmen sollte zum Bedarf der Eltern passen. Jessica Weindl und Sonia Secreto sagen es so: „Es ist wünschenswert, dass dieses Stundenkontingent möglichst ausgeschöpft wird.“

Der Kostenbeitrag der Eltern ist vom Kreisjugendamt festgelegt

Die Gebühr wird vom Kreisjugendamt festgelegt. Die entsprechende Kostenbeitragstabelle des Rems-Murr-Kreises für die Kindertagespflege hat vier Beitragsstufen, die gestaffelt sind nach der Betreuungszeit, nach dem Alter der Kinder (unter oder über drei Jahre) und nach dem Einkommen der Eltern. In der Kategorie, in die die „Windelflitzer“-Tagespflege fällt, sind demnach zwischen 23 und 342 Euro im Monat an Kostenbeitrag von den Eltern zu zahlen. Sie lägen damit deutlich unter den Elternbeiträgen der kommunalen Kitas, so Jessica Weindl und Sonia Secreto: „Das kommt also als Plus dazu und dass wir eben hier zu zweit sind.“ Nicht zu vernachlässigen sei zudem, dass immer mehr Eltern bei Tageseltern einen „pädagogischen Hintergrund“ verlangen und der hier eben auch gegeben sei, ergänzt Sabine Schick-Seitz. Allerdings gebe es bei Tageseltern oft noch ein weiteres Problem, das der Vertretung im Krankheitsfall. In einer Kita mit viel mehr Personal könne das in der Regel durch Springer ausgeglichen werden.

Bei Jessica Weindl und Sonia Secreto gibt es nicht nur den (gemeinsamen) „pädagogischen Hintergrund“. Sie haben sich an ihrem gemeinsamen Arbeitsplatz kennengelernt. Beide haben selbst kleine Kinder, beide kommen frisch aus der Elternzeit, sind also ziemlich gleichzeitig damals schwanger geworden. Sie sind nicht nur Kolleginnen, sondern sehr gut befreundet, was in ihrem Beruf eigentlich eher selten sei. Wie heißt es: „Die Chemie stimmt“, sonst hätten sie das „Abenteuer“ der beruflichen Selbstständigkeit, das Ausscheiden aus einer Festanstellung mit sicherem Gehalt jeden Monat – Erzieherinnen werden zudem von allen Kommunen händeringend gesucht – wohl kaum gewagt, oder? Sie schmunzeln: „Das hat sich alles so gefügt.“ Die Freundschaft geht sogar so weit, dass sie wechselseitig Patinnen sind.

Jessica Weidle hatte ihre eigenen Töchter beim Tageselternverein in Waiblingen angemeldet, wo sie wohnt. Was sie da mitbekam, habe sich gut angehört. „Das hat mir so gefallen, dass ich eine Ausbildung zur Tagesmutter gemacht habe und so reingekommen bin.“ In Waiblingen habe es aber keinen Bedarf für „Tiger“ gegeben, ihr sei deshalb der Verein in Winnenden empfohlen worden.

Schritt in die Selbstständigkeit mit Ablauf der Elternzeit

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, heiße es doch. Aber so groß schätzen sie das Wagnis eh nicht ein. Sie seien gut vorbereitet, in täglichem Austausch mit dem Verein, wüssten, was auf sie zukomme, dass der Anfang schwer werden könnte, sei ihnen bewusst. „Aber wenn nicht jetzt, wann dann?“, hält sie dagegen mit Verweis auf die Unterbrechung durch die Elternzeit. „Klar ist das ein Risiko, verglichen mit unseren früheren Stellen. Aber was wir machen, wird sich langfristig lohnen“, ist sich Sonia Secreto sicher, die in Hohenacker wohnt, „wir müssen uns halt einen Ruf aufbauen“. Sie seien „schon etwas anderes“, „schon mehr als eine ,Spielgruppe’, die sich manche Eltern unter Tageseltern vorstellten, meint sie auch mit Blick auf den Unterschied: hier zwei Erzieherinnen für neun Kinder, dort für bis zu 25. Außerdem sei der „Weg zurück ja keineswegs versperrt, ergänzt Sabine Schick-Seitz.

Nachfrage nach Tageseltern ist viel höher als das Angebot

Derzeit gibt es laut ihr sechs „aktive“ Tageseltern in Schwaikheim, aber die Nachfrage von Eltern sei deutlich höher. Die „Windelflitzer“-Tagespflege ist nicht ausgebucht, vier Plätze sind noch frei. Eines der angemeldeten Kinder kommt aus Leutenbach. Bedingung ist also nicht, dass die Familie in Schwaikheim wohnt, aber es sei schon das Bestreben, dass die Kinder vor allem aus Schwaikheim sind.

Wann starten sie? Sie warten noch auf die Genehmigung der Nutzungsänderung für die Wohnung und noch andere erforderliche Dokumente mit weiteren Genehmigungen. Wer hätte wohl erwartet, dass es in Deutschland auch ohne geht. Aber auch das gibt es dort: ein Vermieterpaar, das im gleichen Haus in schönster Ortsrandlage wohnt und das hilft, unterstützt, wo es nur geht, zum Beispiel auch den Garten zur Verfügung stellt. „Allerspätestens am 1. November“ soll es so weit sein.

Eltern, die Interesse an einer Betreuung durch Tageseltern haben, müssen sich zuvor beim Verein beraten lassen. „Wir vermitteln die Tageseltern“, erklärt Sabine Schick-Seitz, „manche Eltern sind vorsichtig, ja ängstlich, wir sorgen dafür, dass es zwischen ihnen und den Tageseltern genau passt. Ziel ist, dass es keine Abbrüche gibt.“

Die Tipis stehen bereit, es fehlen nur noch die Indianer vom Stamme der „Windelflitzer“. So nennen Jessica Weindl und Sonia Secreto ihre Kindertagespflege, die sie in Bälde eröffnen werden. Die „Tipis“ sind natürlich keine Zelte, zumindest vorerst nicht, sondern die Betten im Schlafraum und die ungewöhnliche Form sollen genutzt werden, um vor allem die Bettwäsche der Kleinen zu lüften.

Die knapp 100 Quadratmeter große Wohnung am Ende der Ziegelstraße ist weitestgehend eingerichtet,

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