Schwaikheim

Lichtblick in trüber Zeit: Der audio-visuelle Weihnachtsgarten

weihnachtsgarten
Der Weihnachtsgarten an der Max-Eyth-Straße ist vor allem für Familien ein Erlebnis. © büttner

Sie haben sich schon im September gefragt, ob das mit Weihnachten dieses Jahr noch was wird, Stichwort Corona. Und früh nach Alternativen gesucht, falls vor allem der traditionelle Weihnachtsgottesdienst an Heiligabend nicht stattfinden kann. Die drei Vorgaben: Es muss draußen sein, unter freiem Himmel. Es muss einzeln begehbar sein. Es muss etwas sein, was die Weihnachtsgeschichte erlebbar macht. Eine weitere Überlegung: Es soll zeitlich nicht auf Weihnachten begrenzt sein, sondern möglichst über die ganze Adventszeit gehen, so wie eben sonst die dieses Jahr ausfallenden Weihnachtsmärkte. Diese Streckung soll auch dafür sorgen, dass sich der Andrang entzerrt, die Besucher sich nicht ballen.

Sie, das sind die ehrenamtliche Diakonin Johana Jooß, ihr Mann Timo Jooß, Teamleiter für die Öffentlichkeitsarbeit der Matthäus-Gemeinde, und Justin Vetter, deren Jugendreferent. Herausgekommen bei ihrem kreativen Brainstorming ist der Weihnachtsgarten, für den das Außengelände des Gemeindezentrums an der Max-Eyth-Straße genutzt wird. Er ist von acht bis (vorerst) 22 Uhr zugänglich, und er soll nicht nur einzelne Besucher oder Familien anlocken, sondern auch Kindergartengruppen und Schulklassen.

„Not macht erfinderisch“ bringt es das Trio auf den Punkt, verweist darauf, dass in den letzten Jahren der Weihnachtsgottesdienst jeweils 300 bis 400 Besucher hatte. Ein Totalausfall für all diese Leute wäre zu schade gewesen, durfte nicht sein, darin war man sich einig. Mit dem Weihnachtsgarten wird den Leuten nun etwas Schönes und für alle Altersklassen Geeignetes als Ersatz angeboten. Die Assoziation „Märchengarten“ liegt nahe, allerdings gehe es hier eben nicht um ein Märchen.

Weihnachtsgeschichte dazu kann man sich auf dem Handy anhören

Die Anlage ist ein Rundweg mit Stationen, Stationen der Weihnachtsgeschichte natürlich. Man denkt beim ersten Blick an ein Labyrinth, aber das täuscht, verirren wird und kann sich keiner. Coronabedingt geht es nur in eine Richtung, Einbahnstraße also, es gibt kein Zurück unterwegs – wie damals auch für Josef und Maria nicht. Es gibt nicht nur was für die Augen, sondern auch viel für die Ohren, nämlich Ton unterwegs. Den man sich über die Website aufs Handy laden und dort abspielen kann oder man scannt mit dem Smartphone den QR-Code am Eingang. Tipp der Macher: Für ein noch eindrücklicheres Erleben Kopfhörer mitbringen, oder, wer als Familie (ein Haushalt) kommt, einen Bluetooth-Lautsprecher. Oder man liest, wie einst, einfach die ausgedruckten Texte an den Stationen.

Das An- oder Zuhören ist natürlich reizvoller, wie das Multimediale sonst auch. Der Sprecher trägt nicht bloß einen Text vor, schon gar nicht den Wortlaut des Neuen Testaments. Das Ganze kommt sehr smart als modernes Hörspiel daher, mit Hintergrundgeräuschen, Dialogen und einem zeitgemäßen Wortschatz.

 Eva und Josef haben ein Problem, die Stadt ist voll und sie sind nicht willkommen, niemand will sie bei sich aufnehmen. Es heißt Hotel statt Herberge, Schuppen statt Stall. Dass man sofort denkt, es geht um heute und um die Situation von Flüchtlingen oder einfach Wohnungssuchende, ist kaum ein Zufall. Der raue Umgangston erinnert an so manch schwäbischen Vermieter. Plötzlich erbarmt sich doch einer, der sie zuvor abgewiesen hat. Engelsstimmen erklingen aus dem Off, Sphärenklänge, dazwischen klagen Lämmer, grunzen Schweine. Die Geburt des Gotteskindes selbst wird etwas „ausgespart“, Details vor allem dem Nachwuchs erspart: „Wir haben hier ja keine Altersbeschränkung“, lautet die launige Erklärung.

