Schwaikheim

Kurz nach 9 gleich zwei Kunden im Modegeschäft: Die meisten Läden haben wieder geöffnet

Shoppen nach neuen regeln
In der Winnender Fußgängerzone sind wieder deutlich mehr Passanten unterwegs. © Benjamin Büttner

„Natürlich“, antwortet Joachim Grunwald am Samstag auf die Frage, ob denn sein Schwaikheimer Modegeschäft am Montag aufmacht. Auch die „Kik“-Filiale und der „Skurril-“Laden mit Klamotten und Schuhen für junge Leute in Winnenden sind wieder geöffnet. Unübersehbar ist auch, dass die benachbarten „Brothers“- und „Gieck-“-Läden wieder verkaufen, sie werben mit fetten Rabatten im Schaufenster. Auch „Schenken & Genießen“ geht mächtig runter mit den Preisen für die Herbst- und Winter-Kollektion. Merklich zurückhaltender haben „Domenica Moden“ und „Taxxi“ wiedereröffnet.

Selbstverständlich hat auch Grunwald die Diskussionen und die Berichterstattung um die Öffnung aller Läden infolge der gesunkenen Coronainfektionszahlen aufmerksam verfolgt. Natürlich hofft er, dass der Trend sich nicht wieder umkehrt und dann die Öffnung wahrscheinlich nur eine vorübergehende wäre. Der Anruf am Samstagvormittag erreicht ihn im Laden, klar, die Wiederöffnung muss vorbereitet werden. Freilich darf man am ersten Tag zum Interview bei ihm vorbeischauen. Mit einem solchen Kundenansturm, dass dafür nicht zwischendrin Zeit wäre, rechnet auch er nicht.

Aber dann sind es am Montagmorgen doch gleich zwei Kunden auf einmal, die das Geschäft an der Bahnhofstraße aufsuchen. Eine ältere Dame möchte ein „Pulloverle“, ein Mann mittleren Alters ein Hemd. Grunwald kennt beide mit Namen, und er weiß auch ihre Konfektionsgrößen. Das mit dem Hemd ist schnell erledigt, Männer halt, beim Pulloverle muss Anprobieren einfach sein.

Die Dame besteht auf ihr Einkaufserlebnis

Der Kunde erzählt, dass er unsicher gewesen sei, ob er nicht doch vorher anrufen und einen Termin für den Besuch im Laden ausmachen muss. Bei der Kundin sind es schließlich zwei „Pulloverle“, die über den Ladentisch gehen. Beim Bezahlen entwickelt sich eine Plauderei, Fragen zur Gesundheit bei einem selbst und in der Familie, gegenseitig, solche Sachen halt.

Grunwald hat die Dame während des Lockdowns zweimal beobachtet, wie sie nach innen kiebitzte, und angeboten, Kleidungsstücke zu ihr nach Hause zu bringen und bei Nichtgefallen auch wieder zurückzunehmen beziehungsweise umzutauschen. Das wollte sie aber nicht, sondern abwarten, bis der Laden wieder offen hat, sie bestand also auf ihr „Einkaufserlebnis“.

Der Laden hat einen sehr hohen Anteil Stammkunden

Klar sei er „gottfroh, dass wir wieder aufmachen können“, aber in seiner Zuversicht doch verhalten, so Grunwald, „wer weiß, wie lange das hält“. Seinem Familienbetrieb, in dem auch die Gattin und die Schwester mitarbeiten, kommt der hohe Anteil von Stammkunden zugute, mindestens 80 Prozent, schätzt er. Er ist nicht so sehr auf Laufkundschaft angewiesen. Oft werde der Einkauf mit einem Arztbesuch in der Nähe verbunden. Beim Beginn des Lockdowns hat er auf Wunsch bis an die Haustür geliefert und was nicht gefiel, dort auch wieder abgeholt. Bei „Click & Collect“ hat er gleichfalls mitgemacht. Grunwald hat keine Website im Internet, er hat stattdessen Kleinstanzeigen geschaltet, mit Angaben, wie und wann sie zu telefonisch oder per Mail erreichbar sind. „Wir haben dann eben unverzüglich zurückgerufen oder -geschrieben.“ Bei T-Shirts und Hemden für Männer funktioniere das einfach, bei Moden für Frauen sei es etwas komplizierter, die legten mehr Wert darauf, Auswahl zu haben. Aber ob nun bis ans Haus bringen oder am Ladeneingang abholen, mit dem Umsatz zu normalen Zeiten seien die Einnahmen dadurch nicht zu vergleichen.

