Schwaikheim

Lärmgeplagte Schwaikheimer und das lange Warten auf Tempo 30

Tempo 30 30er-Zone schild Symbol Symbolbild Symbolfoto
Symbolfoto. © Gabriel Habermann

Wann kommt eigentlich endlich das Tempo-30-Limit an den Durchgangsstraßen? Das fragen sich viele Bürger, vor allem die lärm- und verkehrsgeplagten an diesen Achsen, und die fragen mittlerweile auch „ihre“ Gemeinderäte.

Diese Art Verkehrsberuhigung ist in Schwaikheim eigentlich längst beschlossene Sache – und auch bei der zuständigen Behörde, dem Regierungspräsidium Stuttgart, beantragt. Die entsprechenden Schilder kommen und kommen aber nicht, sind nicht aufgestellt, was ja jedem sichtbar zeigen würde, dass hier maximal mit 30 Kilometer pro Stunde gefahren werden darf. Ob es dann auch jeder tut, steht freilich auf einem anderen Blatt, wobei diejenigen, die sich nicht dran halten, wenn sie bei einer Verkehrskontrolle erwischt werden, eben entsprechend „bluten“ müssen.

Nachfrage bei der Gemeindeverwaltung, was ist da los, warum geht es nicht voran, ist das eine „schier endlose Geschichte“, kennt sie den Grund dafür, dass nichts geschieht? Also, die Antwort laut RP sei: Es haben sehr viele Kommunen im Land solche Anträge gestellt, nachdem die sogenannten Lärmaktionspläne eine Handhabe dafür bieten, das Tempolimit auch auf qualifizierten Straßen, wo das bislang nicht möglich war, einzuführen.

Diese Anträge, auch der aus Schwaikheim, müssen erst geprüft werden, ehe ihnen stattgegeben wird. Das RP sei geradezu „überschwemmt“ mit Anträgen, und deshalb dauere das eben. Man wisse aber, so die Verwaltung in der jüngsten Sitzung weiter, dass der Schwaikheimer Antrag immerhin mittlerweile schon mal „angeguckt“ worden sei. Eine frohe Botschaft oder ein Fall von „Ist das Glas halb voll oder halb leer?“

Auch für die innerörtlichen Abschnitte der Landesstraße

Tempo-30-Zonen sind die Straßen in den Wohngebieten, Tempo 30 als Geschwindigkeitslimit gilt darüber hinaus bislang auf der Schulstraße, der Bahnhofstraße, der Ludwigsburger Straße und der Weiler Straße in Fahrtrichtung ortseinwärts. Nun sollen die Hauptstraße, die Weiler Straße auch in Fahrtrichtung ortsauswärts und die Bismarckstraße bis zur Einmündung der Straße Tribergle hinzukommen. Darauf hat die Gemeinde einen aus dem von ihr aufgestellten Lärmaktionsplan einen Rechtsanspruch.

Sie will zudem das Tempolimit auf der Bismarckstraße bis zum Ortseingangsschild hinausgezogen haben, auf der Fritz-Müller-Allee und auf der Winnender Straße. Die Haupt- und die Winnender Straße sind Abschnitte der Landesstraße 1140, die Weiler Straße und die Bismarckstraße der K 1850. Auf dem weiteren Abschnitt der Bismarckstraße, der Fritz-Müller-Allee und der Winnender Straße reichen die von einem Ludwigsburger Fachbüro im Auftrag der Gemeinde nicht gemessenen, sondern berechneten Lärmpegel nicht aus, um Tempo 30 als Maßnahme im Rahmen des Lärmaktionsplans zu begründen. Das Tempolimit auch dort ist allerdings Wille der Gemeinde, beschlossen vom Gemeinderat schon im November 2020.

Zwei bis drei Dezibel weniger wären erheblich weniger Verkehrslärm

Laut Fachbüro soll die Verringerung von Tempo 50 auf Tempo 30 zumindest rechnerisch eine Reduzierung des Lärmpegels im Bereich zwischen zwei bis drei Dezibel ergeben, was in der menschlichen Wahrnehmung einer Halbierung der Verkehrsmenge entspreche. Nachts werde sie sogar noch deutlicher wahrgenommen, entspreche einer Verringerung sogar um fünf bis sechs Dezibel. Das Fachbüro hatte auch darauf verwiesen, dass durch ein Herabsetzen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit eine Verstetigung des Verkehrsflusses erreicht werde, auch das könne den Verkehrslärm mindern. Es seien durch Tempo 30 keine wesentlichen Verkehrsverlagerungen auf Nebenstrecken zu erwarten, die Fußgängerüberquerungen würden sicherer, weil sich die Bremswege der Autos entsprechend verkürzten, die Luftschadstoffbelastung werde geringer, es gebe durch den stetigeren Verkehr weniger Brems- und Beschleunigungsphasen.

Tempo 30 anordnen und entsprechende Schilder aufstellen ist das eine, sich tatsächlich dran halten, und nur dann würden ja die erhofften positiven Effekte wirklich eintreten, das andere. Es gibt ja den Spruch: Wenn Tempo 30 gilt, fahren die meisten wenigstens nicht schneller als 50. Klar – und auch nachvollziehbar – ist laut den Fachleuten, dass je schmaler, kurviger und unübersichtlicher eine Straße verläuft, umso größer die Wahrscheinlichkeit ist, dass auf ihr langsam(er) gefahren wird.

Beispiel: Die schmale Ludwigsburger Straße mit ihren parkenden Autos und der Rechts-vor-links-Vorfahrtsregelung wäre auch ohne Tempo 30 zumindest für die, die keine notorischen Raser sind, keine „Rennpiste“. Auch auf der Hauptstraße, der Verkehrsachse in Schwaikheim schlechthin, sorgen parkende Autos an der Seite dafür, dass Leute, die es (zu) eilig haben, regelmäßig eingebremst werden, ebenso auf der Weiler Straße. Das gilt auch für die Winnender Straße, zumindest in Fahrtrichtung ortsauswärts. Selbst auf der breiten Bismarckstraße gibt es, auch außerhalb des Bereichs der „Neuen Ortsmitte“, einige „Bremspunkte“. Diese Beobachtungen sind allerdings kein Argument gegen Tempo 30 wohlgemerkt.

Kritisch ist, in der Hinsicht und wenn man so will, die Fritz-Müller-Allee, unabhängig davon, ob dort nun in ausreichender Zahl Lärmgrenzwerte überschritten werden oder nicht. Deren Breite verführt, selbst im Bereich der in Richtung ortsauswärts geparkten Autos, nicht zum Langsamfahren.

Wann kommt eigentlich endlich das Tempo-30-Limit an den Durchgangsstraßen? Das fragen sich viele Bürger, vor allem die lärm- und verkehrsgeplagten an diesen Achsen, und die fragen mittlerweile auch „ihre“ Gemeinderäte.

Diese Art Verkehrsberuhigung ist in Schwaikheim eigentlich längst beschlossene Sache – und auch bei der zuständigen Behörde, dem Regierungspräsidium Stuttgart, beantragt. Die entsprechenden Schilder kommen und kommen aber nicht, sind nicht aufgestellt,

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