Schwaikheim

Kita wegen Corona-Verdachts dicht, Eltern müssen arbeiten: Wer passt dann auf das Kind auf?

Quarantäne
Michelle, Toni und Achim Geiselhart, der Sophia auf dem Arm hat (von links). © ALEXANDRA PALMIZI

Wer passt auf das Kind auf, wenn die Kitagruppe wegen Corona-Verdachts geschlossen ist und beide Eltern berufstätig sind und nicht ins Home-Office ausweichen können? Vor dieser Frage standen Achim und Loreen Geiselhart in dieser Woche zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit.

Ihre Tochter Sophia ist vier Jahre alt und besucht die Kita in der Schwaikheimer Badstraße. Am Montag haben die Geiselharts eine E-Mail der Kita-Leitung bekommen: Wegen eines Verdachtsfalls, eines Kontaktes zu einer positiv getesteten Person, müsse die Kitagruppe der Tochter geschlossen werden, bis die betreffende Person auf das Coronavirus getestet wurde. Für Achim und Loreen Geiselhart eine Hiobsbotschaft, schließlich sind beide berufstätig. „Meine Frau arbeitet in der Pflege, ich bin Betriebstechniker im Stuttgarter Rathaus. Home-Office ist für uns nicht möglich“, sagt Achim Geiselhart, der sich gemeinsam mit seiner Frau den Kopf darüber zerbrach, wer während der Schließung der Kitagruppe auf Sophia aufpasst. „Oma und Opa sind diese Woche nicht da. Natürlich kennen wir auch noch andere Leute, die das vielleicht übernehmen würden. Aber wenn die hören, dass es in der Kita einen Verdachtsfall gibt, dann macht das auch nicht mehr jeder so gerne. Außerdem soll man ja auch Kontakte reduzieren“, sagt Achim Geiselhart.

Achim Geiselhart fühlt sich von der Gemeinde im Stich gelassen

Der 37-Jährige geht üblicherweise morgens schon vor 6 Uhr aus dem Haus. Seine Frau, die zu 50 Prozent im Haus Elim arbeitet, bringt Sophia meist gegen 7 Uhr in die Kita, ehe auch sie arbeiten geht. Tochter Michelle geht auf die weiterführende Schule, Sohn Toni in die Grundschule. „Sophia holen wir meistens gegen 14 Uhr ab. Wir könnten sie aber bis 17 Uhr dort lassen. Je nachdem, wie wir mit den Hausaufgaben hinkommen, bleibt Sophia auch mal etwas länger als 14 Uhr in der Kita“, erklärt Achim Geiselhart.

Wenn die Kitagruppe geschlossen hat, sieht der Alltag allerdings anders aus. „Bei der ersten Schließung wegen eines Corona-Verdachts am 30. Oktober konnte meine Frau ihre Schicht tauschen und kurzfristig einspringen“, sagt Achim Geiselhart. Das sei dieses Mal nicht möglich gewesen. Der 37-Jährige musste unbezahlten Urlaub nehmen. „Mein Arbeitgeber bietet es zwar an, dass man in solchen Fällen Kinder mit auf die Arbeit bringen darf, aber das ist in meinem Job zu gefährlich. Ich kann Sophia nicht in unserer Werkstatt lassen“, sagt Geiselhart, der sich von der Gemeinde Schwaikheim im Stich gelassen fühlt. „Die Gemeinde ist stur, verständnislos, nicht einfühlsam und kommt uns kein bisschen entgegen“, sagt er. Statt auf sich alleine gestellt zu sein, hätte sich die Familie mehr Unterstützung in dieser schwierigen Situation gewünscht. „Warum wird die ganze Kitagruppe heimgeschickt? Man könnte doch auch die betreffende Person mit dem Corona-Verdacht vorsorglich heimschicken und die Kinder getrennt von der restlichen Kita in einer Art Notgruppe isolieren“, schlägt Achim Geiselhart vor.

„Es geht hier um die Gesundheit unserer Kinder“

Nachfrage bei der Gemeinde Schwaikheim. „Kommt es zu einem Corona-Verdachtsfall in einer Kindertagesstätte, halten wir uns strikt an die Empfehlungen des Gesundheitsamtes. Auch wenn das leider bedeutet, die ganze Gruppe vorsorglich in Quarantäne zu schicken“, schreibt Pressesprecher Dominik Thewes in einer E-Mail an unsere Redaktion. Die Probleme, die sich daraus für Eltern ergeben können, seien nachvollziehbar. Oberstes Ziel sei es für die Gemeinde jedoch, mögliche Infektionsketten zu durchbrechen. „Eine Notgruppe einzurichten oder nur das Kind, bei dem der Verdacht besteht, nach Hause zu schicken, würde diesen Gedanken konterkarieren. Es geht hier um die Gesundheit unserer Kinder, deren Familien und unserer Mitarbeiter, da können wir nicht vorsichtig und umsichtig genug handeln. Auch wenn das für den einen oder anderen Nachteile mit sich bringt“, schreibt er weiter.

Eine Entschädigung gibt es nur bei einem Infektionsfall

Ob es eine andere Möglichkeit gibt, die Familie zu unterstützen oder gar zu entschädigen? Thewes antwortet, dass das Infektionsschutzgesetz grundsätzlich die Möglichkeit einer Entschädigung biete, die beim Regierungspräsidium Stuttgart beantragt werden könne. „Bedauerlicherweise erreicht uns von dort die Aussage, dass Entschädigungen nur ausbezahlt werden, wenn der Grund der Schließung ein tatsächlicher Infektionsfall ist. Bei präventiven Schließungen, wie sie das Gesundheitsamt empfiehlt, kann der Anspruch auf eine Entschädigungsleistung auch abgelehnt werden“, schreibt der Pressesprecher.

„Die Erzieher und die Leitung geben sich extreme Mühe“

Um seinem Arbeitgeber einen schriftlichen Nachweis und den Grund seines Fehlens vorzulegen, hat Achim Geiselhart die Gemeinde Schwaikheim um einen schriftlichen Nachweis gebeten. „Mir wurde gesagt, dass das nur mündlich geht“, sagt Geiselhart.

Auch dazu hat Dominik Thewes Stellung genommen. „Unsere Mitarbeiter hatten der Familie telefonisch bereits mitgeteilt, dass nicht die Gemeinde, sondern das Landratsamt diese Bescheinigung ausstellt. Es ist uns als Gemeinde jedoch ein wichtiges Anliegen, dass die Eltern schnell die notwendigen Dokumente in der Hand halten. Das lässt sich unter anderem daran ablesen, dass wir noch am Tag der Schließung, am Dienstag dieser Woche, bis fast Mitternacht in Kontakt mit dem Ersten Landesbeamten Dr. Peter Zaar standen, um hier zu einer raschen und guten Lösung zu kommen“, schreibt er.

Glücklicherweise war der Corona-Test in der Kita Badstraße wie bei der ersten Gruppenschließung negativ. Die Kinder der Gruppe konnten am Donnerstag wieder regulär die Einrichtung besuchen. Auf das Kinderhaus will Achim Geiselhart ohnehin nichts kommen lassen. „Die Erzieher und die Leitung sind wirklich super. Sie geben sich extreme Mühe und versuchen, uns zu helfen.“

Wer passt auf das Kind auf, wenn die Kitagruppe wegen Corona-Verdachts geschlossen ist und beide Eltern berufstätig sind und nicht ins Home-Office ausweichen können? Vor dieser Frage standen Achim und Loreen Geiselhart in dieser Woche zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit.

Ihre Tochter Sophia ist vier Jahre alt und besucht die Kita in der Schwaikheimer Badstraße. Am Montag haben die Geiselharts eine E-Mail der Kita-Leitung bekommen: Wegen eines Verdachtsfalls, eines Kontaktes zu einer

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