Dafür gibt es eine Überraschung, denn die Weihnachtsgeschichte wäre ja damit zu Ende. Es gibt aber eine „Verlängerung“: Drei weitere Stationen mit Begebenheiten aus dem Leben des Erwachsenen Jesu, Begegnungen von ihm, die auch im Neuen Testament stehen. Der pädagogisch-theologische Impuls, den die Macher auch setzen wollen, über das reine Erlebnis, Freizeitvergnügen hinaus, ist dort besonders deutlich. Aber die Weihnachtsgeschichte selbst ist ja auch eine Botschaft. Die Besucher haben sich am Ende, als letzte Station, das Ankommen im Zuhause, symbolisiert durch eine Art Wohnzimmer vor dem Eingang des Gemeindehauses, verdient. Etwa 20 Minuten sind dann bis dorthin vergangen, wenn man sich wirklich alles anhört, sich drauf einlässt. „Und wer möchte, kann ja noch weiter, einen Spaziergang machen zur nahen Linde.“

Holzfiguren sind selbst geschreinert, die Audiodateien selbst produziert

Alles ist selbst gemacht, die rund 30 Holzfiguren und alle Kulissen wurden eigens geschreinert, die Audiodateien selbst produziert. Rund 250 Meter Lichterketten sind verlegt worden. Die Macher gehen davon aus, dass vor allem die Schaf-Figuren Kinder anziehen werden. Streicheln ist ausdrücklich erlaubt. Über 50 Helfer waren aktiv. Dezentral, versteht sich, wegen Corona konnte man nicht ja zusammenkommen. Jeder brachte seine spezifische Fertigkeit, Begabung ein.

„Unser Angebot soll ein Lichtblick in dieser Zeit sein“, so die Macher. Auch ein Ersatz für das Kindermusical. Dass derzeit fast alles, was Spaß, Vergnügen mache, zu sei, treffe ja vor allem den Nachwuchs hart, sei gerade für den sehr schwer. Keine Präsenzgottesdienste mehr seit März, abgesehen von einer Zwischenphase, als bis zu 40 Leute kommen durften, das treffe aber auch Erwachsene. Die Alternative heißt online, von zu Hause aus zuschauen also. Sie wissen, dass rund 70 digitale Empfangsgeräte jeweils eingeschaltet sind. Jeden Sonntag wird ein Livegottesdienst aufgenommen und über den Youtubekanal verbreitet. Für Heiligabend wird ein Gottesdienst vorproduziert, der dann an diesem Tag ab 16 Uhr gestreamt wird.

Der Weihnachtsgarten kann an jedem Tag besucht werden, auch an Heiligabend, wenn es die Corona-Lage bis dahin zulässt. An den Wochenenden ist jemand vom Organisationsteam als Ansprechpartner vor Ort. Er wird auch ein Auge drauf haben, was das Tragen einer Mund-Nasen-Maske und das Abstandhalten angeht. „Aber eigentlich setzen wir da auf die Vernunft der Leute, hoffen, dass es sich nicht so konzentriert, dass wir doch noch Ordner brauchen.“ Auf der Website weihnachtsgarten-schwaikheim.de gibt es aktuelle Infos und auch Erklärungen, wie es mit dem Anhören der Texte funktioniert. Bereits am ersten Tag, als der Weihnachtsgarten offen war, kamen über 100 Besucher. „Wir wissen das über die Abspielzahlen der Audiodateien.“

Sie haben sich schon im September gefragt, ob das mit Weihnachten dieses Jahr noch was wird, Stichwort Corona. Und früh nach Alternativen gesucht, falls vor allem der traditionelle Weihnachtsgottesdienst an Heiligabend nicht stattfinden kann. Die drei Vorgaben: Es muss draußen sein, unter freiem Himmel. Es muss einzeln begehbar sein. Es muss etwas sein, was die Weihnachtsgeschichte erlebbar macht. Eine weitere Überlegung: Es soll zeitlich nicht auf Weihnachten begrenzt sein, sondern

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