Schwaikheim

Mentale Überbelastung: Bürgermeister Gerhard Häuser braucht Auszeit - Wie geht die Gemeinde Schwaikheim damit um?

Bürgermeister Häuser
Schwaikheims Bürgermeister Gerhard Häuser hat in einer persönlichen Erklärung darüber informiert, dass er sich im Moment nicht gut fühlt und Ärzte ihm eine Auszeit von seinem Amt als Bürgermeister dringend empfohlen haben. © ALEXANDRA PALMIZI

Bürgermeister Gerhard Häuser (57) fällt vorerst aus. „Es ist mir – auch und gerade im Sinne einer zügigen Genesung – ein wichtiges Anliegen, aus meiner mentalen Überbelastung kein Tabu zu machen. Der dringende ärztliche Rat lautet, sofort zu reagieren und mich schnellstmöglich in eine medizinische Rehabilitationsmaßnahme zu begeben“, schreibt er in einer Mitteilung an unsere Redaktion. Als Bürgermeister sei er es gewohnt, bei all seinen Projekten auf Frühsignale zu achten und schnellstmöglich gegenzulenken, wo dies notwendig ist. „Leider habe ich mir selbst gegenüber in den vergangenen Wochen und Monaten nicht die gleiche Sorgfalt walten lassen. In der vergangenen Woche konnte ich dann die Warnhinweise meines Körpers nicht länger überhören und war gezwungen, einen Arzt aufzusuchen“, erklärt Schwaikheims Bürgermeister. Nun sei er für vier Wochen, bis einschließlich Freitag, 11. Juni, krankgeschrieben. Auch weshalb er so offen mit seinem Gesundheitszustand umgeht, schreibt Häuser in seiner Mitteilung. „Mit diesem Schreiben möchte ich möglichen Gerüchten und Spekulationen zu meiner Erkrankung bereits im Vorfeld entgegentreten“, heißt es in der Erklärung.

Häusers Vertreter heißt Alexander Bauer

Im Rathaus hat man im Vorhinein nichts von Häusers gesundheitlichen Problemen gewusst. „Wir haben das auch erst jetzt erfahren“, erzählt Pressesprecher Daniel Völpel am Montagmorgen am Telefon. Vertreten werde Häuser vom SPD-Gemeinderat Alexander Bauer. Ob dieser sich voll auf das Bürgermeisteramt konzentriert oder nebenher noch seiner Arbeit bei der Polizei nachgeht, war am Morgen noch unklar. „Wir werden uns innerhalb der Verwaltung abstimmen und Kontakt zu Alexander Bauer aufnehmen. Theoretisch gibt es eine Freistellung vom Beruf für politische Ämter“, weiß Völpel. Sitzungen der Gemeinde, etwa die des Technischen Ausschusses am Dienstag, 11. Mai, sollen in jedem Fall regulär stattfinden.

Häuser erwähnt in seiner Pressemitteilung ebenfalls, dass sein erster Stellvertreter, Alexander Bauer, die Amtsgeschäfte fortführen werde. Außerdem würden auch die Verwaltungsmitarbeiter in gewohnter Art und Weise für Fragen und Belange zur Verfügung stehen.

„Wenn Herr Häuser im Urlaub war, haben wir es ebenso geregelt“

Einer, der bestens weiß, wie es nun weitergeht, ist Hauptamtsleiter Michael Tretter. „Wir werden uns im Laufe des Tages mit Alexander Bauer in einer Videokonferenz abstimmen“, berichtet er am Telefon. Mittlerweile sei man Konferenzen am Computer ja gewohnt. „Auch wenn Alexander Bauer nicht ins Rathaus kommt, haben wir einen kurzen Draht“, erklärt er. Im Grunde sei es für die Gemeinde keine ungewöhnliche Situation. „Wenn Herr Häuser im Urlaub war, dann haben wir es ebenso geregelt. Die Zeit jetzt ist etwas länger. Aber wir wissen, was wir zu tun haben“, versichert Tretter. Die auffälligste Veränderung in den kommenden vier Wochen werde es wohl sein, dass Alexander Bauer Ausschuss- und Gemeinderatssitzungen leitet. „Das darf niemand aus der Verwaltung machen, da gibt es klare Regelungen“, erklärt der Hauptamtsleiter. Alexander Bauer habe nach wie vor Stimmrecht. Nicht etwa zwei Stimmen, als Stellvertreter des Bürgermeisters und Gemeinderat, sondern wie bisher nur eine.

Ansonsten sei es eben so, dass die verschiedenen Ämter im Rathaus einen anderen Ansprechpartner haben. Jedes Amt habe nach wie vor dieselben Kompetenzen, könne Entscheidungen bis zu gewissen Beträgen treffen. „Natürlich sprechen wir dann auch regelmäßig mit dem Bürgermeister beziehungsweise jetzt mit seinem Vertreter. Es gibt Dinge, die man vor Ort klären beziehungsweise erledigen muss. Zum Beispiel Unterschriften unter Verträgen“, beschreibt Tretter Situationen, in denen Bauer in jedem Fall vor Ort sein muss.

Die Stellvertreter wechseln sich regelmäßig ab

Weshalb genau ist eigentlich der SPD-Fraktionssprecher der Stellvertreter des Bürgermeisters? „Das wurde nach den Gemeinderatswahlen so festgelegt“, antwortet Hauptamtsleiter Tretter. In Schwaikheim sei es so, dass man sich für ein rollierendes System entschieden habe. „Die Stellvertreter wechseln sich ab. Aktuell ist Alexander Bauer an der Reihe“, erklärt Tretter. Auch CDU-Rätin Brigitte Röger und Karin Gottschalk, Gemeinderätin der Grünen, stehen auf der Vertretungsliste.

Bauer: „Wir müssen gucken, dass der Laden läuft“

Zur Mittagszeit meldet sich Alexander Bauer telefonisch. Jetzt hat er Zeit gefunden, auch für ihn war der Sonntagabend und Montagmorgen turbulent. „Am Abend hat mich Gerhard Häuser über seine Krankschreibung informiert, dann seine Erklärung versendet. Es lief alles, wie es sein sollte“, lobt Bauer den Ablauf. Das Wichtigste sei nun, dass Häuser wieder gesund werde. „Er soll sich die Zeit nehmen, die er braucht. Ich wünsche ihm alles Gute“, sagt Bauer.

Am Montagmorgen habe er Gespräche mit seinen Vorgesetzten bei der Polizei geführt, ihnen erklärt, dass er mehr Zeit für die Gemeinde benötige. „Es gibt aber auch laufende Ermittlungen, in denen man nicht einfach das Pferd wechseln kann“, erklärt der Hauptkommissar für Wirtschaftskriminalität. Man müsse schauen, wie man beides vereinbaren könne. „Das alles unter einen Hut zu bringen, wird die große Schwierigkeit“, ahnt Bauer. Wenn es Termine gebe, lasse er sich in jedem Fall freistellen. Das sei nun eben die Situation. „Aber ich bin guten Mutes, dass wir das meistern“, ist Bauer optimistisch. Er sehe sich auf Augenhöhe, bittet die Verwaltung um Mitarbeit und Vertrauen. „Wir müssen gucken, dass der Laden läuft. Die Show muss weitergehen“, so Alexander Bauer.

Die Stellvertretung habe er bis Oktober inne, hoffe allerdings, dass Gerhard Häuser schon früher wieder auf seinen Posten zurückkehrt. „Ich werde mit dem Rathaus in engem Kontakt bleiben. Sicher werden wir einiges über Videokonferenz lösen. Da werden wir gemeinsam besprechen, ob wir das morgens erledigen oder wenn ich Feierabend habe“, nennt Bauer verschiedene Möglichkeiten.

Häuser will sich bald wieder „mit Herzblut einbringen“

Gerhard Häuser jedenfalls möchte in den kommenden vier Wochen zur Ruhe kommen und Abstand gewinnen. „Mein oberstes Ziel ist es, mich in dem Beruf, der mir so viele wichtige Begegnungen, so viele einzigartige Erlebnisse und so viele Freundschaften geschenkt hat, bald wieder mit all meinem Herzblut einbringen zu können und mit ganzer Kraft für Sie als Ihr Bürgermeister da zu sein“, endet seine Erklärung kämpferisch.

Erstmals zum Schwaikheimer Bürgermeister gewählt wurde Gerhard Häuser im März 1994. Wiederum im März, allerdings im Jahr 2019, wurde Häuser für seine insgesamt vierte Amtszeit in Schwaikheim vereidigt. Die Amtsperiode eines Bürgermeisters läuft acht Jahre.

Bürgermeister Gerhard Häuser (57) fällt vorerst aus. „Es ist mir – auch und gerade im Sinne einer zügigen Genesung – ein wichtiges Anliegen, aus meiner mentalen Überbelastung kein Tabu zu machen. Der dringende ärztliche Rat lautet, sofort zu reagieren und mich schnellstmöglich in eine medizinische Rehabilitationsmaßnahme zu begeben“, schreibt er in einer Mitteilung an unsere Redaktion. Als Bürgermeister sei er es gewohnt, bei all seinen Projekten auf Frühsignale zu achten und

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