Schwaikheim

Lennart Spuck, Azubi im Weingut Escher: Bei Winzer-Prüfung landesweit der Beste

Wengertergeselle
Lennart Spuck (r.) und sein Ausbilder Christian Escher beim sensorischen Fachsimpeln. © Gabriel Habermann

Erst der zweite Auszubildende überhaupt im Betrieb und der schließt die Prüfung gleich als Landesbester ab. Klarer Fall, dass Eschers stolz sind auf Lennart, kurz und von ihnen auch so genannt, Lenni, Spuck. Wobei, an Auszeichnungen gewöhnen sie sich in dem Schwaikheimer Weingut allmählich, für ihre edlen Tropfen zum einen. Zum andern war Spucks Ausbilder Christian Escher vor sechs Jahren „Vize-Jungwinzer des Jahres“.

Er hat selbst bei Aldinger in Fellbach und beim Staatsweingut in Weinsberg gelernt. Unter seinen Eltern Lisa und Ottmar war das Weingut noch kein Ausbildungsbetrieb, das änderte sich, als Christian 2015 einstieg, nachdem er in Weinsberg eine Ausbildung zum Weinbautechniker und Praktika in Kanada und Südafrika absolviert hatte. Wobei das, also Auslandaufenthalte, um Erfahrungen zu sammeln, im Weinbau üblich sei. Winzer, so die offizielle Berufsbezeichnung, sei ein „grüner“ Beruf, bei dem ein „grüner“ Daumen nicht schade, der aber nicht nur praktisch einiges abverlange, schließlich sei der Weg der Rebe, das Leben des Rebstocks, von der Pflanze, von Setzen, Pflege, Lese, Weiterverarbeitung, Ausbau bis zum Abfüllen und Verkaufen mitzugehen, einschließlich Geologie und Wetterkunde, Vermarktung, Kellerwirtschaft (Önologie).

Fachrechnen: Wie viele Rebstöcke passen auf eine Parzelle im Weinberg?

Beim Fachrechnen geht’s zum Beispiel darum, zu berechnen, wie viele Rebstöcke auf eine bestimmte Rebstückfläche passen, eine Junganlage also „auszuzeilen“, was auch Teil der praktischen Prüfung ist. Ebenso wie eine Weinberglage zu erörtern, Rebsortenkunde, bei einer Besichtigung die Rebsorten zu erkennen an Trauben und Blättern. Sensorik wird verlangt, ein „grüner Gaumen“, ein geschulter Geschmacksinn, die Fähigkeit, Aromen zu riechen. Dafür tauschen Eschers Weine mit Winzern in Baden und in Südtirol. Aber auch Blindverkostungen im eigenen Hause, beim von Lisa Escher gekochten Mittagessen gehörten dazu, das Erraten von Rebsorten und Jahrgängen dabei.

Im Endeffekt seien’s fünf Berufe, was es spannend, abwechslungsreich mache, so Christian Escher. Der Beruf sei sehr vielseitig, an sich, was hinzukomme, sei, dass es eben jedes Jahr, weil von Wetter und Witterung abhängig, anders sei, die Jahrgänge je nach den Bedingungen sich also unterscheiden.

All das wird am Ende der Ausbildung geprüft, praktisch und theoretisch, die Berufsschule ist in Heilbronn. Mittlere Reife als Voraussetzung für die Ausbildung hält Escher für angebracht, weil auch Fachrechnen verlangt ist. Ein „Gespür“ für die Reben sei sicher auch nicht von Nachteil. Die Herkunft aus einer Wengerterfamilie, wie bei Eschers, wobei die wiederum ihre Wurzeln in der Landwirtschaft hat, ist aber keineswegs Bedingung, siehe Lennart Spuck.

Er war zunächst nur Praktikant, vier Wochen waren vorgesehen, fand aber so viel Gefallen an dem, was er dort erlebte, erfuhr, dass man sich mittendrin zu einer Ausbildung entschloss, beidseits. Dass er bald quasi zur Familie gehörte, lag nicht nur daran, dass er seine Ausbildung zu dem Zeitpunkt begann, als Eschers Tochter geboren wurde.

Noch ein Zufall: Spuck selbst ist dort geboren, wo die Berufsschule für die badischen Wengerter-Auszubildenden ist, in Freiburg. Die Familie zog aber bald in die Nähe von Bochum, „tiefster Pott“, sagt er, alles andere als eine Weingegend. Das Abitur machte er in Kassel.