Frühjahrskollektion schon da, die Wintersachen noch nicht weg

Ein Problem ist, dass die neue Frühjahrs- und Sommerkollektion demnächst kommt, teilweise schon da ist, aber die Herbst- und Winterware zum allergrößten Teil noch gar nicht verkauft ist und in der ablaufenden Saison auch nicht mehr verkauft wird. Grunwald wird die Ware einlagern und hoffen, sie in der nächsten Saison noch loszubekommen, mit entsprechendem Rabatt, versteht sich. Bei Männern sei das nicht so tragisch, wenn es nicht aktuell sei, die Frauen dagegen wüssten ganz genau, wenn etwas noch aus der vorherigen Saison ist. Ihm sitzen die Lieferanten im Nacken, die immer wieder ihn anschreiben oder anrufen, wann sie denn die neue Ware bringen können.

Bei den Älteren punktet die persönliche Beratung nach wie vor

Klar steht auch Grunwald zudem „unter Beschuss“ des Onlinehandels, „bei der Männermode sowieso. Aber das gilt für jeden Händler, das kann keiner verleugnen.“ Doch vor allem bei den Älteren, da kann er mit seiner persönlichen Beratung nach wie vor punkten und so den Betrieb am Laufen halten.

Wie sieht er aber den Einkaufsort Schwaikheim überhaupt, wie die Lage Bahnhofstraße? Natürlich spricht er selbst nicht von einem stetigen Abwärts, das wäre von einem Kaufmann denn doch zu viel verlangt. Grunwald sagt es so: „Je mehr Geschäfte da sind, umso besser ist es.“. Von daher bleibe abzuwarten, wie sich die neue Ortsmitte mit dem Lebensmittelmarkt auswirken werde. Ja, er habe schon die Hoffnung auf Kundschaft auch von dort. Ganz wichtig dabei sei, dass genügend Parkplätze vorhanden sind. Das gelte auch für die anstehende Überbauung des zweiten Abschnitts. Auch dort sei auf jeden Fall Einzelhandel wichtig, so Grunwald.

1952 haben seine Eltern mit dem Geschäft angefangen, damals noch an anderer Stelle im Ort. Er ist mittlerweile 70. Haben Sie denn nicht längst den Ruhestand geplant? „Jein. Wir sind ja ein Familienbetrieb. Wir haben zwar schon mal daran gedacht. Aber eigentlich: nein.“ Sie werden sicher auch die Baustelle vor dem Laden „überleben“, deren Fortschreiten er interessiert verfolgt. Auf die Baufirma lässt er nichts kommen, die tue wirklich, was sie könne, um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten, und arbeite so zügig, wie es nur gehe.

Reuters Reisebüro wirbt auch mit Nachteilen des Buchens im Internet

Am Vormittag des ersten Öffnungstags nach dem Lockdown sind bei strahlendem Sonnenschein, aber kühlen Temperaturen deutlich mehr Menschen unterwegs in der Winnender Marktstraße als in den Wochen, Monaten zuvor. Reuters Reisebüro wirbt offensiv mit Aushang für sich als „verlässlicher Ansprechpartner vor Ort“, im Gegensatz zum Buchen im Internet, das gerade in der Corona-Zeit von „Pleiten, Pannen und Problematik“ geprägt (gewesen) sei. Ein paar Meter weiter hat das „DER“-Reisebüro dagegen (noch) zu, während „DERPART Reisebüro Pflüger“ in der unteren Marktstraße ebenfalls offen hat, das allerdings deutlich verhaltener kundtut. Das Schuhgeschäft Grotz, das Uhren- und Juweliergeschäft Kunze, die Parfümerie Schuback, ehemals Wöhrle, das Wollstüble, das Fotogeschäft Heincke, die Osiander-Filiale (vormals Weltbild), der Buchladen Kreh, das Wäschehaus Fischer beim Tor sowie Haushalts- und Eisenwaren Häussermann machen ebenfalls keinen „Rummel“ um die Wiederöffnung. Natürlich sind auch die Boutiquen und die Handyläden in der unteren Marktstraße wieder geöffnet. Teilweise hängen noch die „Click & Collect“-Aushänge der Geschäfte in den Schaufenstern.

„Natürlich“, antwortet Joachim Grunwald am Samstag auf die Frage, ob denn sein Schwaikheimer Modegeschäft am Montag aufmacht. Auch die „Kik“-Filiale und der „Skurril-“Laden mit Klamotten und Schuhen für junge Leute in Winnenden sind wieder geöffnet. Unübersehbar ist auch, dass die benachbarten „Brothers“- und „Gieck-“-Läden wieder verkaufen, sie werben mit fetten Rabatten im Schaufenster. Auch „Schenken & Genießen“ geht mächtig runter mit den Preisen für die Herbst- und

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper