Schwaikheim

Muslimische Gräber auch in Schwaikheim

muslimische Gräber
Muslimische Gräber und Grabfelder gibt es bereits zum Beispiel in Neustadt. © ALEXANDRA PALMIZI

Auch in Schwaikheim wird es ein muslimisches Grabfeld auf dem Friedhof geben und damit die Möglichkeit für islamkonforme Bestattungen inklusive Totenwaschungen. Einem entsprechenden Antrag, den die türkisch-islamische Gemeinde mit Unterstützung der SPD- und der Grünen-Fraktionen eingereicht hatte, hat der Gemeinderat zugestimmt.

In dem sehr detaillierten, mehrseitigen Antrag wird eingangs Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit der Aussage zitiert: „Solange sich Menschen nicht dort begraben lassen, wo sie gelebt haben, sind sie nicht voll integriert.“ Laut jüngsten Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlingen liegt die Zahl der Muslime in Deutschland zwischen 5,3 und 5,6 Millionen, was einem Bevölkerungsanteil zwischen 6,4 und 6,7 Prozent entspricht. In Baden-Württemberg betrug der Anteil der Muslime laut einer Schätzung des Statistischen Landesamts von 2018 sogar 7,4 Prozent. Eine auf Schwaikheim heruntergebrochene Zahl beziehungsweise heruntergebrochener Prozentanteil an der Einwohnerzahl dort gibt es laut Gemeindeverwaltung nicht. In dem Antrag wird auch darauf verwiesen, dass viele der Muslime bereits in der dritten Generation in Deutschland sind, wobei die Herkunftsländer in ganz unterschiedlichen Regionen der Welt liegen. Der Islam sei nach dem Christentum die Glaubensrichtung mit den zweitmeisten Anhängern im Land, wobei etwa die Hälfte von ihnen deutsche Staatsbürger seien, und noch mehr von ihnen Mitglied in einem deutschen Verein seien.

Verweis auf gemeinsame Aktivitäten der Religionsgemeinschaften

In dem Antrag wird weiter auf die gemeinsamen Aktivitäten der Religionsgemeinschaften in Schwaikheim (Fastenbrechen, Friedensgebete und -feste) verwiesen und darauf, dass sich viele Muslime dort heimisch fühlten. Auch die Wahl eines Muslims in den Gemeinderat habe dazu beigetragen, dass sie sich wertgeschätzt fühlen. In Schwaikheim sei gemeinsam viel für die Integration und das friedliche Beisammenleben erreicht worden.

Mit der stärkeren Verwurzelung an die neue Heimat stelle sich auch die Frage, wo gläubige Muslime beerdigt werden wollen, heißt es in dem Antrag weiter. Bisher würden Leichname nämlich noch oft in die Herkunftsländer überführt. Zunehmend bemühten sich Muslime darum, an den Orten, wo sie ihren Lebensmittelpunkt haben, begraben zu werden. Mit dem islamischen Grabfeld könne gemeinsam ein weiteres Zeichen gesetzt werden, schreibt der örtliche Ditib-Verein, der auch darauf verweist, dass es derzeit etwa 200 solcher Sondergrabflächen in Deutschland gebe, so in unmittelbarer Nähe in Backnang, Schorndorf und seit neuestem auch in Winnenden.

In dem Antrag wird ferner darauf verwiesen, dass das Bestattungsrecht des Landes mittlerweile keine Sargpflicht mehr vorschreibe und dass islamische Bestattungsriten, wie das Waschen der Leichen, von den Kommunen durch entsprechende Einrichtungen ermöglicht werden sollen. Ebenso gebe es keine 48-Stunden-Frist mehr, also die Vorgabe, dass erst nach deren Ablauf Bestattungen stattfinden dürfen. Damit könnten Verstorbene inzwischen innerhalb von 24 Stunden bestattet werden und somit islamischer sowie jüdischer Tradition gemäß. Es gebe allerdings (noch) keine konkrete Regelung zur „ewigen Ruhe“, die zu diesen beiden Traditionen gehöre. Eine Bestattung nach islamischen Vorschriften sei in Deutschland mittlerweile normal, werde in vielen Bundesländern und Kommunen praktiziert, heißt es in dem Antrag weiter.

Standort im südöstlichen Teil des Friedhofs

Die Gemeindeverwaltung hat diesen Antrag, nachdem er eingereicht wurde, befürwortet und Kontakt zur Stadt Winnenden aufgenommen. Es wurde eine Machbarkeitsstudie bei dem Ingenieurbüro in Auftrag gegeben, das auch sonst die Gemeinde in Sachen Friedhof berät. Vor allem geht es um einen geeigneten Standort dort für ein muslimisches Grabfeld. Die Empfehlung lautet im südöstlichen Teil, auf einer Fläche, die bislang ungenutzt ist. Dass diese separat liegt und dass Muslime und Christen nicht nebeneinander bestattet werden, liegt vor allem daran, dass der islamische Bestattungsritus vorschreibt, dass die betreffenden Gräber nach Südosten, sprich Mekka, ausgerichtet sein müssen.

Das Fachbüro hat dazu zwei Varianten vorgeschlagen, es läuft nach einer entsprechenden Empfehlung wohl auf die hinaus, die eine etwas geringere Zahl an Grabstellen zulässt, die aber breitere Zugangswege aufweist und damit dem Bauhof das Arbeiten auf dem Friedhof erleichtert. Für die Totenwaschung soll eine Zelle in der Aussegnungshalle entsprechend umgebaut werden. Was die Vorgabe „ewige Totenruhe“ angeht, kann sich die Verwaltung vorstellen, dass muslimische Grabstätten erst geräumt werden müssen, wenn es dereinst Platzmangel auf dem Friedhof geben sollte, auch hierzu soll es weitere Gespräche mit der islamischen Gemeinde geben.

In der Aussprache des Gemeinderats, in dem die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie und die Empfehlungen der Verwaltung vorgestellt wurden, betonte Alexander Bauer, Sprecher der SPD-Fraktion, es brauche einen Austausch über die jeweiligen Bestattungskulturen, auch dieser fördere das Miteinander. Dem Anliegen nachzukommen, sei wichtig für die Integration der Muslime in die Gesellschaft, so Karl-Heinz Jaworski, Sprecher der Grünen. Diese bräuchten auch eine Grabstätte auf dem Schwaikheimer Friedhof. Auch die CDU-FB-Fraktion stimme dem Antrag zu, so deren Sprecher Tobias Schneider: „Es gibt keinen Grund, das abzulehnen.“ Im Gegenteil, die Gemeinde müsse dafür sein, dass ihre muslimischen Mitbürger vor Ort bestattet werden können. Nach der einstimmigen Zustimmung soll die Verwaltung nun die weiteren Schritte einleiten (Erstellung einer Kostenübersicht, Änderung der Friedhofssatzung, Anlegen des Grabfelds, Umbau der Aussegnungshalle, Freigabe der Gräber).

Auch in Schwaikheim wird es ein muslimisches Grabfeld auf dem Friedhof geben und damit die Möglichkeit für islamkonforme Bestattungen inklusive Totenwaschungen. Einem entsprechenden Antrag, den die türkisch-islamische Gemeinde mit Unterstützung der SPD- und der Grünen-Fraktionen eingereicht hatte, hat der Gemeinderat zugestimmt.

In dem sehr detaillierten, mehrseitigen Antrag wird eingangs Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit der Aussage zitiert: „Solange sich Menschen nicht dort

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