Schon immer Interesse an Botanik: „Sonst wäre ich vielleicht Gärtner geworden“

Die Eltern sind beide Kirchenmusiker. Eigentlich wollte er auch Musiker werden. Musik studieren, Musik zum Hauptberuf zu machen, ist bekanntlich äußerst anspruchsvoll, die Konkurrenz riesig. Er wich aus ins Lehramtsstudium, braucht also weitere Fächer, wählte Biologie und Philosophie, studierte in Freiburg und Leipzig. Zum Praktikum bei Eschers kam es, weil er ohnehin eine Passion für Wein hatte und hat, „familiär“ da „belastet“ sei, und weil er in der Zeit in Schwaikheim wohnte. Und weil der Wengerterberuf viel mit Biologie zu tun hat. „Ich wäre sonst vielleicht Gärtner geworden.“

Das Praktikum machte ihm so viel Spaß, dass bald der Wunsch aufkam, „Nägel mit Köpfen zu machen“, er fragte Lisa Escher, ob er dort eine Ausbildung machen könne. Die Anfrage kam auf den nächsten Mittagstisch. Er bekam das Okay vom jungen Chef, „weil er sich gleich gut angestellt hat und es auch zwischenmenschlich sehr gut gepasst hat“. Er durfte gleich mitanpacken, sozusagen am Ende des Jahrgangs, nämlich beim Abfüllen im Weinkeller. Ihm gefiel, dass er selbstständig arbeiten konnte, selbst viel machen durfte. „So lernt man am besten, auch wenn mal was schiefgeht.“

Als Quereinsteiger mehr gebüffelt als Wengertersöhne oder -töchter

In Heilbronn waren es zwischen 30 und 35 Absolventen in seinem Jahrgang. Er hat die Prüfung mit dem besten Notendurchschnitt absolviert, landesweit, mit 1,1. Er erklärt es sich damit, dass er als Quereinsteiger wohl mehr gebüffelt habe als andere. Es könne sein, dass er als „Fremder“, beziehungsweise Neuling in der Branche aus Angst durchzufallen „zu viel“ gelernt habe: „Ich habe ja von null angefangen.“ Wengertersöhne und -töchter im Jahrgang hätten das lockerer genommen. Aber natürlich hätten auch die die Prüfung bestanden.

Mittlerweile sammelt er als Geselle, in Beilstein, im Weingut Sankt Annagarten, mindestens ein Jahr Berufserfahrung, um die Ausbildung zum Weinbautechniker in Weinsberg machen zu können, wie sein eigener Ausbilder Christian Escher einst. Weinbau auch noch zu studieren, etwa an der renommierten Hochschule in Geisenheim im hessischen Rheingau, bei der Frage verweist er auf sein Alter, darauf, dass er ja schon 27 ist. Das muss also aus seiner Sicht nicht unbedingt sein.

Was gefällt ihm denn an dem Beruf? Die Vielfalt, dass es dort eigentlich keinen „Alltag“ gebe, dass man sich mit so vielem befassen müsse, dass man viel „draußen“ sei, „die Natur ist ja nicht gerade der schlimmste Arbeitsplatz“. Was sagen denn seine Eltern dazu, dass er „vom Weg abgekommen“ ist? Er lacht, also ihm sei da immer viel Freiheit gelassen worden. Das mit der Musik als Beruf, das sei ja seine eigene Idee gewesen, er habe sich das selbst in den Kopf gesetzt und sei damit eben „gestrandet“. Das Biologiestudium wiederum habe ihm viel gebracht, was ihm nun im Beruf helfe. Botanik habe er schon immer spannend gefunden, beim Weinanbau werde sie praktiziert, angewandt.

Am Anfang Muskelkater und „Rücken“ nach dem Abfüllen

Escher lobt Spucks Wissbegierigkeit. Der habe in seiner Ausbildung alles geradezu aufgesogen. Ihm sei von Anfang an viel Vertrauen entgegengebracht worden, gibt der das Kompliment zurück, „das war nicht selbstverständlich bei meinem Lebenslauf.“ Auch von der „Herkunft“ sei er ja nicht gerade ein Praktiker, Handwerker. Aber der Familienbetrieb habe ihm immer „ein total gutes Gefühl“ gegeben. Klar habe er bei der körperlichen Arbeit, die verlangt sei, am Anfang einige Muskelkater gehabt und nach dem Abfüllen „Rücken“. Er schaut belustigt auf seine „Schaffer“-Hände: „Auch die haben sich verändert.“ Die Eltern hätten seinen neuen Weg längst akzeptiert, versichert er: „Die waren bei mir aber immer zuversichtlich.“ Denen sei aber auch nichts anderes übriggeblieben. Überzeugt habe sie wohl zudem, dass auch er seinem Beruf mit Leidenschaft nachgehe.

Erst der zweite Auszubildende überhaupt im Betrieb und der schließt die Prüfung gleich als Landesbester ab. Klarer Fall, dass Eschers stolz sind auf Lennart, kurz und von ihnen auch so genannt, Lenni, Spuck. Wobei, an Auszeichnungen gewöhnen sie sich in dem Schwaikheimer Weingut allmählich, für ihre edlen Tropfen zum einen. Zum andern war Spucks Ausbilder Christian Escher vor sechs Jahren „Vize-Jungwinzer des Jahres“.

Er hat selbst bei Aldinger in Fellbach und beim Staatsweingut in

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