Schwaikheim

Kommentar zu Stimmungslage in Schwaikheim: Braucht die Gemeinde eine öffentliche Trauerfeier für Gerhard Häuser?

Kondolenzbuch Häuser
Symbol der Trauer und der bleibenden Verbundenheit mit Gerhard Häuser: Das Kondolenzbuch im Rathaus. © Benjamin Büttner

Der Name Gerhard Häuser fiel ein Mal, genau ein Mal. Als sein Stellvertreter Alexander Bauer darum bat, sich zu einer Schweigeminute zu erheben, im Gedenken an den verstorbenen Bürgermeister. Das war’s, kein weiteres Wort und auch sonst nichts zu der Tragödie. An schwer auszuhaltender Nüchternheit, beängstigender Kargheit kaum zu überbieten.

Dann wurde die Tagesordnung abgearbeitet. Die dieses Mal sehr kurz war, nämlich nur einen Punkt aufwies, die unausweichliche, bevorstehende Neuwahl. Es war eine Sondersitzung des Gemeinderats, außer der Reihe, die Sitzung, die regulär vorher hätte stattfinden sollen, war ausgefallen, aus nachvollziehbaren Gründen. Tagesordnungen berät und beschließt traditionell der Ältestenrat. In dem sind alle drei Fraktionen vertreten. Sondersitzung heißt in diesem Fall auch keine Bekanntgaben, nichts unter „Verschiedenes“, keine Anfragen außerhalb des einzigen Tagesordnungspunkts und auch keine Fragen aus den Reihen der Zuhörer.

Wahl im September

Es galt, schlicht die Termine zur Wahl festzulegen, inklusive den für die öffentliche Kandidatenvorstellung, die Mitglieder des Gemeindewahlausschusses zu bestimmen (wie bewährt Peter Langer als Vorsitzender, als Beisitzer Holger Krusch, Peter Schif und Edgar Schwarz), den Text der Stellenausschreibung zu beschließen. Die Gemeindeordnung schreibt vor, dass die Wahl innerhalb von drei Monaten nach dem „Freiwerden“ der Stelle stattfinden muss. Aufgrund weiterer einzuhaltender Fristen und angesichts dessen, dass die Wahl nicht in den bevorstehenden Sommerferien stattfinden soll, bleibt nur ein Sonntag als Termin übrig und der wurde, wie alles andere auf Empfehlung der Verwaltung, ohne Diskussion und einstimmig beschlossen: 12. September, ein eventuell notwendig werdender zweiter Wahlgang zwei Wochen später, am 26. September.

Die Stelle wird bereits am Freitag, 9. Juli, im Staatsanzeiger ausgeschrieben, dort zum einen, um eine möglichst große Verbreitung zu gewährleisten, zum andern, weil er das Medium ist, in dem sich interessierte Kandidaten vor allem über freie Stellen informieren. In der darauffolgenden Woche erscheint die Stellenausschreibung auch im Schwaikheimer Mitteilungsblatt. Am Tag nach dem Erscheinen im Staatsanzeiger beginnt die Frist zur Einreichung von Bewerbungen, sie endet am Montag, 16. August, 18 Uhr. Falls es einen zweiten Wahlgang geben sollte, begänne die Frist erneut, weil es sich dabei formal um eine Neuwahl handelt, am Tag nach dem ersten Wahlgang und sie würde am Mittwoch, 22. September, enden. Die öffentliche Bewerbervorstellung findet am Freitag, 3. September, ab 18 Uhr in der Gemeindehalle statt. Dieser Terminplan ist mit der Kommunalaufsicht des Landratsamts abgestimmt. Leiten wird die Wahl, wie üblich, der Gemeindewahlausschuss, dazu gehören vor allem die Zulassung der Bewerber, die Prüfung ihrer Wählbarkeit, die Festlegung des Ablaufs und der Modalitäten der Kandidatenvorstellung sowie die förmliche Feststellung des Wahlergebnisses am Wahltag, die Prüfung, ob beim Auszählen der Stimmen alles korrekt war.

Stellenausschreibung verlesen

Das alles liest sich und hört sich so sachlich-korrekt an, wie es sein soll und wie es in der Sitzung auch war. Damit hätte die schon nach wenigen Minuten vorbei sein können, wenn nicht Karl-Heinz Jaworski, Sprecher der Grünen, noch angeregt hätte, den Text der Stellenausschreibung für die Zuhörer in der Halle zu verlesen, eine Bitte, die Bauer an Hauptamtsleiter Michael Tretter, weitergab und der dieser natürlich nachkam. In der Ausschreibung wird der erste Satz lauten, dass die Stelle wegen des Todes des bisherigen Stelleninhabers neu zu besetzen ist. Eine weitere Zahl, dieses Mal aber kein Datum: Man erfuhr so auch, dass Schwaikheim mittlerweile auf rund 9600 Einwohner angewachsen ist.

