Schwaikheim

Lärmschutz: Tempo 30 für weitere Straßen in Schwaikheim?

Tempo30Laermschutz
Kurz hinter dem Ortseingangsschild soll die Tempo-30-Regelung in Richtung der Bismarckstraße gelten. Ortsauswärts endet sie dort. Doch das reicht den Gemeinderäten noch nicht. © Gaby Schneider

Bekommt Schwaikheim auf seinen Durchgangsstraßen Tempo 30, um die von Verkehrslärm geplagten Anwohner zu schützen? Wenn es nach den Gemeinderäten geht, dann ist das so. Bereits bei einer Anwohnerversammlung im Oktober stellten die Verwaltung und das für die Konzeption verantwortliche Ingenieurbüro BS Ingenieure aus Ludwigsburg einen Lärmaktionsplan vor. Dieser soll nun erweitert werden. „Aus der Bürgerversammlung haben wir den Wunsch mitgenommen, dass Tempo 30 über die Bismarckstraße und den Kreisverkehr Sonnenmeiler hinaus gelten soll. Also bis zum Ortsausgang, beziehungsweise ab dem Ortseingang“, schilderte Frank Schäfer von BS Ingenieure. Man habe dafür zwar keine Rechtsgrundlage, sprich überhöhte Lärmwerte beziehungsweise eine ausreichende Zahl betroffener Anwohner. Dennoch sei er positiv gestimmt, dass man dieses Vorhaben beim Landratsamt, das für die Straße zuständig ist, durchbekomme. „Ich habe da schon die verrücktesten Sachen erlebt. Es kommt immer auch darauf an, wer den Lärmaktionsplan letztendlich prüft“, erzählte Schäfer.

SPD und Grünen fehlen Antworten

Über alle Fraktionen hinweg regten Räte in der jüngsten Gemeinderatssitzung an, auch die Fritz-Müller-Allee in den Lärmaktionsplan mit aufzunehmen. So sagte beispielsweise SPD-Fraktionsführer Alexander Bauer: „Das sieht ja ganz komisch aus, wenn man auf der Bismarckstraße 30 fahren muss, aber in der Fritz-Müller-Allee darf man wieder auf 50 beschleunigen.“ Auch würden ihm Antworten fehlen, wie es mit anderen Straßen weitergehen solle, beispielsweise der Kelter- oder Lessingstraße. „Antworten zum Lkw-Verkehr fehlen mir auch“, kritisierte er. Verhalten reagierte auch Grünen-Rätin Dorothee Boegler. „Das einzige Ergebnis ist die Tempo-30-Regelung. Sicher eine gute Maßnahme. Aber es gibt noch eine ganze Bandbreite weiterer Möglichkeiten. So zum Beispiel der Einsatz lärmmindernder Fahrbahnbeläge, eine gezielte Lenkung des Lkw-Verkehrs oder die Begrünung der Fahrbahnränder.“ Karl-Heinz Jaworski, Fraktionsführer der Grünen im Gemeinderat, regte zudem eine eigene Buslinie innerhalb der Gemeinde an, um den Binnenverkehr, also den Verkehr für Erledigungen innerhalb des Orts, zu reduzieren. Auch Einbahnstraßenregelungen könne man sich vorstellen, um auf den Verkehr einzuwirken.

Rechtsgrundlage für Tempo 30 in der Fritz-Müller-Allee?

Frank Schäfer von BS Ingenieure entgegnete, dass er die Fritz-Müller-Allee im Auge behalten wolle. „Ich weiß jedoch nicht, ob es hier für Tempo 30 eine Rechtsgrundlage gibt. Das muss ich noch einmal überprüfen.“ Ein Lenkungskonzept für Lkw sei außerdem wirkungslos. „Das kriegen wir nicht durch. Damit würde man übrigens auch den Lieferverkehr innerhalb des Ortes ausschließen. Und wenn man ‘Lieferverkehr frei’ dazuschreibt, dann fahren wieder alle durch“, gab Schäfer zu bedenken.

Verknappung von Parkplätzen oder Verkürzung der Parkdauer

Wolle man den Binnenverkehr einschränken, müsse man die Bevölkerung dazu bewegen, auf andere Verkehrsmittel zu setzen. „Das ist die große Schwierigkeit. Eine Möglichkeit ist hierbei immer die Verknappung von Parkplätzen oder die Verkürzung der Parkdauer“, schlug Schäfer vor. Schallschluckender Asphalt sehe er bei einer erlaubten Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde ebenfalls als nicht sonderlich erfolgversprechend an. „Das Motorengeräusch ist bei diesen Geschwindigkeiten entscheidend, und das strahlt nach oben ab. Auf dem Weg zu unserem Büro haben wir solch einen Belag. Er hat zwei Jahre lang gute Arbeit geleistet, mittlerweile ist es fast wieder wie davor“, erzählte Schneider und fügte hinzu: „Wenn man gar nichts anderes mehr weiß, dann richtet man Einbahnstraßen ein.“ Das habe er in Erligheim einmal gemacht. „Mir hat ein Anwohner dann auf den Cent genau vorgerechnet, was ihn der tägliche Umweg pro Jahr mehr kostet, da er am Ende der Einbahnstraße gewohnt hat.“ Richte man so etwas auch in Schwaikheim ein, dann habe man die Anwohner in den betroffenen Straßen auf der Matte stehen. „Ihre Argumente sind kaum zu widerlegen, weil sie recht haben“, so Schneider.

Erwartungen in der Bevölkerung könnten enttäuscht werden

Nach der Diskussion resümierte Bürgermeister Gerhard Häuser, dass man die Fritz-Müller-Allee ebenfalls in den Plan mit aufnehmen wolle, auch wenn man möglicherweise keine Rechtsgrundlage dafür habe. „Dann nehmen wir aber auch gleich die Winnender Straße mit“, schlug  er vor. Sehr wohl sehe er dadurch allerdings die Gefahr, dass innerhalb der Bevölkerung nun Erwartungen entstehen, die durch einen negativen Entscheid des Landratsamtes enttäuscht würden.

Bekommt Schwaikheim auf seinen Durchgangsstraßen Tempo 30, um die von Verkehrslärm geplagten Anwohner zu schützen? Wenn es nach den Gemeinderäten geht, dann ist das so. Bereits bei einer Anwohnerversammlung im Oktober stellten die Verwaltung und das für die Konzeption verantwortliche Ingenieurbüro BS Ingenieure aus Ludwigsburg einen Lärmaktionsplan vor. Dieser soll nun erweitert werden. „Aus der Bürgerversammlung haben wir den Wunsch mitgenommen, dass Tempo 30 über die

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