So, und mit der anschließenden Abstimmung zu alledem, war’s das denn endgültig. Bauer beschloss die Sitzung kurz und knapp, für die meisten der Zuhörer, zumindest die, die nicht regelmäßig zu Sitzungen kommen, so abrupt, dass alle erst mal sitzen blieben. Selbst mit Mund-Nasen-Maske war in den Gesichtern Ungläubigkeit ablesbar. Aber: Der Gemeinderat kam seiner demokratischen Pflicht nach. Er muss vor allem die Beschlüsse dazu fassen, dass es in Schwaikheim weitergeht, dass die Gemeinde eine Zukunft hat. Voraussetzung dafür ist, die Stelle des Bürgermeisters bald wieder zu besetzen. Das hat das Gremium getan, in aller Sachlichkeit, ohne Emotionen.

Ungewöhnlich viele Zuhörer

Es waren knapp 40 Zuhörer da, enorm angesichts der Tagesordnung, die ja keinerlei Spannung erwarten ließ, andererseits aber auch nicht wirklich überraschend. Darunter waren unter anderem die Ina-Vorsitzende Susanne Saltikiotis, der SPD-Altgemeinderat und -veteran Hermann Zoller, nach seinem Ausscheiden aus dem Ehrenamt Dauergast, der Ex-Gemeinderat und wohl bekannteste Schwaikheimer Fußballer Felix Weiblen und auch ein auswärtiger Gemeinderat, der Leutenbacher Erwin Schmidt. Schon vor der Sitzung hatten sich vor der Halle Gesprächsgrüppchen gebildet und danach ging es dort erst recht weiter. Zum Unmut über den Sitzungsverlauf: Eine Gemeinderatssitzung ist keine Trauerversammlung, kann sie nicht ersetzen. Wahrscheinlich tut das eben not in Schwaikheim: eine öffentliche Trauerfeier.

Dass Schwaikheim auch eine „öffentliche Aufarbeitung“ brauche, finden manche im Ort. Auch nach der Sitzung vor der Halle forderten dies einige, wissen da aber selbst nicht, wie die überhaupt erfolgen könnte, sollte, sind sich dabei offenbar nicht im Klaren darüber, wohin ein solches „Tribunal“ führen könnte. Gleiches, noch mehr, gilt fürs Mahnen, „das“ müsse doch „Konsequenzen“ nach sich ziehen. Dem Verlangen, dass zumindest heute, in der ersten Sitzung danach, mehr hätte gesprochen werden müssen, trat eine ältere Schwaikheimerin im Nachgang, ja, man muss sagen angesichts der allgemeinen Stimmung, mutig entgegen: Also sie vermisse da nichts, in den Nachrufen in der Zeitung und im Mitteilungsblatt sei doch alles dringestanden, was es denn darüber hinaus noch zu sagen gäbe.

Zeit, nach vorne zu schauen

Ja, in der Tat: Braucht Schwaikheim wirklich eine solche Debatte, die sehr schnell in Vorwürfen, Schuldzuweisungen münden, womöglich einer Selbstzerfleischung enden würde? Oder ist nicht, nach der Zeit der Trauer, ein Innehalten, eine „Befriedung“, eine Rückbesinnung auf das alle Einigende, nämlich das Wohl Schwaikheims, geboten? Zusammen nachzudenken, gemeinsam daran zu arbeiten, wie es für den Ort nach dieser schlimmen Zeit gut weitergehen kann. Nach vorne zu schauen also.

Die bange Frage wurde und wird gestellt: Wer wird sich überhaupt für das Amt des Bürgermeisters bewerben? Viele sagen gar: Wer wird sich das denn antun? Ein Name wird genannt, bei dem alle, die das befürchten, gleich hinzufügen: der aber auf gar keinen Fall. Schwaikheim ist zur Zeit wie ein Hochdruckdampfkochtopf. Wahrscheinlich braucht es jemanden von außen, der den Überdruck ablässt.

Der Name Gerhard Häuser fiel ein Mal, genau ein Mal. Als sein Stellvertreter Alexander Bauer darum bat, sich zu einer Schweigeminute zu erheben, im Gedenken an den verstorbenen Bürgermeister. Das war’s, kein weiteres Wort und auch sonst nichts zu der Tragödie. An schwer auszuhaltender Nüchternheit, beängstigender Kargheit kaum zu überbieten.

Dann wurde die Tagesordnung abgearbeitet. Die dieses Mal sehr kurz war, nämlich nur einen Punkt aufwies, die unausweichliche, bevorstehende

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